Giftstoffe im Bau: Vorsicht bei Modernisierungen

Aus Ausgabe 3/2019

Verschiedene Baumaterialien, die heute als Giftstoffe bekannt sind, wurden jahrzehntelang bedenkenlos verbaut. Einige Stoffe gelten heute sogar als krebserregend. Bei der Modernisierung von Altbauten ist daher größte Vorsicht geboten.

Oberste Priorität: Der Schutz von Kindern vor Schadstoffen
Bild Nr. 6325, Quelle: Auro Naturfarben/BHW Bausparkasse

Download Bild-Datei (JPG, 3,6 MB)

Asbest kann Krebs auslösen, doch erst 1993 kam es zum endgültigen Verbot des Silikats. Bis zu diesem Zeitpunkt wurde das als beständig geltende Material in vielen Produkten eingesetzt, vor allem im Bauwesen. Entsorgt sind viele bis heute nicht. 2011 waren schätzungsweise noch 35 Millionen Tonnen Asbestzement in Deutschland verbaut.

Gift steckt auch in früher vielfach eingesetzten Parkettklebern und Holzschutzmitteln wie PCP. „Bei Sanierungen von Bauten, vor allem aus der Zeit zwischen den 60er- und 80er-Jahren, sollten Sanierer einen Sachverständigen hinzuziehen“, rät Stefanie Binder von der BHW Bausparkasse. Geeignete Maßnahmen dürfen nur von Fachleuten vorgenommen werden.

Informieren und vorbeugen

Gefährliche Substanzen wie Formaldehyd, das unter anderem in Möbeln und Böden steckt, sind heute noch in Produkten nachweisbar. 2014 wurde es durch die EU als krebserzeugend eingestuft. Auch viele Lacke und Farben enthalten chemische Lösungsmittel. Ein eigenartiger Geruch kann ein Indiz für solche Schadstoffe sein. „Es empfiehlt sich, umweltfreundliche Alternativen wie Naturlacke, Naturfarben oder Lehmputz zu wählen“, rät BHW Expertin Stefanie Binder. Sie weist darauf hin, dass gemäß der europäischen Chemikalienverordnung Hersteller Auskunft darüber erteilen müssen, ob ein Material besorgniserregende Stoffe enthält. Musterbriefe für solche Anfragen gibt es beim Umweltbundesamt im Internet.

Wohin mit giftigen Baustoffen? Tipps für die Entsorgung

Giftige Baumaterialien können die Gesundheit der Hausbewohner bleibend schädigen und müssen entfernt werden. BHW zeigt, was Modernisierer im Umgang mit Asbest, Formaldehyd oder Glaswolle beachten sollten.

Generell gilt: Bevor man sich an eine Schadstoffsanierung macht, sollten Experten Baumaterial und Raumluft überprüfen und entscheiden, welche Maßnahmen notwendig sind. Farben, Parkettkleber und Holzvertäfelungen können von den Profis entfernt, entsorgt und ausgetauscht werden. Sind tragende Bauteile betroffen, wird es komplizierter. In beiden Fällen zeigt eine Staubuntersuchung, ob die Maßnahmen erfolgreich waren.

Asbest entsorgen

Asbest muss fachgerecht entsorgt werden, denn leichtfertiges Handeln mit diesem Stoff oder dessen illegale Entsorgung ist eine Straftat. Modernisierer sollten Experten beauftragen, die eine Zertifizierung für die Asbestentsorgung vorweisen können. Gefährlich an Asbest sind die Fasern. Diese gelangen durch Sägen, Brechen oder Bohren in die Luft und schädigen die Atemwege. Die Profis demontieren die Platten daher meist im Ganzen und tragen dabei Schutzanzug und Atemmaske. Eine Asbestsanierung ist teuer. Dieser Sondermüll wird vom Wertstoffhof je nach Stadt oder Gemeinde mit 100 bis 300 Euro pro Tonne berechnet. Für den Asbest in einem Einfamilienhaus aus den 1960er-Jahren ist mit ungefähr 6.500 Euro Entsorgungsgebühren zu rechnen. Hinzu kommen der Ausbau für etwa 30 bis 35 Euro pro Quadratmeter sowie Anfahrt, Gerüstmiete, neue Baumaterialien plus deren Einsatz – und eine Ersatzunterkunft für die Zeit der Arbeiten. „Die Investition lohnt sich aber nicht nur für die Gesundheit, sondern auch weil dadurch der Wert der Immobilie steigt“, sagt BHW Expertin Stefanie Binder.

Gefährliche Lösemittel wie Formaldehyd

Belastete Kleber oder Lacke sind meist am Geruch zu erkennen. Wird die Quelle nicht beseitigt, werden die Lösemittel immer weiter freigesetzt. Das gilt auch für das krebserregende Wohngift Formaldehyd. Die einzige Möglichkeit ist also das Entfernen des verseuchten Materials durch einen Fachbetrieb.

Vorsicht, Glaswolle!

Dieser Dämmstoff darf nicht einfach im Hausmüll entsorgt werden, sondern muss luftdicht in speziellen Müllsäcken zum Wertstoffhof gebracht werden. 700 Liter-Säcke für Mineralfaserabfälle kosten zwei bis drei Euro pro Stück. Größere, die 2.400 Liter fassen, kosten circa zwölf Euro pro Stück. Hinzu kommen Kosten für die ordentliche Beseitigung, circa 15 bis 25 Cent pro Kilogramm Sondermüll. Tipp: Mit einem Beleg lässt sich hinterher beweisen, dass die Glaswolle ordnungsgemäß entsorgt wurde.

Kontakt

Iris Laduch-Reichelt

Iris Laduch
Pressesprecherin
iris.laduch@postbank.de
Download JPG