Postbank
 
9. November 2021
Morgenkommentar
 
 
 
 
 
Sehr geehrte Damen und Herren, 
lediglich ein niedriger zweistelliger Anteil der jüngsten Rally des S&P 500 fußt auf gestiegenen Gewinnerwartungen, Aktien europäischer Banken legen im Jahresverlauf durchschnittlich fast 40 Prozent zu, und in Vietnam wird über das größte Finanzpaket der Landesgeschichte verhandelt.
 
 
 
USA: Bewertungsausweitung trägt die Rally 
Der S&P 500 erreichte dieses Jahr im Durchschnitt beinahe jeden dritten Tag ein neues Hoch. Lediglich im Jahr 1995 hatte der US-Leitindex öfter neue Rekorde erklommen. Zwar ist ein Großteil der diesjährigen Kursentwicklung auf die gute Geschäftslage sowie auf die hohen Gewinnrevisionen der Konzerne zurückzuführen, die Gewinnprognosen der Analysten für die kommenden zwölf Monate flachen aber allmählich ab. Entsprechend ist die jüngste Rally des S&P 500 seit Anfang Oktober von etwa 7,8 Prozent zu gut 80 Prozent auf die Ausweitung des Bewertungsmultiplikators von 20,5 auf 21,8 zurückzuführen. Lediglich ein niedriger zweistelliger Anteil fußt auf gestiegenen Gewinnerwartungen. Im Vergleich dazu kann die Kursentwicklung des STOXX 600 im gleichen Zeitraum um rund 6,8 Prozent zu knapp 40 Prozent durch höhere Gewinnerwartungen erklärt werden. Möglicher Gegenwind – beispielsweise durch geldpolitische Straffung und steigende Realrenditen – könnte den S&P 500 im kommenden Jahr stärker belasten.
 
 
 
 
Europa: Bankaktien günstig bewertet 
Aktien europäischer Banken haben im Jahresverlauf durchschnittlich fast 40 Prozent zugelegt. Dies ist maßgeblich auf die verbesserte Geschäftslage der Finanzinstitute zurückzuführen. Seit Jahresbeginn haben die Analysten ihre Erwartungen für die Gewinne 2021 und 2022 um 60 Prozent beziehungsweise um 21 Prozent angehoben. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis für die prognostizierten Gewinne in den kommenden zwölf Monaten liegt heute trotz der Hausse immer noch sieben Prozent unter dem Durchschnitt der vergangenen zehn Jahre. Neben der günstigen Bewertung machen die hohe Dividendenrendite von durchschnittlich 5,1 Prozent und eine mögliche zusätzliche Aktienrückkaufrendite von über zwei Prozent Bankaktien interessant. Experten rechnen damit, dass europäische Banken bis Ende 2022 insgesamt 140 Milliarden Euro an ihre Aktionäre ausschütten könnten.
 
 
 
 
USA: Verkauft die Regierung Öl aus den strategischen Reserven? 
Die Benzinpreise an den Zapfsäulen der US-Tankstellen sind vergangene Woche auf den höchsten Stand seit 2014 gestiegen. Nun denkt die US-Regierung laut darüber nach, Öl aus den strategischen Reserven zu verkaufen. Die Reserven betragen aktuell mehr als 600 Millionen Barrel, die unterirdisch in Louisiana und in Texas für Notfälle gebunkert werden. Sie sind somit größer als die Importe eines Gesamtjahres der USA aus den OPEC+-Ländern. Eine wichtige Rolle bei der Entscheidungsfindung des US-Präsidenten Joe Biden dürfte der heute um 18 Uhr unserer Zeit anstehende kurzfristige Energieausblick der U.S. Energy Information Administration (EIA) spielen. Noch im letzten Bericht vom 13. Oktober hatte die EIA einen allmählichen Rückgang von rund 3,21 US-Dollar je Gallone Normalbenzin im Durchschnitt des Monats Oktober auf 3,05 US-Dollar im Dezember prognostiziert. Aktuell bezahlen Verbraucher jedoch im landesweiten Durchschnitt 3,40 US-Dollar. Schließlich kostet Öl der US-Sorte WTI mit rund 82 US-Dollar pro Barrel knapp 70 Prozent mehr als zu Jahresbeginn. Sollte sie nun bis zum Jahresende weiter ansteigende Preise vorhersagen, wüchse die Wahrscheinlichkeit für Aktionen der US-Regierung, weshalb ein weiterer Anstieg der Ölpreise kurzfristig zumindest abgebremst oder gar verhindert werden könnte.
 
 
 
 
Vietnam: umfangreiches Fiskalpaket in Verhandlung 
In Vietnam könnte noch in diesem Jahr das größte Finanzpaket der Landesgeschichte im Umfang von umgerechnet 30 Milliarden Euro beziehungsweise circa zehn Prozent des letztjährigen Bruttoinlandsprodukts (BIP) verabschiedet werden. Der Entwurf sieht neben umgerechnet knapp 14 Milliarden Euro für die Unterstützung der Unternehmen in Form von Steuererleichterungen und Zuschüssen auch Infrastrukturinvestitionen in Höhe von mehr als acht Milliarden Euro vor. Zudem sind einmalige Barzahlungen an Betroffene der Covid-19-Pandemie sowie weitere Sozialleistungen enthalten. Mit der Finanzspritze soll die Erholung der vietnamesischen Wirtschaft vorangetrieben werden, die 2021 nur etwa 2,5 Prozent wachsen dürfte. Die Regierung verspricht sich einen positiven Beitrag zum jährlichen Wirtschaftswachstum bis 2025 um durchschnittlich einen Prozentpunkt auf 6,5 Prozent. Davon sollten auch die Unternehmen der vietnamesischen Börse profitieren können. Der Vietnam Ho Chi Minh Stock Index hat im laufenden Jahr in Euro bereits mehr als 40 Prozent zugelegt. Dennoch könnten positive Gewinnaussichten die Kurse noch etwas treiben, obwohl das Kurs-Gewinn-Verhältnis mit 17 inzwischen über dem Durchschnitt asiatischer Schwellenländer von 14 liegt.
 
 
 
 
Zahl des Tages: 33 
Die Weltausstellung Expo 2020, die zurzeit ein Jahr verspätet in Dubai stattfindet, ist wie immer auch eine Leistungsschau der Architektur. Dabei sticht der Länderpavillon Marokkos hervor: Der 33 Meter hohe Bau ist aus Stampflehm gefertigt und damit das höchste Gebäude seiner Art weltweit. Mit dieser uralten Bautechnik gibt Architekt Tarik Oualalou zugleich ein Beispiel für klimafreundliches Bauen: Alle Rohstoffe wurden im Umkreis von wenigen Kilometern um das Expo-Gelände gefunden – und die dicken Lehmwände kühlen den Pavillon ohne Klimaanlage um bis zu 15 Grad Celsius herunter.
 
Sorgen Sie heute für gutes Klima.
 
Herzlichst
 
 
 
Unterschrift Dr. Stephan
Ihr Ulrich Stephan
Chef-Anlagestratege Privat- und Firmenkunden
 
 
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