Baugemeinschaften – wie finden, wie gründen?

Aus Ausgabe 4/2018

Als Mitglied einer Baugemeinschaft lässt sich nicht nur preiswerter und individueller bauen, sondern auch gute Nachbarschaft erleben. Schützenhilfe bei der Realisierung leisten erfahrene Projektsteuerer.

Gruppenvorteile: gemeinschaftlich planen, sparen und gestalten
Bild Nr. 6267, Quelle: Sommer/Noenen Albus Architektur/BHW Bausparkasse

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Durch gemeinsame Planung, Koordination sowie Einkauf von Materialien und Dienstleistungen lassen sich in einer Baugemeinschaft bis zu 20 Prozent der anfallenden Baukosten einsparen – eine attraktive Option für Bauherren jeden Alters, um sich preiswerten Wohnraum in guter sozialer Umgebung zu erschließen. Bislang scheiterte das Modell jedoch daran, dass kein geeigneter Baugrund zu finden war. Zahlreiche Kommunen reagieren, indem sie Baugrund zu Verkehrspreisen an Baugemeinschaften vergeben.

Ausgezeichnete Vorbilder

„Baugemeinschaften vereinen viele Vorteile unter einem Dach, die sich über herkömmliche Bauweisen so nicht erzielen lassen“, sagt Ralf Palm von der BHW Bausparkasse. Die Münchner Genossenschaft WOGENO entwickelt seit 1993 soziale Wohnprojekte in Niedrigenergiebauweise. Gemeinschaftsräume, Nachbargärten und Gästeapartments sind Standard, Car- und Bike-Sharing senken die Mobilitätskosten. Auch das Hamburger Projekt DOCK71 setzt auf Nachhaltigkeit – mit Gemeinschaftsraum und begrünter Dachterrasse. Dafür gab es eine Auszeichnung der Freien und Hansestadt Hamburg.

Es muss nicht immer Neubau sein

Ein Projektsteuerer mit einschlägigen Referenzen sollte bei Baugemeinschaften nicht fehlen. „Die qualifizierte Baubegleitung verkürzt die Antragsverfahren und bringt die unterschiedlichen Bedürfnisse zusammen“, sagt der BHW Experte. „Das gilt übrigens auch für Wohneigentümergemeinschaften, die ihr Mehrfamilienhaus umfassend modernisieren wollen.“

Baugemeinschaften: Kluge Konzepte für preiswerteres Wohnen

Vorteile des Bauens in der Gemeinschaft

In der Gemeinschaft zu bauen ist deutlicher günstiger, als alleine zu bauen. Bauwillige können bis zu 20 Prozent einsparen, wenn sie gemeinsam Materialien oder Leistungen kaufen. Zudem entfällt die Gewinnmarge für den Bauträger. „Auch die Nebenkosten fallen geringer aus, da die Grunderwerbssteuer nur auf den eigenen Grundstücksanteil erhoben wird“, sagt Ralf Palm von der BHW Bausparkasse. Handwerklich geschickte Mitglieder einer Baugemeinschaft können ihre Kosten durch Eigenleistungen deutlich senken. Oft werden die ersparten Kosten in eine nachhaltige Ausstattung und individuelle Gestaltung investiert. Zudem können individuell genutzte Flächen durch gemeinsame Raumangebote ersetzt werden. Dazu zählen für alle nutzbare Gästeapartments, Dachterrassen, Werkräume oder Waschküchen. Baugemeinschaften sind aus Eigeninteresse bestrebt, nach dem neuesten Stand der Technik zu bauen und ihre Wohnwünsche umzusetzen. Sie nutzen beispielsweise Techniken aus dem Passivhausbau oder decken den Wärme- und Strombedarf aus erneuerbaren Energien.

Der Weg einer Baugemeinschaft

Eine Baugemeinschaft durchläuft drei Phasen. Zunächst wird eine Interessengemeinschaft gebildet, deren Mitglieder gemeinsam bauen wollen. Meist haben sie noch keine klare Vorstellung des Gebäudes oder Grundstücks. Bauwillige suchen nach Gleichgesinnten und legen das Konzept und grundlegende Ideen fest. Mit den ersten Planungen entsteht aus der Interessen- eine Planungsgemeinschaft. Nun beginnt die Suche nach geeigneten Grundstücken. Dabei können Baugemeinschaften sowohl auf dem freien Markt suchen oder sich bei Kommunen um bestimmte reservierte Grundstücke bewerben. Ganz entscheidend ist die Betreuung des Bauprojektes durch einen erfahrenen Architekten oder Bausteuerer. Dann erst kann die Bauphase starten. Mit der Gründung der Baugemeinschaft verpflichten sich die Mitglieder zur verbindlichen Realisierung des Bauprojekts. Zur gegenseitigen Absicherung sind rechtliche Rahmenbedingungen erforderlich. „Die gewählte Rechtsform muss insbesondere alle finanziellen Verpflichtungen der Mitglieder, die Verteilung der Kosten und das Mitspracherecht klar regeln wie auch den Fall vorsehen, dass Mitglieder aus der Gemeinschaft und dem Bauvorhaben austreten wollen“, sagt Ralf Palm von der BHW Bausparkasse. Nach Fertigstellung der Immobilie wird aus der Baugemeinschaft meist eine Wohnungseigentümergemeinschaft.

Formen der Initiative

Bauherren-Initiative: Oft geht die Initiative für die Bildung einer Baugemeinschaft von Privatpersonen aus. Diese selbst organisierten Zusammenschlüsse haben konkrete Ziele und Wünsche für das Zusammenleben in der Gemeinschaft und suchen sich ein passendes Grundstück für die Realisierung ihres Bauvorhabens.

Architekten-Initiative: Die Mitglieder der Baugemeinschaft finden sich aufgrund eines von Architekten erstellten Konzepts zusammen. Oft haben sie aber auch weniger Einfluss auf die Zusammensetzung der zukünftigen Bewohnerschaft und deren soziale Ausrichtung.

Kommunale Initiativen: Einige Kommunen bieten Baugemeinschaften städtische Areale an, damit diese einen attraktiven Stadtteil mit hoher Identifikation der Bewohner schaffen. Darüber hinaus unterstützen viele Städte Baugemeinschaften durch zentrale Anlaufstellen, bei denen sie gezielte Beratung, Vermittlung und Förderung erhalten. In Hamburg etwa berät und unterstützt die Agentur für Baugemeinschaften Baugruppen von der Idee über die Grundstückssuche bis zur Realisierung des Bauvorhabens.

Finanzierung und Förderung

Wie auch bei klassischen Bauprojekten können Mitglieder von Baugemeinschaften staatliche Fördermöglichkeiten wie zinsverbilligte Darlehen, Zuschussförderungen oder steuerliche Abschreibungsmöglichkeiten beanspruchen. Erfahrene Architekten kennen sich in diesen Fragen gut aus. Anlaufstelle ist die staatliche KfW Förderbank. Kommunale Fördermöglichkeiten können ebenfalls aus zinsverbilligten Darlehen oder in der baulandpolitischen Unterstützung bei der Grundstücksbeschaffung bestehen. Es gibt allerdings noch keine bundesweit einheitliche Förderung, besonders kleinere Kommunen haben oft keine speziell auf Baugemeinschaften zugeschnittenen Angebote.

Informationsangebote für interessierte Bauwillige

Interessierte können auf immer mehr Informationsangebote zugreifen. Mittlerweile gibt es zahlreiche Websites, auf denen sich Baugemeinschaften vorstellen und Mitglieder suchen. Viele Kommunen bieten Informationsplattformen an, um die Entwicklung von Baugemeinschaften zu fördern und Grundstücke zu vermitteln. Als erste Anlaufstelle können Bauwillige ebenfalls Organisationen ansprechen wie zum Beispiel die STATTBAU GmbH oder den Bundesverband Baugemeinschaften.

Kontakt

Iris Laduch-Reichelt

Iris Laduch
Pressesprecherin
iris.laduch@postbank.de
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