Gekauft wie gesehen? Vorsicht vor versteckten Mängeln

Aus Ausgabe 3/2018

Beim Kauf einer gebrauchten Immobilie sollte nicht gleich der erste Eindruck entscheiden. Wer genauer hinschaut, kann teure Überraschungen vermeiden. Ist der Vertrag erst unterschrieben, wird es schwierig, Baumängel geltend zu machen.

Genau hinsehen – beim Kauf einer Immobilie ist der Rat von Experten unverzichtbar
Bild Nr. 6240, Quelle: BHW Bausparkasse

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Häufig werden Häuser gleich nach der Besichtigung gekauft. Zumal Verkäufer und Makler auf die hohe Nachfrage verweisen! Doch das Risiko eines Fehlgriffs ist nicht zu unterschätzen.

Modernisierungsbedarf überblicken

„Um das Haus auf Herz und Nieren zu prüfen, sind Folgebesichtigungen unerlässlich“, rät Stefanie Binder von der BHW Bausparkasse. „Ein Sachverständiger sollte vor allem Keller, Dach, Fenster, Heizung, Schallschutz sowie Wasser- und Abwasserleitungen bewerten.“ Risse, feuchte Stellen oder ein muffiger Geruch sind Warnsignale. Denn großer Sanierungsbedarf kann das Budget schnell übersteigen.

Gekauft wie gesehen?

Ein gebrauchtes Haus wird „gekauft wie gesehen“. Eine Gewährleistung ist damit aber nicht vollständig ausgeschlossen. „Ausgenommen sind lediglich offensichtliche Mängel“, erläutert die BHW Expertin. Versteckte Mängel, die zunächst nicht erkennbar sind – zum Beispiel Altlasten auf dem Grundstück oder verrostete, nicht sichtbare Stahlträger – können hingegen zur Minderung des Kaufpreises, Schadenersatz oder gar zum Rücktritt vom Kaufvertrag führen.

Unklarheiten ausräumen

Für die Abwicklung des Verkaufs ist ein Notar erforderlich. Er ist zur Neutralität verpflichtet und überwacht den Verkauf. Was viele jedoch übersehen: Der Notar prüft nicht, ob der Kaufpreis angemessen ist. Er setzt lediglich die Vertragsentwürfe auf und räumt den Beteiligten zudem mindestens zwei Wochen Zeit ein, um alle inhaltlichen Probleme im Zweifel mit einem Anwalt klären zu können. Diese Zeit will vom Käufer gut genutzt sein!

Hauskauf? Aber sicher!

Wer ein gebrauchtes Haus kaufen möchte, sollte bei der Auswahl einige wichtige Punkte beachten. Die BHW Bausparkasse zeigt in einer Checkliste, mit welchen Schritten Käufer an ihr Gebrauchttraumhaus kommen, ohne es später zu bereuen.

  • Einen Kriterienkatalog als Bewertungsgrundlage erstellen
  • Wie viel möchte man investieren?
  • Prüfen, ob der Arbeitsweg vertretbar ist
  • Wie ist es um Infrastruktur (Nahverkehr, Schulen, Ärzte, etc.), Freizeitmöglichkeiten, Parks bestellt?
  • Passt das soziale Umfeld?
  • Besteht Hochwassergefahr?
  • Ist mit Lärm- oder Geruchsbelästigung, etwa durch Industrie, zu rechnen?
  • Infrage kommende Objekte zusammen mit Experten besichtigen
  • In welchem Zustand sind Bausubstanz und Haustechnik?
  • Energetische Qualität prüfen. Ist ein Energieausweis vorhanden?
  • Lässt sich das Haus erweitern?
  • Sanierungsbedarf realistisch einschätzen
  • Wie sehen Baupläne der Kommune für den Standort aus?
  • Sind in der Nachbarschaft Baumaßnahmen geplant? Wie wirken diese sich auf das Grundstück aus (Lärm, Verschattung, Privatsphäre)?
  • Preisverhandlungen führen
  • Mehrere Finanzierungsangebote einholen
  • Kaufvertrag vom Notar aufsetzen lassen und prüfen

Kontakt

Iris Laduch-Reichelt

Iris Laduch
Pressesprecherin
iris.laduch@postbank.de
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