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"Treppen und Stufen sind grundsätzlich verboten!"

Aus Ausgabe 03/2010

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Prof. Dr. Ursula  Lehr
Prof. Dr. Ursula  Lehr;
Quelle: BHW Bausparkasse;
BildNr. 5645;
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BHW: Frau Prof. Lehr, laut einer aktuellen Emnid-Umfrage möchten 95 Prozent der deutschen Eigenheimbesitzer über 50 Jahre bis ins hohe Alter in den eigenen vier Wänden leben. Aber 30 Prozent geben an, dass ihr Wohnraum nicht altersgerecht ist. Wie sind Ihre persönlichen Erfahrungen?

Prof. Lehr: Die vielen Einfamilien-Häuser, die in den 60er-Jahren gebaut worden sind, sind alles andere als seniorengerecht. Ich selbst habe in so einem Einfamilien-Reihenhaus gelebt. Als mein Mann schwer krank wurde, überlegten wir, sein Schlafzimmer ins Erdgeschoss zu verlegen. Aber es war nicht möglich, das kleine Gäste-WC halbwegs zu einem vernünftigen Bad auszubauen. Ich verstehe nicht, wie man bauen kann, ohne an das Alter zu denken. Ich bin nach seinem Tod in eine „seniorengerechte“ Eigentumswohnung gezogen.

BHW: Die meisten Menschen kaufen oder bauen auch heute noch nach dem Motto „ein Haus fürs ganze Leben“. Hat dieses Modell Zukunft?

Prof. Lehr: Wenn von vornherein flexibel und damit auch altersgerecht geplant wird – ja. Aber leider fehlt es manchen Architekten an Einfühlungsvermögen in die kleineren und größeren Einschränkungen, mit denen sich Senioren oder Menschen mit Behinderungen auseinanderzusetzen haben. Treppen und Stufen sind grundsätzlich verboten!

BHW: Was kann der Baumarkt leisten, um diese neuen Wohnformen und Lebensmodelle zu fördern?

Prof. Lehr: Sie müssen ein entsprechend breites Angebot schaffen. Dabei sollte man von der Erkenntnis ausgehen, dass man im Alter keineswegs weniger Wohnraum braucht, sondern eher mehr. Wenn man noch mit dem Partner zusammenlebt, braucht jeder seinen eigenen Bereich. Beschränkt sich der Lebensraum bei schwindender Mobilität auf die eigene Wohnung, muss diese auch eine gewisse Größe haben.

Information:

Prof. Dr. Ursula Lehr, Jahrgang 1930, ist führende Wissenschaftlerin auf dem Gebiet der Erforschung und Gestaltung des Alterns. Von 1988 bis 1991 führte sie das Bundesfamilienministerium. Als Schirmherrin des 2006 eingeführten Postbank Kundenbeirats 60plus setzte sie sich dafür ein, gemeinsam mit Senioren die Produkte, Dienstleistungen und Services der Postbank an die Bedürfnisse der „Best Ager“ anzupassen. Im neuen 25 Mitglieder starken Kundenbeirat der Postbank, der am 11.04.2011 ins Leben gerufen wurde, übernimmt sie die Schirmherrschaft für die Mitglieder der Gruppe 60 plus.

 

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