Postbank
 
9. November 2021
Märkte am Morgen
 
 
 
 
 
Sehr geehrte Damen und Herren, 
nach einer gefühlten Ewigkeit von über 600 Tagen besteht seit gestern endlich auch für uns Europäer wieder die Möglichkeit, unter bestimmten Voraussetzungen in die USA einreisen zu dürfen. Besucher können also nun wieder an der Skulptur des Bullen an der Wall Street vorbeischlendern und ihm über die Hörner streicheln, was Glück bei der Aktienanlage bringen soll. Auch gestern hat der Bulle ganze Arbeit geleistet. Dow-Jones-Index, S&P 500 und Nasdaq-Composite stiegen moderat bzw. geringfügig an. In Europa hielten sich die Kursveränderungen bei den großen Indizes meist ebenso in Grenzen wie in Asien heute Morgen. Dort ist der Nikkei-Index mit aktuellen minus 0,7 Prozent ein Ausreißer nach unten.  
 
Nach den deutlichen Rücksetzern seit Mitte vergangener Woche kam es zu einer kleinen Gegenbewegung bei den Renditen zehnjähriger europäischer und US-Staatsanleihen. Zehnjährige Bundesanleihen rentieren nun bei minus 0,245 Prozent (+4 b.p.), zwei, zehn- und dreißigjährige US-Treasuries bei 0,415 (-0,5 b.p.), 1,47 (+1 b.p.) bzw. 1,87 (-2 b.p.) Prozent. Agenturmeldungen zufolge könnte in dieser Woche die Entscheidung fallen, ob Jerome Powells Vertrag als Fed-Gouverneur, der im Februar 2022 ausläuft, verlängert wird, oder ob möglicherweise doch Frau Brainard von der US-Regierung als Nachfolgerin präferiert wird.
 
In einem allgemein risikofreudigen Umfeld wertete der US-Dollar gegen viele Währungen moderat ab, zum Euro rund 0,3 Prozent. Das Pfund Sterling und der Yen legten hingegen gegenüber unserer Gemeinschaftswährung zu. An den Rohstoffmärkten veränderten sich die Ölpreise wenig. Hier könnte zeitnah eine Entscheidung fallen, ob die US-Regierung einen Teil der strategischen Ölreserven verkauft, um den Preisanstieg an den Zapfsäulen zu bremsen. Industriemetalle verteuerten sich. Hier weckte das US-Infrastrukturpaket die Erwartung möglicher weiterer Preissteigerungen.
 
Heute blicken wir unter anderem auf das nun doch noch verabschiedete Infrastrukturpaket in den USA und dessen Konsequenzen, die Möglichkeit, dass die Bank of Japan in eine ähnliche Bredouille geraten könnte wie die Reserve Bank of Australia, und den zum Euro in letzter Zeit nahezu unaufhaltsam ansteigenden Kurs des Renminbi. 
 
 
Was heute wichtig wird
 
 
11.00 Uhr, Deutschland | ZEW-Konjunkturerwartungen, November (Erw. 20,0 Pkt.; Vm. 22,3 Pkt.)
 
 
14.30 Uhr, USA | Erzeugerpreise, Oktober (Erw. +8,6 % yoy.; Vm. +8,6 % yoy.)
 
 
 
EUR/USD 1,158 
Weg zu mehr US-Infrastrukturinvestitionen frei 
Nachdem der Senat bereits im August zugestimmt hatte, gab es nun endlich auch im US-Repräsentantenhaus eine Mehrheit für das Infrastrukturpaket der Regierung Biden. Es sieht auf Bundesebene zusätzliche neue Ausgaben über etwa 500 Milliarden US-Dollar vor, davon sollen über einen Zeitraum von zehn Jahren etwa 110 Milliarden für Straßen und Brücken sowie jeweils gut 60 Milliarden für das Stromnetz, die Eisenbahn, das Breitbandnetz und die Wasserversorgung ausgegeben werden. Weitere Ausgaben sind für Schiffshäfen, Flughäfen und Ladesäulen für E-Autos vorgesehen. Die konjunkturellen Effekte des Pakets dürften sich in Grenzen halten. Da die Ausgaben teilweise durch Kürzungen an anderer Stelle sowie höhere Staatseinnahmen gegenfinanziert werden, soll die Staatsverschuldung in der kommenden Dekade nur um 256 Milliarden US-Dollar ansteigen, das sind gerade einmal etwas mehr als ein Prozent des BIP. Eine Einigung zu dem geplanten, deutlich umfangreicheren Sozialpaket der Demokraten steht noch aus.
Laut dem Sentix-Konjunkturindex blicken die Anleger im Euroraum wieder etwas zuversichtlicher in die Zukunft. Nach fünf Rückgängen in Folge drehten die Konjunkturerwartungen im November das erste Mal nach oben, der entsprechende Teilindex stieg um 5,3 auf 13,3 Punkte. Damit befindet er sich allerdings noch deutlich unterhalb der Werte, die im Frühjahr erreicht wurden. Der Euro konnte zu Wochenbeginn gegenüber dem US-Dollar leicht zulegen.
 
 
 
 
EUR/JPY 131,1 
BoJ in den Fußstapfen der australischen Notenbank? 
Kürzlich bestätigte der Chef der Bank of Japan (BoJ), Haruhiko Kuroda, das Ziel einer Kerninflation von zwei Prozent. Gemäß den Schätzungen der Zentralbank dürfte dieser Wert in den nächsten zwei Jahren allerdings nicht erreicht werden. Auch Analysten sehen die Kerninflationsrate im kommenden Jahr bei rund 1,0 bis 1,3 Prozent. Dementsprechend dürften Marktteilnehmer vorerst keine größeren geldpolitischen Kursänderungen seitens der Bank of Japan erwarten.
Jüngste Ereignisse aus Australien zeigen aber, dass insbesondere die Steuerung der Zinsstrukturkurve ein flüchtiges geldpolitisches Instrument sein kann, das Überraschungspotenzial bereithält. Dass sie wie von der Reserve Bank of Australia ohne Vorwarnung beendet wird, ist der Natur dieses Werkzeuges geschuldet. Würde eine Zentralbank bereits im Vorfeld das Ende der Zinskurvenkontrolle andeuten, könnten sich Marktteilnehmer dies zunutze machen, Anleihen relativ risikolos verkaufen und damit das Rendite-Niveau in die Höhe treiben. Ein Zurückrudern der Zentralbank zum Beispiel infolge sich ändernder geldpolitischer Anforderungen wäre kaum noch beziehungsweise nur mit immensen Anleihekäufen möglich. Um sich nicht angreifbar zu machen, dürfte die BoJ eine Änderung der Zinsstrukturkontrolle daher nicht im Vorfeld verkünden.
Nichtsdestotrotz wird die Nationalbank Japans die Steuerung der Zinsstrukturkurve wahrscheinlich auch nicht abrupt beenden. Vielmehr könnte sie das Instrument zuerst flexibler gestalten und die Bandbreite der tolerierten Renditen zehnjähriger Staatanleihen von aktuell 0,0 bis 0,25 Prozent vorsichtig erhöhen. Alternativ könnte sie den Fokus auf die Steuerung der Rendite fünfjähriger Anleihen verschieben, ehe sie einen endgültigen Ausstieg aus der Zinsstruktursteuerung in Erwägung zieht. Aufgrund der verzögerten wirtschaftlichen Erholung in Japan und des niedrigen Rendite-Niveaus dürfte der Yen zwar weiterhin unter Druck bleiben; doch nachdem sich Jerome Powell und Christine Lagarde letzte Woche relativ taubenhaft äußerten, konnte der Yen wieder etwas Boden gutmachen.
 
 
 
 
EUR/CNY 7,411 
Renminbi weiter nahe des Viereinhalb-Jahres-Hochs zum Euro 
Auch in den vergangenen Tagen setzte der Renminbi seinen Aufwärtstrend zum Euro weiter fort. Seit Jahresbeginn hat er von EUR/CNY 8,02 bis auf 7,3616 am vergangenen Freitag zugelegt, den höchsten Kurs seit April 2017. Gestern gab er leicht nach, obwohl die Handelsbilanzdaten für Oktober, die am Sonntag veröffentlicht wurden, einen neuen Rekordüberschuss auswiesen. Dabei ist unklar, inwieweit die globalen Lieferkettenprobleme die Import- und Exportaktivitäten zurzeit verzerren. Auch für den November ist ein weiterer deutlicher Handelsbilanzüberschuss zu erwarten, zumal viele Abnehmer chinesischer Güter aufgrund der bekannten momentanen Transportproblematik, der Containerknappheit etc. Bestellungen für das Weihnachtsgeschäft vorgezogen haben könnten.
Derweil tritt seit gestern das Zentralkomitee von Chinas KP zusammen, das den Weg für einen Beschluss über eine dritte Amtszeit des Staats- und Parteichefs Xi Jinping ebnen soll. Hier sollte es keine großen Überraschungen geben. An ökonomischen Daten steht in den kommenden Tagen vielleicht eher die ein oder andere Überraschung bevor. Morgen werden die Erzeuger- und Verbraucherpreisdaten veröffentlicht. Während die Verbraucherpreisinflation vonseiten der Analysten im Median mit gerade einmal 1,4 Prozent prognostiziert wird, könnten die Erzeugerpreise um 12,3 Prozent zum Vorjahr angestiegen sein, falls die Ökonomen recht behalten. Noch spannender dürften die Aktivitätsdaten für den Oktober werden, die kommenden Montag zur Veröffentlichung anstehen. Mitentscheidend für die wirtschaftliche Entwicklung Chinas in den nächsten Wochen sollte natürlich auch die Frage sein, inwieweit ein Wiederaufflammen von Covid-19 verhindert werden kann.
 
 
 
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