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Postbank
 
1. Juni 2022
Märkte am Morgen
 
 
 
 
 
Sehr geehrte Damen und Herren,
im Vorfeld der ab heute gültigen Neun-Euro-Tickets und Tankrabatte demonstrierten die gestrigen Inflationsdaten für die Eurozone mit 8,1 Prozent noch einmal, dass eine Linderung der Schwindsucht in den Portemonnaies durchaus mal von Nöten wäre. Die nach der Einigung auf ein EU-Teilembargo bezüglich russischen Öls vorübergehend deutlich angestiegenen Ölpreise unterstrichen, dass das Ende der Fahnenstange möglicherweise noch nicht erreicht ist. Kein Wunder also, dass die Renditen der Staatsanleihen insbesondere in Europa erneut kraftvoll aufwärts kletterten.
 
Zehnjährige Bundesanleihen rentierten am Abend bei 1,12 Prozent (+7 b.p.), zweijährige bei 0,485% (+5,5 b.p.); zwei, zehn- und dreißigjährige US-Treasuries heute Morgen bei 2,57 (+1 b.p.), 2,86 (+2 b.p.) bzw. 3,06 (+2 b.p.) Prozent. Zehnjährige italienische Staatsanleihen rentieren mit 3,11 Prozent nun wieder über der Marke von 3,0 Prozent. In den USA beginnt die Fed heute mit dem Abbau der Bilanz mittels Quantitative Tightening, dem graduellen Abschmelzen der Anleihenbestände.  
 
Die Ölpreise setzten am Abend deutlich zurück, nachdem sie morgens auf den höchsten Stand seit Anfang März geklettert waren. Meldungen, nach denen möglicherweise die Produktionsbeschränkungen der OPEC+-Staaten aufgrund eines Ausscheidens Russlands aus dieser Runde zeitnah komplett aufgehoben werden könnten, dürften den meisten Marktakteuren zwar unwahrscheinlich vorkommen, diese aber dennoch animiert haben, Long-Positionen vorsichtshalber zu verkleinern oder zu schließen. Die Industriemetalle handeln uneinheitlich, Gold verbilligt sich wegen der steigenden Renditen und des festeren US-Dollars. Dieser stieg gestern wohl auch wegen Monatsenddispositionen moderat an. Der Euro rutschte trotz der steigenden Renditen zum US-Dollar vorübergehend unter die Marke von 1,07. Wie schon am Vortag werteten der Yen (Renditedifferenz) und der Forint (die Erhöhung der Base Rate war nicht höher als erwartet) am deutlichsten ab.
 
Inflationsdaten und Renditeanstieg, das war alles etwas viel für die europäischen Aktienleitindizes, die in der Mehrheit mehr als ein Prozent nachgaben. Der Dax verlor 1,3 Prozent auf 14.388 Punkte. Die US-Indizes gaben moderat nach – deren Futures steigen aber heute Morgen ebenso wie der des Dax wieder an. Die asiatischen Indizes handeln uneinheitlich. Der Caixin Einkaufsmanagerindizes der Industrie stieg zwar von 46,0 im Vormonat auf 48,1 im Mai, verfehlte damit aber leicht die erwarteten 49,0 und verharrt somit weiter im kontraktiven Bereich unter 50. Immerhin werden heute in Shanghai viele Pandemiebeschränkungen aufgehoben, der Juni PMI könnte also besser aussehen.

Im Folgenden blicken wir auf die nahezu erwartungsgemäß erneut die Erwartungen übertreffenden Inflationsdaten für die Eurozone. Anschließend beäugen wir die geplanten Fiskalhilfen in Großbritannien und die aktuelle Schwäche des Ungarischen Forint.
 
 
Was heute wichtig wird
 
 
03.30 Uhr, Australien | Bruttoinlandsprodukt, 1. Quartal 2022 (tats. +0,8 % qoq., Vm. +3,6 %)
 
 
08.00 Uhr, Deutschland | Einzelhandelsumsatz, April (Erw. –0,5 % mom.; Vm. –0,1 % mom.)
 
 
11.00 Uhr, Eurozone | Arbeitslosenquote, April (Erw. 6,8 %; Vm. 6,8 %)
 
 
16.00 Uhr, Kanada | Zinsentscheid der Bank of Canada (Erw. 1,5 %; Vm. 1,0 %)
 
 
16.00 Uhr, USA | ISM-Index Verarbeitende Industrie, Mai (Erw. 54,5 Pkt.; Erw. 55,4 Pkt.)
 
 
16.00 Uhr, USA | JOLTS-Stellenangebote, April (Erw. 11.350 Tsd.; Vm. 11.549 Tsd.)
 
 
20.00 Uhr, USA | Beige Book der Federal Reserve 
 
 
 
EUR/USD 1,071 
Rekordinflation in der Eurozone 
Ähnlich wie in Deutschland überraschte auch in der Eurozone die Inflation erneut negativ. Mit 8,1 Prozent erreichte die Inflationsrate im Mai nach einer ersten Schätzung einen neuen Rekordwert und erhöhte sich nochmals deutlich zum Vormonat, als die Teuerungsrate bei 7,4 Prozent lag. Volkswirte hatten im Vorfeld mit einem Anstieg auf 7,6 Prozent gerechnet. Auch die Kerninflationsrate legte nochmal von 3,5 Prozent im April auf 3,8 Prozent im Mai zu. Für die Europäische Zentralbank (EZB) dürfte der weiter steigende Inflationsdruck Anlass zur Sorge sein. Die kommende geldpolitische Sitzung wird daher mit Spannung erwartet. Denn die Währungshüter werden auf dieser Sitzung ihre aktualisierten makroökonomischen Prognosen präsentieren, die wohl insbesondere auf der Inflationsseite deutlich nach oben angepasst werden. Bereits letzte Woche hatte EZB-Präsidentin Christine Lagarde in einem EZB-Blog angekündigt, dass bis Ende September der Einlagenzinssatz negatives Terrain verlassen könnte. Die aktuell zu beobachtenden Inflationsraten könnten allerdings ein schnelleres Handeln erfordern. 

Der Euro verlor gestern gegenüber dem US-Dollar nach falkenhaften Tönen eines Fed-Gouverneurs, der auf die Notwendigkeit weiterer 50-Basispunkte-Zinsschritte hingewiesen hatte, bis die Inflation signifikant abgesunken sei. Die Inflationsentwicklung wird die Notenbanker auf beiden Seiten des Atlantiks noch längere Zeit beschäftigen.
 
 
 
 
EUR/GBP 0,851 
Neues Fiskalpaket in Großbritannien 
Um die Privathaushalte angesichts stark gestiegener Lebenshaltungskosten zu entlasten, hat die britische Regierung ein weiteres Fiskalpaket beschlossen. Die Hilfsmaßnahmen haben ein Gesamtvolumen von 15 Milliarden GBP und sollen insbesondere einkommensschwachen Haushalten zugutekommen. Vorgesehen sind unter anderem eine Anhebung des Rabatts auf Energieausgaben auf 400 GBP pro Haushalt, wobei dieser nun auch nicht mehr zurückgezahlt werden muss, sowie allgemeine Transferzahlungen für bestimmte Einkommensgruppen. Finanziert wird das Paket teilweise durch eine Sondersteuer in Höhe von 25 Prozent auf die zusätzlichen Gewinne im Öl- und Gassektor, die durch den Anstieg der Energiepreise entstehen.
 
Zusammen mit den bereits zuvor beschlossenen Maßnahmen belaufen sich die Hilfen auf etwa 35 Milliarden GBP oder 1,5 Prozent der Wirtschaftsleistung. Das britische Fiskalpaket fällt damit größer aus als in den meisten anderen europäischen Staaten – unter den vier großen EU-Mitgliedstaaten hat lediglich Italien in Relation zum Bruttoinlandsprodukt ein umfangreicheres Paket. Die Wachstumseffekte dürften sich dennoch in Grenzen halten. Immerhin sollte aber das Risiko einer rezessiven Entwicklung in Großbritannien durch das Hilfspaket sinken, obwohl die Wirtschaft zeitweise über eine Stagnation kaum hinauskommen sollte. Dementsprechend dürfte sich mit dem neuen fiskalischen Paket auch die Wahrscheinlichkeit einer stärkeren geldpolitischen Straffung erhöhen. Unterdessen notierte der EUR/GBP-Wechselkurs auch gestern weiter in der Nähe von 0,85.
 
 
 
 
EUR/HUF 396,8 
Forint nahe am Allzeittief 
Unter deutlichen Abwertungsdruck geriet der Ungarische Forint seit vergangenem Dienstag, nachdem wegen des Russland-Ukraine-Krieges der Notstand verhängt beziehungsweise verlängert wurde. Der Notstand erlaubt es der Regierung, geltende Gesetze aufzuheben, per Dekret zu regieren beziehungsweise Verordnungen zu erlassen – also am Parlament vorbei zu regieren. Dabei hat seit der letzten Parlamentswahl Anfang April die regierende Fidesz-Partei eine satte Zwei-Drittel-Mehrheit im Parlament. Die Währungsmärkte reagierten etwas verschnupft. Auch die Streitigkeiten Ungarns mit den meisten restlichen EU-Staaten bezüglich des Ölembargos gegenüber Russland haben dem Forint nicht gerade Rückenwind geliefert.
 
Das tat gestern auch die Ungarische Notenbank (NBH) zunächst nicht, denn auf ihrer monatlichen Sitzung erhöhte sie die Base Rate nicht stärker als um 50 Basispunkte auf 5,90 Prozent. Die Anhebung entsprach den Konsenserwartungen und knüpfte an die früheren Kommentare des stellvertretenden Gouverneurs Virag an, dass das Anhebungstempo gegenüber den 100-Basispunkt-Schritten, die bei den letzten beiden Sitzungen geliefert wurden, um etwa die Hälfte reduziert werden würde. Einige Analysten hatten jedoch mit einer größeren Erhöhung um 65 bis 75 Basispunkte gerechnet – da dies den Währungshütern ermöglicht hätte, den Basiszinssatz und den Einlagensatz bis Juli anzugleichen. Der Einlagenzinssatz, die One-Week-Deposit-Rate, die aktuell als Leitzins fungiert, dürfte morgen erneut um 30 Basispunkte von 6,45 auf 6,75 Prozent angehoben werden.

Die NBH sollte das monatliche Anhebungstempo von 30 Basispunkten bis auf Weiteres und auch in der zweiten Jahreshälfte fortsetzen, wie es Vizegouverneur Virag in der anschließenden Pressekonferenz betonte. Schließlich betrug die von der Notenbank präferierte Kerninflationsrate im April bereits 10,3 Prozent. Wobei allerdings auch die steigende Staatsverschuldung und das sich ausweitende Leistungsbilanzdefizit die Währungshüter besorgen dürften. Der Forint sank unmittelbar nach dem Zinsentscheid bis auf knapp 397 EUR/HUF, konnte sich anschließend aber leicht erholen.
 
 
 
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