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Postbank
 
26.08.2022
Märkte am Morgen
 
 
 
 
 
Sehr geehrte Damen und Herren,
nun sind wir an dem Freitag angelangt, an dem alle Marktbeobachter mal wieder an den Lippen des Fed-Gouverneurs Jerome Powell hängen werden, um Rückschlüsse aus dessen Eröffnungsrede in Jackson Hole auf den Zinspfad der Fed zu ziehen. Wie einfach war es doch früher, als die Händler nur darauf achten mussten, wie voll die Aktentasche des damaligen Fed-Gouverneurs Greenspan gefüllt war. Je voller und ausgebeutelter, desto höher die Wahrscheinlichkeit einer Zinsänderung.
 
Auch gestern spielten die Märkte für Energierohstoffe mal wieder verrückt. Der Ein-Monats-Kontrakt für Erdgas an der niederländischen Börse (TTF) stieg weiter auf 322 Euro/MWh und schloss bei 311 Euro/MWh. Der an der Energiebörse EEX gehandelte Kontrakt zur Lieferung von Strom in Deutschland mit Fälligkeit in einem Jahr hüpfte von 660 Euro/MWh auf rund 780 Euro/MWh. Strom zur Lieferung am nächsten Tag erzielte ebenfalls bei 692 €/MWh ein neues Rekordhoch. In Paris notiert der französische Ein-Jahres-Kontrakt übrigens bei 900 Euro/MWh. Schlimmer geht immer.

Die Renditen der Staatsanleihen machten ihren Vortagesanstieg mehr als wett. Zweijährige Bundesanleihen rentierten am Abend bei 0,84 Prozent (-6 b.p.), zehnjährige mit 1,31 Prozent (-5 b.p.); zwei, zehn- und dreißigjährige US-Treasuries heute Morgen bei 3,38 (+0 b.p.), 3,05 (-5 b.p.) bzw. 3,26 (-4 b.p.) Prozent. In Italien rentierten die zweijährigen BTPs bei 1,72 (-15 b.p.) und die zehnjährigen bei 3,53 (-13 b.p.) Prozent.
 
Nach der Rallye der vergangenen Tage verbilligten die Ölpreise sich um rund zwei Prozent. Industriemetalle verteuerten sich hingegen unisono leicht bis moderat. Die Goldpreise handeln nahezu unverändert. Der Euro rutschte zum US-Dollar wieder unter die Parität. Gegen die meisten anderen „großen“ Währungen wertete er ebenfalls leicht bis moderat ab. Nur der Forint setzt noch etwas mehr zurück.
 
Die europäischen Aktien-Leitindizes handelten wie schon am Vortag uneinheitlich aber letztendlich wenig verändert, der Dax rückte 0,4 Prozent auf 13.271 Punkte vor. Die US-Leitindizes schienen die Rede Jerome Powells bzw. die Angst vor dem, was er sagen könnte, bereits im Vorfeld abgehakt zu haben. Sie notierten zwischen 1,0 und 1.7 Prozent höher. Auch die asiatischen Indizes legen mit wenigen Ausnahmen leicht bis moderat zu.

Im Folgenden blicken wir auf den sich zumindest relativ tapfer haltenden Ifo-Geschäftsklimaindex. Anschließend analysieren wir den Tatendrang der Notenbanker in Südkorea und fassen das Ungemach an den Energiemärkten im Verlauf dieser Woche mal in geballter Form zusammen.
 
 
Was heute wichtig wird
 
 
USA | FOMC Jackson Hole Meeting
 
 
08.00 Uhr, Deutschland | GfK Verbrauchervertrauen, September (Erw. −32,0 Pkt.; Vm. −30,6 Pkt.)
 
 
14.30 Uhr, USA | Konsumentenausgaben, Juli (Erw. +0,4 % mom.; Vm. +1,1 %)
 
 
14.30 Uhr, USA | PCE Core Deflator, Juli (Erw. +4,7 % yoy.; Vm. +4,8 %)
 
 
 
EUR/USD 0,996 
ifo Geschäftsklimaindex bestätigt Wachstumsverlangsamung 
Obwohl der ifo Geschäftsklimaindex im August von 88,7 auf 88,5 Punkte nur geringfügig zurückging, steht er weiterhin auf einem sehr niedrigen Niveau. Damit ist der Index drei Mal in Folge gefallen. Volkswirte hatten allerdings mit einem stärkeren Rückgang auf 86,8 Punkte gerechnet. Sowohl die Einschätzung der aktuellen Lage als auch die Konjunkturerwartungen für die nächsten sechs Monate der ifo-Umfrage im August gingen moderat zurück. Insbesondere im Handel trübt sich die Stimmung immer weiter ein. Lediglich im Bauhauptgewerbe und im Dienstleistungssektor hat sich das Geschäftsklima nach den starken Rückgängen im Vormonat leicht verbessert. Im Verarbeitenden Gewerbe blieb es zum Vormonat unverändert.
 
Wie der Einkaufsmanagerindex auch, signalisiert das wichtigste Stimmungsbarometer für die deutsche Wirtschaft damit einen Rückgang der Wirtschaftsleistung. Nachdem die deutsche Volkswirtschaft gemäß der gestern veröffentlichten Zweitschätzung im zweiten Quartal um 0,1 Prozent gegenüber dem Vorquartal gewachsen ist, droht nun ein Wachstumsrückgang. Mit Blick auf die Datenlage derzeit stellt sich nicht mehr die Frage, ob Deutschland in eine Rezession fällt, sondern wie tief sie ausfällt. Der Euro zeigte sich gestern gegenüber dem US-Dollar unverändert und pendelte um die Parität. Aufgrund der heute für 16 Uhr unserer Zeit erwarteten Rede von Fed-Chef Jerome Powell in Jackson Hole dürften die Kursschwankungen allerdings wieder zunehmen.
 
 
 
 
EUR/KRW 1.336,63 
Südkorea: Währungshüter erhöhen Zinsen langsamer 
Die südkoreanische Notenbank hat ihren Leitzins gestern weiter um 25 Basispunkte auf 2,5 Prozent angehoben. Nachdem der Gouverneur nach der letzten Sitzung, bei der noch ein Zinsschritt von 50 Basispunkten beschlossen worden war, eine moderatere Gangart angekündigt hatte, war die Entscheidung einer kleineren Anhebung nicht mehr überraschend. Bezüglich der künftigen wirtschaftlichen Entwicklung zeigt sich die Notenbank weniger optimistisch. Danach hat sie ihre Prognosen für das BIP-Wachstum 2022 um 0,1 Prozentpunkte auf 2,6 Prozent abgesenkt, für 2023 erwartet sie nun einen Zuwachs von 2,1 Prozent (davor: 2,4 Prozent).
 
Trotzdem legen die Währungshüter ihren Fokus unverändert auf die Bekämpfung der Inflation und halten an ihrer sogenannten Forward Guidance für die Geldpolitik fest. Dementsprechend könnte auf den beiden kommenden Sitzungen jeweils ein Zinsschritt von 25 Basispunkten erfolgen, sodass der Leitzins bis Jahresende auf drei Prozent steigen dürfte. Dass es tatsächlich so kommt, ist angesichts des sich abzeichnenden konjunkturellen Abschwungs und einer möglichen Trendwende bei der Inflation aber keinesfalls ausgemacht. Mit Blick auf den schwachen Wechselkurs des Südkoreanischen Won zeigt sich die Notenbank relativ entspannt. Aus ihrer Sicht sind die negativen Folgen einer erhöhten Wechselkursvolatilität wichtiger als die Verteidigung eines bestimmten Wechselkursziels. Der Südkoreanische Won legte nach der Zinsentscheidung zum Euro zeitweise zu, verharrte aber weiterhin in dem seit einigen Wochen bestehenden Seitwärtstrend.
 
 
 
 
Europäisches Erdgas zur Lieferung in einem Monat an der TTF 311,3 EUR/MWh 
Energiepreise kennen nur noch eine Richtung 
Die Risikoprämie, die die Märkte aktuell in den Euro und die europäischen Aktienmärkte einpreisen, dürfte sich so schnell nicht verflüchtigen. Schließlich bläst zurzeit eine Art „perfekter Sturm“ den Ländern, die von Energieimporten abhängig sind, ins Gesicht.
Waren bis Ende vergangener Woche die Ölpreise aufgrund wachsender Rezessionssorgen an den Märkten auf das Niveau vor Beginn von Russlands Ukraine-Invasion zurückgefallen, steigen sie seit Wochenbeginn wieder nahezu pausenlos an. In den USA signalisierten Daten einen weiteren deutlichen Rückgang der US-Rohöllagerbestände. Zudem könne nach Aussagen des saudi-arabischen Ölministers sich die OPEC+ gezwungen sehen, die Produktion zu drosseln, um „einen volatilen Markt zu stabilisieren“. Marktbeobachter sehen hier eine Reaktion auf eine mögliche Abschwächung oder gar Aufhebung von Sanktionen gegenüber iranischen Erdölexporten. Die Ölminister anderer Staaten der OPEC+ äußerten sich seitdem teilweise in ähnlicher Manier.
Preistreibend wirkte zudem die Meldung, dass die kasachischen Ölexporte aufgrund technischer Probleme an einem Ölterminal am Schwarzen Meer für Monate gedrosselt werden müssen. Mindestens die Hälfte der Verladekapazität von 1,3 Millionen Barrel am Tag, die bei voller Auslastung der Kaspischen Pipeline auf Schiffe verladen wird, dürfte dann wegfallen. Eine allgemein preisstützende Gemengelage an den Ölmärkten also. 

Dies ist jedoch nichts im Vergleich zu den Turbulenzen an den Erdgasmärkten. Im Vorfeld der erneuten Stilllegung der Pipeline Nord Stream 1 (mindestens) vom 31. August bis zum 2. September eskalieren die Sorgen um die Erdgasversorgung Europas. Das globale Wettrennen und -bieten um (Flüssig-)Erdgas sorgt mittlerweile nicht nur in Europa für signifikante Preissprünge. Gerechnet in US-Dollar je Million British Thermal Units (BTU), notiert europäisches Erdgas mit knapp 92 US-Dollar / Mio. BTU mehr als 250 Prozent teurer als Mitte Juni, Erdgas in Asien zur Lieferung nach Japan und Südkorea mit 63 US-Dollar / Mio. BTU aber auch bereits mehr als 200 Prozent teurer. Deutlich günstiger wird US-amerikanisches Erdgas an den US-Terminbörsen gehandelt, nämlich bei nicht einmal 10 US-Dollar / Mio. BTU. Auch dies ist aber eine Preisverdoppelung seit Anfang Juli.
 
Dass das mit Abstand bedeutendste Terminal in Texas, von dem verflüssigtes Gas (LNG) nach Europa verschifft wird, nach einem Brand nun statt bis Anfang Oktober bis Mitte November außer Betrieb bleibt, erhöhte gestern zusätzlich den Aufwärtsdruck auf die europäischen Erdgaspreise – und damit auch auf die an den Terminbörsen gehandelten Strompreise. Da aktuell wenig Hoffnung besteht, dass Russland die Erdgasexporte wieder erhöht, dürften die Preise trotz potenzieller Rücksetzer auf hohem Niveau verharren.
 
 
 
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