Jetzt mehr erfahren. Sollte der Newsletter nicht richtig angezeigt werden, klicken Sie bitte hier.
Postbank
 
29. Juni 2022
Märkte am Morgen
 
 
 
 
 
Sehr geehrte Damen und Herren,
das ständige Auf und Ab und Hin und Her ging an den Märkten gestern in eine neue Runde. Auslöser für wiederaufkeimende Rezessionsängste waren u.a. die sehr schwach ausgefallenen Indizes zur Verbraucherstimmung in Deutschland (GfK) und insbesondere den USA (Conference Board). Letzterer fiel auf das niedrigste Niveau seit Februar 2021. Zudem kletterten die Inflationserwartungen der Verbraucher für ein Jahr im Voraus auf ein neues Rekordhoch von 8,0 Prozent. Auch die Stimmung in der US-Industrie war schon einmal besser wie der unerwartete Sturz des Richmond Fed Manufacturing-Index zurück auf Pandemieniveau demonstrierte. Infolgedessen waren „sichere Häfen“ gestern gefragt, während die Aktienkurse ab dem Nachmittag mal wieder leiden mussten.
 
Die Renditen europäischer Staatsanleihen setzten deshalb von ihren Tageshochs ein Stück zurück. Zehnjährige Bundesanleihen rentierten am Abend bei 1,62 Prozent (+8 b.p.), zweijährige mit 0,92 Prozent (+7 b.p.); zwei, zehn- und dreißigjährige US-Treasuries heute Morgen bei 3,06 (-2 b.p.), 3,13 (-4 b.p.) bzw. 3,26 (-3 b.p.) Prozent. In Italien rentieren die zweijährigen BTPs bei 1,40 (-1 b.p.) und die zehnjährigen bei 3,54 (+4 b.p.) Prozent.   

Ein positives Konjunkturdatum gab es heute Morgen dennoch: Die Inflationsrate NRWs fiel von 8,1 Prozent im Mai auf 7,5 Prozent im Juni (Tankrabatt und Co. haben hier scheinbar Wirkung gezeigt?).
 
Trotz des festen US-Dollars und der risikoaversen Stimmung verteuerten sich Brent- und WTI-Öl erneut moderat. Die Industriemetalle gaben mit Ausnahme des Nickels und Zinks moderat nach, Gold verbilligte sich ebenfalls etwas. An den Währungsmärkten waren die „sicheren Häfen“ US-Dollar und Franken gefragt. Der Euro wertete gegen beide rund 0,6 Prozent ab. Der Forint profitierte von der Mega-Zinserhöhung dort. Der Yen gab gegen den US-Dollar erneut nach.
 
Nach anfänglichen Kursgewinnen sind insbesondere die US-Börsen am Dienstag stark unter Druck geraten. Die europäischen Leitindizes konnten sich in der Mehrzahl noch mit moderaten Kursgewinnen in den Feierabend retten; der Dax gewann 0,35 Prozent auf 13.231 Punkte. Die US-Leitindizes erwischte es mit Kursverlusten zwischen 1,6 und 3,0 Prozent härter. In Asien notieren die Indizes fast ausnahmslos im roten Bereich.

Im Folgenden schaudern wir zunächst über Konjunkturdaten aus Deutschland. Danach bestaunen wir eine Mega-Zinserhöhung in Ungarn und blicken auf einige interessante Daten und Fakten aus Mexiko.
 
 
Was heute wichtig wird
 
 
01.50 Uhr, Japan | Einzelhandelsumsatz, Mai (+0,6 % mom; Vm. +1,0 %)
 
 
14.00 Uhr, Deutschland | Verbraucherpreise, Juni (Erw. +7,9 % yoy; Vm. +7,9 %)
 
 
 
EUR/USD 1,052 
Verbraucherstimmung starkt eingetrübt 
Die hohe Inflation lastet schwer auf der Stimmung der deutschen Verbraucher. Das GfK Konsumklima für Juli sank auf −27,4 Punkte, das ist der bisher niedrigste Wert seit Beginn der Erhebung 1991. Nicht einmal während der ersten Welle der Coronavirus-Pandemie oder der Weltfinanzkrise waren die Privathaushalte so pessimistisch gestimmt wie aktuell. Auch die Details der Befragung haben wenig Positives zu bieten. Die Konjunkturaussichten gingen auf −11,7 Punkte zurück – vor einem Jahr lagen die entsprechenden Erwartungen 70 Indexpunkte höher. 
Offensichtlich erwartet eine Mehrheit der Konsumenten inzwischen eine Rezession in Deutschland. Das spiegelt sich auch in pessimistischen Einkommenserwartungen wider. Der entsprechende Subindex fiel auf ein 20-Jahres-Tief von −33,5 Punkten. Kein Wunder, dass die Anschaffungsneigung ebenso erneut eingebrochen ist.
Für den privaten Konsum in Deutschland verheißen die neuen Stimmungsdaten nichts Gutes, obwohl die Haushalte immer noch über hohe, während der Pandemie angehäufte, Ersparnisse verfügen. Trotz einer anziehenden Lohndynamik und möglicher neuer Initiativen der Politik wie die Auszahlung einer steuerfreien Einkommenspauschale an Arbeitnehmer dürfte die Kaufkraft der Einkommen infolge der sprunghaft gestiegenen Energiepreise in diesem Jahr stark leiden. Letztendlich dürfte sich die Konsumbereitschaft erst wieder erholen, wenn die Inflation erkennbar zurückgeht, was im späteren Verlauf des zweiten Halbjahres der Fall sein könnte. Der EUR/USD bewegte sich gestern weitgehend seitwärts, am späteren Nachmittag war der Greenback dann als "sicherer Hafen" gefragt.
 
 
 
 
EUR/HUF 397,8 
Ungarns Notenbank überrascht 
Seit Anfang April befand sich der ungarische Forint in einem Abwärtstrend, der zu Beginn dieser Woche in einem neuen Allzeittief bei rund EUR/HUF 404,80 kulminierte. Im Vorfeld der gestrigen Notenbanksitzung kamen deshalb Spekulationen auf, dass die Währungshüter durchaus einen beherzteren Zinsschritt als den von Analysten im Median prognostizierten Zinsschritt von 50 Basispunkten von 5,90 auf 6,40 Prozent vornehmen könnten. Niemand hatte jedoch auf dem Zettel, dass die ungarischen Notenbanker die Base Rate um 185 Basispunkte auf 7,75 Prozent erhöhen würden, wie es de facto geschah. Die Währungshüter legten sich zudem darauf fest, am Donnerstag die One-Week-Deposit-Rate von 7,25 auf 7,75 Prozent zu erhöhen – damit wären die beiden Zinssätze wieder auf dem gleichen Niveau. In der anschließenden Pressekonferenz wurde ein weiterhin robustes Vorgehen gegen die hohen Inflationsraten bekräftigt, die bis zum Herbst weiter ansteigen dürften.
Die Inflationsrate befand sich im Mai mit 10,7 Prozent bereits deutlich über den von den Währungshütern noch im März maximal erwarteten 10,1 Prozent. Sie dürfte weiter ansteigen, auch gerade aufgrund der Forint-Schwäche – dieser handelt aktuell rund zehn Prozent schwächer als die Währungshüter für den Durchschnitt des zweiten Quartals prognostiziert hatten. 
Auch der enge Arbeitsmarkt Ungarns spricht für weiteren Inflationsdruck. Die verfügbaren Einkommen wachsen weiter. Die Arbeitslosenquote fiel mit 3,5 Prozent auf Vor-Pandemie-Niveau. Die Zahl offener Stellen ist mit 87.000 auf ein Rekordhoch gestiegen. Die Bruttolöhne kletterten im April um 15,2 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat. Der Mindestlohn war bereits zu Jahresbeginn um 20 Prozent gestiegen. Die höheren Einkommen dürften für einen anhaltenden Nachfrageschub und somit Inflationspotenzial sorgen. Der Forint könnte jedoch erst dann robusteres Aufwertungspotenzial haben, wenn sich eine Trendwende bei den Streitigkeiten rund um die Rechtsstaatlichkeit und den Next-Generation-EU-Fonds abzeichnet. Trotz des Mega-Zinsschrittes wertete der Forint zwar von EUR/HUF 400 auf 396,40 auf, gab aber die Hälfte des Zugewinns schnell wieder ab.
 
 
 
 
EUR/MXN 21,00 
Mexikanischer Peso mit relativer Stärke 
Während einige südamerikanische Währungen in den vergangenen Wochen einen Teil ihrer Zugewinne seit Jahresbeginn wieder abgaben, hielt sich der Mexikanische Peso relativ stabil. Einer der Gründe dafür dürfte die robuste Leitzinserhöhung vergangene Woche um 75 Basispunkte auf 7,75 Prozent gewesen sein – der größte Zinsschritt, den die Banco de México jemals vorgenommen hat. Für die folgende Notenbanksitzung im August kündigten die Währungshüter eine weitere Zinserhöhung an. Das Zinsniveau Mexikos erscheint somit – auch im Vergleich zum nördlichen Nachbarn USA – attraktiv, was dem Mexikanischen Peso Rückenwind verleiht.
 
Dies umso mehr, als auch die Inflationsrate in Mexiko mit 7,88 Prozent noch unter derjenigen der USA liegt. Dennoch hält das Momentum des Anstiegs der Verbraucherpreise momentan an, was weitere robuste Zinserhöhungen nahelegt. Per 15. Juni waren die Preise im Vergleich zum 1. Juni um 0,50 Prozent angestiegen, und zwar auch in der Kernrate. Der Anstieg der Einzelhandelsumsätze um 4,6 Prozent zum Vorjahresmonat im April deutet darauf hin, dass die Inflation nicht nur von der Angebotsseite her befeuert wird, sondern dass auch die Nachfrage eine Rolle spielt. Auch der Arbeitsmarkt Mexikos erscheint momentan recht angespannt – die Nominallöhne haben sich im Mai im Vergleich zum Vorjahr bereits um 8,2 Prozent erhöht.

Einen kleinen Wermutstropfen gibt es allerdings doch. Eine Nachrichtenagentur hat kürzlich berichtet, dass die USA kurz davor stehen, eine formelle Konsultation über angebliche Verstöße Mexikos gegen das Abkommen über die Energiereform (insbesondere über die Re-Nationalisierung von Versorgungsunternehmen) einzuleiten. Formelle Konsultationen wurden im Rahmen des Abkommens mehrmals durchgeführt und sind per se noch kein Grund zur Sorge. Sollte der Konflikt aber nicht gelöst werden, könnte dies schließlich zur Implementierung von Zöllen führen. Das alles kommt zu einer Zeit, in der die mexikanisch-amerikanischen Beziehungen aufgrund des Fernbleibens des mexikanischen Präsidenten bei einem kürzlich stattgefundenen Regierungsgipfel amerikanischer Staaten in den USA zunehmend angespannt sind. Der Mexikanische Peso notierte ungeachtet dessen gestern weiter um die EUR/MXN 21,00
 
 
 
Kontakt Nach oben
Kontaktieren Sie uns per E-Mail: newsletter@postbank.de
0228 5500 5500
Mo.-Sa.: 07.00 – 22.00 Uhr
So.:  08.00 – 22.00 Uhr
Wir senden Ihnen diese Nachricht, da Sie der Postbank Ihr Einverständnis gegeben haben.
 
 
Märkte am Morgen teilen:
Facebook Youtube Twitter
 
 
 
Impressum  | Datenschutz
© 2022 Postbank – eine Niederlassung der Deutsche Bank AG
 
 
Wichtige Hinweise:

Bei diesen Informationen handelt es sich um Werbung. Die Texte genügen nicht allen gesetzlichen Anforderungen zur Gewährleistung der Unvoreingenommenheit von Anlage- und Anlagestrategieempfehlungen oder Finanzanalysen.  Es besteht kein Verbot für den Ersteller oder für das für die Erstellung verantwortliche Unternehmen, vor bzw. nach Veröffentlichung dieser Unterlagen mit den entsprechenden Finanzinstrumenten zu handeln. Die in diesem Dokument enthaltenen Angaben stellen keine Anlageempfehlung, Anlageberatung oder Handlungsempfehlung dar, sondern dienen ausschließlich der Information. Die Angaben ersetzen nicht eine auf die individuellen Verhältnisse des Anlegers abgestimmte Beratung.
Allgemeine Informationen zu Finanzinstrumenten enthält die Broschüre "Basisinformation über Wertpapiere und weitere Kapitalanlagen“, die ein Kunde bei Depoteröffnung automatisch zugesandt bekommt.
Prognosen basieren auf Annahmen, Schätzungen, Ansichten und hypothetischen Modellen oder Analysen. Obwohl sie aus Sicht der Bank auf angemessenen Informationen beruhen, kann sich in der Zukunft herausstellen, dass sie nicht zutreffend oder nicht korrekt sind. Sofern es in diesem Dokument nicht anders gekennzeichnet ist, geben alle Meinungsaussagen die aktuelle Einschätzung der Deutsche Bank AG wieder, die sich jederzeit ändern kann. Die Deutsche Bank AG übernimmt keine Verpflichtung zur Aktualisierung der in diesem Dokument enthaltenen Informationen oder zur Inkenntnissetzung der Anleger über verfügbare aktualisierte Informationen.
Die Deutsche Bank AG unterliegt der Aufsicht der Europäischen Zentralbank und der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht.