6.000 Fördertöpfe – null Durchblick
Aus Ausgabe 1/2016
Energiespar-Modernisierer nehmen jedes Jahr rund 100 Millionen Euro an staatlicher Förderung nicht in Anspruch. Ein Grund kann sein: Die unübersichtliche Vielzahl an Vorschriften, Zuschüssen und Darlehen führt häufig zu einer Überforderung. Neue Informationsdienste verschaffen nun aber einen besseren Durchblick – und damit auch mehr Fördergeld.
Förder-Services helfen bei der cleveren Finanzierung von Solaranlagen und Co
Bild Nr. 6102, Quelle: SolarWorld AG/BHW Bausparkasse
Die deutsche Energieeinsparverordnung (EnEV) setzt ehrgeizige Ziele für die Steigerung der Energieeffizienz. Allerdings stehen sanierungswillige Hausbesitzer einer komplizierten Fördersituation gegenüber: Bund und Länder haben insgesamt 500 Förderungen im Repertoire, weitere 5.500 werden je nach Wohnort von Kommunen und Energieversorgern angeboten. Erschwerend kommt hinzu, dass einige Förderprogramme kombinierbar sind, andere einander ausschließen. Die Folge: Viele Hausbesitzer unterlassen überfällige Maßnahmen – der Sanierungsstau droht. Und wer sich fürs Investieren entscheidet, schöpft die Fördertöpfe oft nicht optimal aus.
Wie kombinieren?
Online-Datenbanken können wichtige Anhaltspunkte zu Förderansprüchen liefern, garantieren jedoch keine tagesaktuellen, vollständigen und kombinierbaren Resultate. Spezielle Förder-Services dagegen umfassen persönliche Beratung zu den Kombinationsmöglichkeiten, Recherche regionaler Förderquellen und das Ausfüllen der Anträge. "Mit einer gut aufgestellten Förderung können Modernisierer mehrere Tausend Euro sparen", betont Bernd Neuborn von der BHW Bausparkasse. "Interessierte sollten Handwerksunternehmen nach Förder-Services fragen oder Anbieter im Internet ermitteln."
Unverändert gut
Eine sorgfältige Recherche lohnt sich definitiv. Auch 2016 werden Modernisierer, die investieren, unterstützt: Der Bund stellt seit dem 1. Januar im Anreizprogramm Energieeffizienz insgesamt 165 Millionen Euro bereit – zum Beispiel für den Heizungstausch oder den Einbau einer neuen Lüftungsanlage.
Regionale Förderung nutzen!
Modernisierer, die in neue Heiztechnik und regenerative Energien investieren, profitieren sowohl von bundesweiten als auch von regionalen Förderprogrammen. Zwei regionale Beispiele zeigen, welche Beträge Eigenheimbesitzer durch geschickte Förderkombinationen für sich beanspruchen können.
Beispiel Hannover/Niedersachsen: Wer in der niedersächsischen Hauptstadt den Einbau eines Gas-Brennwertkessels finanzieren möchte, muss mit Kosten von circa 9.500 Euro rechnen. "Den neuen Kessel bezuschusst die KfW im Programm 430 seit Jahresbeginn mit 15 Prozent des Kaufpreises, also 1.425 Euro. Voraussetzung dafür ist die Kombination mit einem hydraulischen Abgleich", erklärt Bernd Neuborn von der BHW Bausparkasse. Der regionale Klimaschutzfonds "proKlima" gibt zum Einbau und zur Heizungsanlagenoptimierung weitere 500 Euro hinzu. Insgesamt ergibt sich so eine Förderbeteiligung von gut 20 Prozent.
Beispiel Hamburg: Ein privater Modernisierer, der in der Hansestadt eine thermische Solaranlage zur Heizungsunterstützung mit einer Fläche von zehn Quadratmetern sowie einen Gas-Brennwertkessel installiert und dazu noch einen hydraulischen Abgleich vornehmen lässt, erhält von der BAFA 2.500 Euro. 2.000 Euro davon entfallen auf die Pauschalförderung für Solarthermieanlagen bis 14 Quadratmeter und 500 Euro auf den Kombinationsbonus mit Kesseltausch. Die Hamburger Förderbank IFB unterstützt das Projekt mit weiteren 1.000 Euro für die Installation der Solarwärmekollektoren. Der Modernisierer erhält 60 Euro pro Quadratmeter, mindestens jedoch 1.000 Euro.