Bessere Luft dank natürlicher Baustoffe

Aus Ausgabe 4/2018

Die Luftqualität vieler Innenräume lässt zu wünschen übrig. Wer auf ein gesundes Wohnklima nicht verzichten will, achtet auf die Verwendung von natürlichen Baustoffen. Hoch im Kurs stehen Häuser aus Holz und Lehm.

Bauen ohne Schadstoffe: Naturmaterialien wie Holz machen es möglich
Bild Nr. 6266, Quelle: www.bauftritz.de/BHW Bausparkasse

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Für 94 Prozent der Deutschen ist das gesunde Wohnklima ein entscheidendes Kriterium für den Wohnungsbau. Experten schätzen jedoch, dass gerade einmal in rund 55 Prozent aller deutschen Haushalte die Innenluftqualität unbedenklich ist. Eine mit Schadstoffen belastete Umgebung kann zu allergischen Reaktionen, Kopfschmerzen oder Müdigkeit führen und ernste Krankheiten verursachen.

Öko-Labels als Wegweiser

„Wer sichergehen will, sollte nur zertifizierte Materialen verwenden, die mit dem Blauen Engel, natureplus oder EMICODE ausgezeichnet sind“, rät Stefanie Binder von der BHW Bausparkasse. „Diese Öko-Labels geben eine Garantie, dass Bau- und Dämmmaterial, Bodenbeläge, Lacke, Putze und Farben keine giftigen Chemikalien enthalten.“ Allergiker lassen sich bei Neubauten und großen Sanierungen besser von einem Baubiologen begleiten.

Naturbaustoffe schaffen das beste Klima

Der Verband Baubiologie empfiehlt Holz, Lehm, Stroh und Naturstein. Holz gilt als das gesunde Baumaterial schlechthin und ist dementsprechend beliebt: 2017 waren rund 18 Prozent der genehmigten Häuser in Deutschland aus dem natürlichen Rohstoff gefertigt. „Holz ist allerdings nur dann gesund, wenn es nicht mit chemischen Stoffen behandelt wurde“, so Binder. Nur dann kann es antibakteriell wirken und die Feuchtigkeit in der Raumluft regulieren. Auch die Eigenschaften von Lehm als Baumaterial überzeugen: Er kann Feinstaub aus der Luft filtern und schädliche Strahlung abschirmen.

Natürliche Baustoffe – eine Übersicht

Wer baut oder modernisiert, wünscht sich vor allem ein gesundes Zuhause. Zertifizierte umweltfreundliche Baustoffe machen es möglich. Eine Übersicht mit Kosten:

Kalkputz

Kalkputz ist geschmeidig und haftet gut. Kalkoberflächen reinigen die Luft, hemmen Schimmelbildung und regulieren die Raumluftfeuchte. Kosten Innenwände: circa acht bis zwölf Euro pro Quadratmeter.

Gipsputz

Gipsputz punktet durch schnelle Trocknung und leichte Weiterverarbeitung und eignet sich gut für besonders glatte Oberflächen. Kosten Innenwände: circa acht bis zwölf Euro pro Quadratmeter.

Holz

Holz wirkt antibakteriell und reguliert die Feuchtigkeit in der Raumluft. Es ist langlebig, muss aber gegen äußere Einflüsse wie Witterung und Insekten gut geschützt sein. Um seine gesunde Wirkung zu erhalten, darf es keinesfalls mit chemischen Stoffen behandelt werden. Kosten: ab circa 14 Euro pro Quadratmeter für einen Dielenboden aus Fichtenholz und ab circa 1.400 Euro pro Quadratmeter für ein Holzhaus.

Lehm

Lehm hat eine gute Wärmespeicherung, wirkt feuchtigkeitsregulierend, kann Feinstaub aus der Luft filtern und schädliche Strahlung abschirmen. Lehm muss relativ lange getrocknet werden, damit kein Schimmel entstehen kann. Kosten: ab circa 15 Euro pro Quadratmeter für Lehmputz und ab circa 1.800 Euro pro Quadratmeter für ein komplettes Lehmhaus.

Stroh

Der schnell wachsende Baustoff Stroh speichert hervorragend Wärme und schützt vor Schall. Häuser aus Strohballen müssen mit Kalk oder Lehm sorgfältig verputzt werden – so haben sie eine hohe Feuerbeständigkeit und sind vor Witterung geschützt. Kosten: Für die Dämmung ab circa 25 Euro pro Quadratmeter, für ein ganzes Strohballenhaus ab circa 1.800 Euro.

Natürliches Dämmmaterial

Natürliche Dämmstoffe werden zum Beispiel aus Zellulose, Hanf, Flachs oder Holzfaser hergestellt. Sie sind nicht nur umweltfreundlich und gesünder als erdölbasierte oder mineralische Dämmstoffe, sondern regulieren meist auch die Luftfeuchtigkeit und Temperatur besser. Kosten pro Quadratmeter: Zellulose ab circa 15 Euro, Hanf 20 Euro, Flachs 25 Euro und Holzfaser 45 Euro.

Linoleum

Linoleum eignet sich hervorragend für Bodenbeläge in Wohnräumen, denn es bietet einen Trittschallschutz und Fußwärme. Es besteht zu 80 Prozent aus nachwachsenden Rohstoffen, ist biologisch abbaubar, hygienisch, antibakteriell und sehr langlebig. Kosten für Linoleum: 15 bis 40 Euro pro Quadratmeter.

Fliesen oder Natursteine

Keramikfliesen sind sehr strapazierfähig und gut für Feuchträume geeignet. Terrakottafliesen, geölt oder gewachst, ohne Glasur wirken sich regulierend auf das Raumklima aus. Kosten für Fliesen- und Natursteine: circa 65 Euro pro Quadratmeter.

Kork

Kork ist ein natürlich wachsender Rohstoff und zu 100 Prozent recycelbar. Ein Naturkorkboden trägt zu einem gesunden Wohnklima bei: Er bindet weder Staub noch Milben und ist komplett schadstofffrei. Außerdem punktet er mit seiner schall- und wärmedämmenden Wirkung. Materialkosten: 25 bis 70 Euro pro Quadratmeter.

Lösungsmittelfreie Lacke und Lasuren

Lösungsmittelfreie Farben kommen laut Angaben vieler Hersteller ohne petrochemische und synthetische Gift- bzw. Schadstoffe aus und werden aus pflanzlichen und mineralischen Rohstoffen hergestellt. Kosten für lösungsmittelfreie Lacke und Lasuren: fünf bis 15 Euro pro Liter.

Kontakt

Iris Laduch-Reichelt

Iris Laduch
Pressesprecherin
iris.laduch@postbank.de
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