Jetzt mehr erfahren.
Postbank
 
1. Oktober 2021
Märkte am Morgen
 
 
 
 
 
Sehr geehrte Damen und Herren,
Besucher der heute beginnenden Weltausstellung 2020 in Dubai können dort vielleicht einen kleinen Blick in die Zukunft werfen. Das möchten Investoren natürlich auch gerne, aber leider ist es manchmal an den Märkten nicht so einfach. Aktienanleger machen einen Haken an das schwächste Quartal seit dem ersten Quartal 2020, als die Corona-Pandemie ihren Beginn nahm. Mit wenigen Ausnahmen (Schweiz und Schweden) schlossen die europäischen Leitindizes auch gestern moderat bis recht ordentlich tiefer. In den USA verloren besonders die Standardwerte deutlich, die Tech-Werte moderater. In Asien misslingt der Start ins neue Quartal völlig. Während die Börsen in Hongkong und Shanghai feiertagsbedingt geschlossen sind, stürzen die übrigen Leitindizes fast unisono deutlich ab. Besonders in Japan betragen die Verluste momentan mehr als 2,5 Prozent. Kommentatoren machen die gestrigen, schwächelnden PMI-Daten aus China dafür verantwortlich (wobei die Märkte dann ja schon gestern darauf hätten reagieren können…).

An den Bondmärkten stiegen die Renditen europäischer Staatsanleihen leicht an, während sie in den USA seit dem Abend abrutschten (die europäischen Märkte dürften hier wohl heute Morgen nachziehen). Dies dürfte mit der Suche nach sicheren Häfen bei schwachen Aktienmärkten zusammenhängen. Zehnjährige Bundesanleihen rentieren nun bei minus 0,20 Prozent (+1 b.p.), zehn- und dreißigjährige US-Treasuries bei 1,475 (-4,5 b.p.) bzw. 2,04 (-2 b.p.) Prozent. Zweijährige rentieren bei 0,28 Prozent (-1 b.p.).
An den Währungsmärkten wertete der Euro erneut zum US-Dollar ab, nämlich bis auf 1,1563 – das niedrigste Niveau seit Juli 2020. Der Euro gab allerdings in den vergangenen 24 Stunden gegen so gut wie jede Währung nach – besonders stark gegen die „sicheren Häfen“ Franken und Yen, aber auch gegen die Tschechische Krone nach der Mega-Zinserhöhung der CNB. Die risikoaverse Stimmung an den Märkten hatte auch an den Rohstoffmärkten einige „Opfer“ zur Folge: Die Industriemetalle verbilligten sich meist recht deutlich. Die Ölpreise verteidigten hingegen ihre Kursniveaus mehr oder weniger, Gold verteuerte sich um mehr als ein Prozent. Ein eindeutiger „Risk off“-Tag.

Heute beschäftigen wir uns mit dem 28-Jahreshoch der Inflation in Deutschland, einigen Aktivitätsdaten aus Japan und der Überraschung, welche die Notenbank in Prag gestern auf den Weg brachte.
 
 
Was heute wichtig wird
 
 
China | Die Golden Week beginnt. Die Börse Schanghais bleibt vom 1. bis zum 7. Oktober geschlossen. Die Hongkonger Börse bleibt am Freitag ebenfalls zu.
 
 
11.00 Uhr, Eurozone | Verbraucherpreise, September vorläufig (Erw. +0,5 % mom., +3,3 % yoy.; Vm. +0,4 % mom., +3,0 % yoy.)
 
 
14.30 Uhr, USA | Konsumentenausgaben, August (Erw. +0,6 % mom.; Vm. +0,3 %)
 
 
16.00 Uhr, USA | ISM-Index Verarbeitendes Gewerbe, September (Erw. 59,5 Pkt.; Vm. 59,9 Pkt.)
 
 
 
EUR/USD 1,159 
Deutschlands Inflationsrate überschreitet Vier-Prozent-Marke 
Erstmals seit knapp 28 Jahren hat die Inflationsrate in Deutschland wieder die Vier-Prozent-Marke überschritten. Die Verbraucherpreise stiegen im September gegenüber dem Vorjahresmonat um 4,1 Prozent, und zwar sowohl nach dem Harmonisierten Verbraucherpreisindex (HVPI) als auch gemäß dem nationalen deutschen Verbraucherpreisindex. Eine Vier vor dem Komma bei der Teuerungsrate gab es zuletzt im Dezember 1993 mit damals 4,3 Prozent.
Wie schon im August lassen sich die Preissteigerungen weiterhin mit Basiseffekten durch niedrige Preise im Jahr 2020, die CO2-Bepreisung zu Beginn dieses Jahres sowie krisenbedingte Effekte wie Materialengpässe in bestimmten Bereichen erklären. Im September mussten die Verbraucher z. B. für Haushaltsenergie und Kraftstoffe nach den vorläufigen Daten 14,3 Prozent mehr zahlen als ein Jahr zuvor. Nahrungsmittel verteuerten sich um 4,9 Prozent, Dienstleistungen um 2,5 Prozent, darunter Wohnungsmieten um 1,4 Prozent. Nicht nur nach Einschätzung der Bundesbank sind bis zum Jahresende vorübergehend Inflationsraten von rund fünf Prozent möglich. Anfang 2022 dürfte sich die Teuerung zwar spürbar ermäßigen, aber bis zur Jahresmitte noch über zwei Prozent liegen – das erwarten zumindest viele Marktbeobachter.
Die Zahl der Erstanträge auf Leistungen aus der US-Arbeitslosenversicherung hat derweil in der Woche zum 25. September wider Erwarten zugelegt. Im Vergleich zur Vorwoche stieg die Zahl der Anträge um 11.000 auf 362.000, erwartet wurde ein Rückgang auf 335.000. Nachdem der Euro zum US-Dollar bereits am Vortag sein Jahrestief durchbrochen hatte, woraufhin offenbar Folgeverkäufe in den Markt gegeben wurden, übten auch gestern Monatsenddispositionen und möglicherweise trendfolgende Euro-Verkäufe Druck auf unsere Gemeinschaftswährung aus. Diese fiel auf ein neues 15-Monats-Tief bei 1,1568.
 
 
 
 
EUR/JPY 129,6 
Japanische Wirtschaft erleidet Rückschlag 
Die fünfte Pandemiewelle hat in der japanischen Wirtschaft erkennbare Spuren hinterlassen. Die Einzelhandelsumsätze sind im August viel stärker gefallen als erwartet: Sie gaben im Vormonatsvergleich um 4,1 Prozent nach, in den beiden vorangegangenen Monaten waren die Verkäufe noch um 3,1 (Juni) beziehungsweise 1,0 Prozent (Juli) gestiegen. Die Einzelhandelsumsätze liegen nun wieder etwa fünf Prozent unterhalb des zyklischen Hochs im März 2021. Da die Ausgaben für Dienstleistungen, die in den Einzelhandelszahlen nicht enthalten sind, wegen der Pandemie zuletzt auch stark nachgegeben haben dürften, könnte der Privatkonsum das BIP-Wachstum im dritten Quartal stark belastet haben.
Bei der Industrieproduktion sah es im August kaum besser aus. Auch hier fielen die Zahlen mit einem Rückgang um 3,2 Prozent gegenüber dem Vormonat deutlich schlechter aus als prognostiziert. Erneut ging die stärkste Belastung von der Fahrzeugindustrie aus, die ihren Output wegen der anhaltenden Lieferkettenprobleme um 15,2 Prozent reduziert hat. Aber auch in anderen vom Halbleitermangel stark betroffenen Branchen, wie elektrische Ausrüstungen und Maschinen, ging die Produktion stark zurück. Die Unternehmen erwarten für Oktober eine deutliche Belebung der Produktion, was auf eine leichte Entschärfung der Lieferkettenprobleme hindeuten könnte. Der Yen konnte trotz der schwachen Zahlen aus Japan zum Euro gestern etwas aufwerten.   
 
 
 
 
EUR/CZK 25,31 
Tschechiens Notenbank mit größtem Zinsschritt seit 1997 
Die vermutlich „falkenhafteste“ Notenbank Europas, die Tschechische Nationalbank (CNB), hat wieder zugeschlagen und dabei die Marktakteure überrascht. Anstelle des erwarteten deutlichen Zinsschrittes von 0,75 auf 1,25 Prozent setzten die Währungshüter noch einen drauf und hoben den Leitzins um 75 Basispunkte auf 1,50 Prozent an. Seit mehr als 20 Jahren hatte die Tschechische Nationalbank Zinsschritte nur in 25-Basispunkt-Schritten vollzogen. Die Botschaft an die Märkte ist also recht deutlich: Die CNB möchte vermeiden, dass sich die hohen Inflationsraten und -erwartungen verankern und verstetigen.
Im August war die tschechische Verbraucherpreisinflation auf ein 13-Jahres-Hoch bei 4,1 Prozent geklettert – und somit deutlich über das Zielband der CNB von einem bis drei Prozent. Neben Angebotsengpässen und Preissteigerungen im Dienstleistungssektor nach Beendigung pandemiebedingter Einschränkungen steigen in Tschechien momentan insbesondere Mieten relativ deutlich an. Knappheiten am Arbeitsmarkt sprechen dafür, dass die Inflationsraten auch zukünftig auf hohem Niveau bleiben könnten. Die CNB selbst erwartet eine Inflationsrate von drei Prozent Ende 2021 und von 2,8 Prozent Ende 2022. Analysten schätzen, dass diese Ende 2021 eher die Fünf-Prozent-Marke erreichen könnte. Auch bei den nächsten beiden Treffen der CNB im November und Dezember dürften also Zinserhöhungen auf der Agenda stehen. Hatten vor der heutigen Sitzung die Märkte einen Höhepunkt des Zinserhöhungszyklus bei 2,25 Prozent Ende 2022 erwartet, mehren sich nun die Stimmen, die sich mindestens drei Prozent vorstellen können. Die Tschechische Krone wertete zum Euro unmittelbar nach dem Zinsentscheid von 25,50 auf 25,30 auf.
 
 
 
Kontakt Nach oben
Kontaktieren Sie uns per E-Mail: newsletter@postbank.de
0228 5500 5500
Mo. - Sa.: 07.00 – 22.00 Uhr
So.:  08.00 – 22.00 Uhr
Wir senden Ihnen diese Nachricht, da Sie der Postbank Ihr Einverständnis gegeben haben.
 
 
Märkte am Morgen teilen:
Facebook Youtube Twitter
 
 
Impressum  | Datenschutz
© 2021 Postbank – eine Niederlassung der Deutsche Bank AG
 
 
Wichtige Hinweise:

Bei diesen Informationen handelt es sich um Werbung. Die Texte genügen nicht allen gesetzlichen Anforderungen zur Gewährleistung der Unvoreingenommenheit von Anlage- und Anlagestrategieempfehlungen oder Finanzanalysen.  Es besteht kein Verbot für den Ersteller oder für das für die Erstellung verantwortliche Unternehmen, vor bzw. nach Veröffentlichung dieser Unterlagen mit den entsprechenden Finanzinstrumenten zu handeln. Die in diesem Dokument enthaltenen Angaben stellen keine Anlageempfehlung, Anlageberatung oder Handlungsempfehlung dar, sondern dienen ausschließlich der Information. Die Angaben ersetzen nicht eine auf die individuellen Verhältnisse des Anlegers abgestimmte Beratung.
Allgemeine Informationen zu Finanzinstrumenten enthält die Broschüre "Basisinformation über Wertpapiere und weitere Kapitalanlagen“, die ein Kunde bei Depoteröffnung automatisch zugesandt bekommt.
Prognosen basieren auf Annahmen, Schätzungen, Ansichten und hypothetischen Modellen oder Analysen. Obwohl sie aus Sicht der Bank auf angemessenen Informationen beruhen, kann sich in der Zukunft herausstellen, dass sie nicht zutreffend oder nicht korrekt sind. Sofern es in diesem Dokument nicht anders gekennzeichnet ist, geben alle Meinungsaussagen die aktuelle Einschätzung der Deutsche Bank AG wieder, die sich jederzeit ändern kann. Die Deutsche Bank AG übernimmt keine Verpflichtung zur Aktualisierung der in diesem Dokument enthaltenen Informationen oder zur Inkenntnissetzung der Anleger über verfügbare aktualisierte Informationen.
Die Deutsche Bank AG unterliegt der Aufsicht der Europäischen Zentralbank und der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht.