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Postbank
 
26. August 2022
Morgenkommentar
 
 
 
 
 
Sehr geehrte Damen und Herren,
das Geschäftsklima in Deutschland bleibt unterkühlt, inflationsgesicherte Anleihen aus dem Euroraum sind einen Blick wert, und mit den Ölpreisen geht es vorerst nicht weiter bergab.
 
 
 
Deutschland vor der Rezession 
Der ifo Geschäftsklimaindex für Deutschland im August ging von 88,7 auf 88,5 Punkte nur geringfügig zurück, verharrt aber damit auf niedrigem Niveau. Wie auch der Einkaufsmanagerindex signalisiert das wichtigste Stimmungsbarometer der deutschen Volkswirtschaft damit eine weitere Wachstumsabschwächung. Nachdem die hiesige Wirtschaft gemäß der gestern veröffentlichten Zweitschätzung im zweiten Quartal um 0,1 Prozent gegenüber Vorquartal gewachsen ist, droht nun ein Rückgang der Wirtschaftsleistung. Mit Blick auf die Datenlage stellt sich derzeit nicht mehr die Frage, ob Deutschland in eine Rezession fällt – sondern eher, wie tief sie ausfallen könnte. Von der zyklischen Abschwächung sind besonders gemessen an der Marktkapitalisierung kleine und mittelgroße Unternehmen betroffen, die einen Großteil ihrer Umsätze auf dem heimischen Markt erzielen. Anleger, die in diesem Bereich ihr Engagement ausweiten möchten, sollten daher meiner Meinung nach auf günstigere Einstiegskurse warten.
 
 
 
 
Märkte erwarten höhere Inflation 
Die bei inflationsgesicherten zehnjährigen Bundesanleihen eingepreisten langfristigen Inflationserwartungen zogen zuletzt wieder deutlich an, nachdem sie im Juli bis auf etwa zwei Prozent gefallen waren. Aktuell gehen Marktteilnehmer von einer durchschnittlichen Teuerungsrate in Höhe von knapp 2,5 Prozent auf Sicht von zehn Jahren aus – bei dem Jahreshoch Anfang April waren es annähernd drei Prozent. Trotz des jüngsten Anstiegs könnte es weiteres Aufwärtspotenzial bei den Inflationserwartungen geben. Denn das Wachstum der Verbraucherpreise hat in Europa seinen Höhepunkt noch nicht erreicht. Meist bewegen sich die am Markt eingepreisten Erwartungen im Einklang mit den jeweils veröffentlichten Preisdaten. Inflationsgesicherte Staatsanleihen aus dem Euroraum könnten vor diesem Hintergrund vor allem auf kurze Sicht interessant sein. Viel hängt aus meiner Sicht aber vom weiteren geldpolitischen Kurs der Europäischen Zentralbank ab. Zeigen die Währungshüter am 8. September genug Entschlossenheit bei der Inflationsbekämpfung, könnten die Märkte ihre Inflationserwartungen auch wieder schnell zurückschrauben.
 
 
 
 
Erdöl: Preisabschwung gestoppt 
US-Autofahrer konnten sich 70 Tage in Folge an sinkenden Benzinpreisen erfreuen. Die Zapfsäulenpreise liegen nun im landesweiten Durchschnitt bei 3,892 US-Dollar pro Gallone, nachdem sie Mitte Juni ein Rekordhoch von 5,016 US-Dollar pro Gallone erreicht hatten. Die Serie könnte aber bald ein Ende finden, da sich seit Wochenbeginn sowohl Öl der US-Sorte WTI als auch der Nordseesorte Brent verteuert hat. Ein Branchenbericht signalisierte einen weiteren deutlichen Rückgang der US-Rohöllagerbestände. Zudem könnte sich nach Aussagen des saudi-arabischen Ölministers die OPEC+ gezwungen sehen, die Produktion zu drosseln, um „einen volatilen Markt zu stabilisieren“. Marktbeobachter sehen hier eine Reaktion auf eine mögliche Abschwächung oder gar Aufhebung von Sanktionen gegenüber iranischen Erdölexporten. Und schließlich sollen die kasachischen Ölexporte für Monate gedrosselt werden; Grund dafür sind technische Probleme an einem Ölterminal am Schwarzen Meer. Mindestens die Hälfte der Verladekapazität von 1,3 Millionen Barrel am Tag, die bei voller Auslastung der kaspischen Pipeline auf Schiffe verladen wird, dürfte dann wegfallen. Dies alles deutet darauf hin, dass die Ölpreise kurzfristig ihren Boden gefunden haben könnten.
 
 
 
 
Erdgaspreise ziehen weltweit an 
Die Preise für Erdgas an der niederländischen Terminbörse TTF steigen nahezu unaufhaltsam. Der Kontrakt zur Lieferung in einem Monat verteuerte sich seit Anfang August von unter 200 Euro je Megawattstunde auf mehr als 310 Euro je Megawattstunde. Verglichen mit den Notierungen in Asien und in den USA bleibt Erdgas zur Lieferung in Europa somit zwar deutlich teurer – allerdings ist auch außerhalb Europas der Markt in Bewegung gekommen. Rechnet man den Preis von 300 Euro je Megawattstunde in US-Dollar je Million British Thermal Units um, notiert europäisches Erdgas mit knapp 92 US-Dollar je Millionen British Thermal Units mehr als 250 Prozent teurer als Mitte Juni. Erdgas in Asien zur Lieferung nach Japan und Südkorea ist mit 63 US-Dollar je Millionen British Thermal Units immerhin auch schon mehr als 200 Prozent teurer. Deutlich günstiger wird Erdgas an den US-Terminbörsen mit knapp zehn US-Dollar je Millionen British Thermal Units gehandelt. Auch dies ist aber eine Verdoppelung der Preise seit Anfang Juli. Dass das mit Abstand bedeutendste Terminal für den Export von Flüssiggas nach Europa in Texas nach einem Brand im Frühsommer nun bis Mitte November außer Betrieb bleibt, erhöhte gestern zusätzlich den Aufwärtsdruck auf die europäischen Erdgaspreise. Diese dürften auf absehbare Zeit auf hohem Niveau verharren.
 
 
 
 
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Zahl des Tages: 9,2 
Kauen kostet Kalorien. Was das für die Entwicklung des Menschen bedeutet, hat ein internationales Team unter Leitung des Max-Planck-Instituts für evolutionäre Anthropologie in Leipzig untersucht. Die Forscher ließen Probanden Kaugummi kauen und maßen ihren Energieverbrauch. Das Ergebnis: Bei einem festen Kaugummi wurden rund 9,2 Kilokalorien pro Stunde verbraucht. Übertragen auf rohes Fleisch gingen demnach mehrere Prozent der gewonnenen Nahrungsenergie durch das Kauen gleich wieder verloren. Die These der Anthropologen: Als Menschen das Kochen erfanden, mussten sie weniger kauen – und sparten so wertvolle Energie.
 
Ich wünsche Ihnen einen energiereichen Tag.
 
Herzlichst
 
 
 
Unterschrift Dr. Stephan
Ihr Ulrich Stephan
Chef-Anlagestratege Privat- und Firmenkunden
 
 
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