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Postbank
 
10. Januar 2023
Morgenkommentar
 
 
 
 
 
Sehr geehrte Damen und Herren, 
die US-Berichtssaison zum vierten Quartal 2022 nimmt Ende dieser Woche Fahrt auf, die EZB fährt ihr Anleihekaufprogramm zurück, und sowohl Festlandchina als auch Hongkong nehmen den quarantänefreien Reiseverkehr wieder auf.
 
 
 
USA: Berichtssaison in den Startlöchern

Die US-Berichtssaison zum vierten Quartal 2022 nimmt Ende dieser Woche Fahrt auf. Aktuellen Schätzungen zufolge könnten die S&P-500-Konzerne 2,2 Prozent weniger Gewinn als im Vorjahresquartal erwirtschaftet haben – Mitte 2022 war noch ein Plus von 10,5 Prozent erwartet worden. Die Umsätze dürften wegen der hohen Inflation um gut vier Prozent zugenommen haben, die Gewinnmargen infolge gestiegener Produktionskosten und nachlassender Konsumentenlaune gesunken sein. Auch der robuste US-Dollar blieb ein Belastungsfaktor. 

Am stärksten dürften die Profite geschrumpft sein bei

 
 
 
Rohstoffunternehmen mit minus 22 Prozent,
 
 
Kommunikationsdienstleistern mit minus 21 Prozent und
 
 
Herstellern zyklischer Konsumgüter mit minus 15 Prozent.
 
 
 
Zumindest von Öl- und Gaskonzernen sowie Industrieunternehmen werden aber noch Gewinnsprünge von 65 beziehungsweise 43 Prozent erwartet. Der S&P 500 könnte wegen einer niedrigen Aktienpositionierung von Marktakteuren im Rahmen der Berichtssaison dennoch zulegen, sofern die gedämpften Aussichten übertroffen werden. Darüber hinaus bleibt das Umfeld für den S&P 500 angesichts der erwarteten milden Rezession im ersten Halbjahr aber schwierig. Das für 2023 erwartete Gewinnwachstum von aktuell 3,4 Prozent könnte somit weiter sinken.
 
 
 
 
Euroraum: Chancen mit Qualitätsanleihen
Die Europäische Zentralbank (EZB) will die Wiederanlagen fälliger Anleihen, die sie über ihr Asset Purchase Programme (APP) erworben hat, von März bis Juni um durchschnittlich 15 Milliarden Euro pro Monat reduzieren. Das entspricht etwa der Hälfte der monatlichen Fälligkeiten. Die dann fehlende Nachfrage sollte grundsätzlich auch die Kurse der Euro-Unternehmensanleihen mit „Investment Grade“-Rating (IG) belasten, die Teil des APP sind. Die Marktreaktion in diesem Anleihesegment ist bisher allerdings verhalten – und das aus gutem Grund. Zwar hat die EZB noch nicht entschieden, in welchem Tempo sie die Anleihekäufe ab Juni reduzieren wird, aber selbst, wenn sie die Wiederanlage der monatlichen Fälligkeiten ab Juli von 50 auf 25 Prozent senkt, würde sich damit die Nachfrage nach Euro-IG-Anleihen für das Gesamtjahr um nur etwa 16 Milliarden Euro reduzieren. Zudem dürften gestiegene Finanzierungskosten die IG-Neuemissionen dämpfen. Einige Analysten rechnen 2023 sogar mit einem negativen Nettoangebot, was die Kurse tendenziell stützen würde. Bleibt der Eurozone eine harte Rezession erspart – wovon ich momentan ausgehe –, könnten Euro-IG-Anleihen Anlegern 2023 daher Chancen bieten.
 
 
 
 
Lichtblicke in China

In Festlandchina belasten die infolge der abrupt gelockerten Covid-Restriktionen sprunghaft angestiegen Infektionsfälle und Krankenstände die wirtschaftliche Aktivität der Unternehmen. Entsprechend schwach fielen die jüngsten Stimmungsindikatoren der Wirtschaft im Dezember aus – besonders im Verarbeitenden Gewerbe. Gesundheitsexperten prognostizieren den Infektionshöchststand für Ende Januar, also nach der landesweiten Urlaubswoche anlässlich der dortigen Neujahrsfeierlichkeiten. In Großstädten wie Peking, Tianjin und Chengdu deuten jedoch zuletzt spürbar gestiegene Mobilitätsdaten darauf hin, dass die dort wohnhaften Menschen bereits vermehrt zur Arbeit, zum Einkaufen und in die Restaurants zurückkehren. Setzt diese Entwicklung in weiteren Wirtschaftszentren des Landes ein, erwarte ich im Februar und März eine schrittweise Wachstumserholung, an die sich ein schwungvolles zweites Quartal anschließen sollte. Dabei wird Peking erklärtermaßen vor allem den Inlandskonsum mit zusätzlichen geld- und fiskalpolitischen Stimuli ankurbeln. Chinas Dienstleister – beispielsweise der Freizeit- und Reisebranche – sowie Unternehmen, die dauerhafte Konsumgüter für den dortigen Binnenmarkt produzieren, dürften zu den ersten Profiteuren gehören. 

Auch Hongkong hat am Sonntag den quarantänefreien Reiseverkehr wieder aufgenommen. Nun könnte der chinesischen Sonderverwaltungszone nach knapp drei Jahren der faktischen Isolation ein bedeutender Wachstumsschub bevorstehen. Immerhin war die Metropole 2019 mit knapp 56 Millionen Reisenden – die Mehrheit davon Festlandchinesen – die meistbesuchte Stadt der Welt. Seit sich Anfang November die Abkehr Pekings von der strikten Null-Covid-Politik abzeichnete, haben Hongkong-Aktien eine bemerkenswerte Rally mit durchschnittlichen Kursgewinnen von über 40 Prozent hingelegt. Dabei setzen Anleger verstärkt auf die klassischen Gewinner eines Wiedereröffnungsszenarios, darunter Hongkongs große Kasinobetreiber sowie Hotel-, Restaurant- und Tourismusunternehmen. Zudem dürften Chinas private, in Hongkong notierte Internet-Unternehmen 2023 von einem freundlicheren regulatorischen Umfeld profitieren. Erklärtermaßen will Peking bei der Schaffung dringend benötigter neuer Arbeitsplätze verstärkt auf die Dynamik privater Unternehmen setzen. Auch deshalb bleibe ich bei meiner konstruktiven Einschätzung des Hongkonger Aktienmarktes. Dessen erwartetes Kurs-Gewinn-Verhältnis von 9,4 liegt unter dem regionalen Mittel von 12,5.

 
 
 
 
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Zahl des Tages: 7

Mittelmaß hat manchmal seine Vorteile. Ein Team um Anderson Feijó von der Chinesischen Akademie der Wissenschaften untersuchte, wieso Frösche das globale Massensterben nach einem Asteroideneinschlag vor 66 Millionen Jahren relativ gut überstanden haben. Er fand heraus: Vor allem mittelgroße Frösche von rund drei Zoll (gut sieben Zentimetern) Körperlänge kamen mit der Dürre nach der Katastrophe gut zurecht. Kleinere Frösche, so die Forscher, trockneten wohl zu schnell aus, während große Exemplare zu lange brauchten, um zu rehydrieren. Wenn sich die These bestätigt, könnte sie auch für den Artenschutz unserer Tage von Bedeutung sein.

Finden Sie heute die goldene Mitte. 

Herzlichst

 
 
 
Unterschrift Dr. Stephan
Ihr Ulrich Stephan
Chef-Anlagestratege Privat- und Firmenkunden
 
 
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