Hochgedämmt, aber dafür schlechte Luft?

Aus Ausgabe 3/2016

Die wirksame Isolierung einer Immobilie spart Hausbesitzern Energie und bares Geld. Allerdings unterscheidet sich das Raumklima in hochgedämmten Gebäuden von dem in konventionell gebauten. Der Luftaustausch ist erheblich geringer. Wie schafft man dennoch ein gutes Klima?

Regelmäßiger Luftaustausch und schadstoffarme Einrichtungsgegenstände sorgen für gesundes Wohnen
Bild Nr. 6131, Quelle: Velux/BHW Bausparkasse

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Wo kein ausreichender Luftaustausch stattfindet, können sich Schadstoffe wie etwa aus Baumaterialien oder Einrichtungsgegenständen anreichern. Das bedeutet zwar nicht, dass man davon sofort krank wird. Aber dennoch: Umweltmediziner warnen schon länger, dass die Konzentration und Dauer der Einwirkung langfristig die Gesundheit schädigen können. „Sensible Personen sollten auf einen guten Luftaustausch achten und bei Bedarf einen Baubiologen zurate ziehen“, empfiehlt Steffen Zwer von der BHW Bausparkasse. Oft ließen sich die Belastungen für Laien nicht eindeutig einer bestimmten Quelle zuordnen.

Auf Gütesiegel achten

Sogenannte schwerflüchtige Verbindungen, die in Kunststoffen und Farben enthalten sind, können über Jahre ausgasen. Zudem können Möbel, Parkettkleber und Bodenbeläge Ursachen für schlechtes Klima sein. "Betroffene sollten auf schadstoffarme Möbel und Bodenbeläge mit dem Blauen Engel oder dem GUT-Prüfsiegel setzen", erklärt der BHW Experte. Auch Feinstaub, wie er durch Öfen oder Kamine entsteht, kann in gut isolierten Räumen schlecht entweichen. Hier gilt: ordentlich lüften! Für gesundes Wohnen sind Luftwechselraten zwischen 0,5 und 1 ideal. Bei einer Rate von 1 wird die Luft in einem Raum innerhalb einer Stunde komplett erneuert. In vielen Neubauten und energetisch sanierten Bestandsgebäuden liegen die Werte allerdings deutlich darunter.

Sechs Tipps für gesundes Wohnen
Für Neubauten und energetische Sanierungen sieht die Energieeinsparverordnung (EnEV) gut gedämmte, luftdichte Gebäudehüllen vor. Umweltmediziner warnen davor, dass das Wohnklima leiden könnte. Die Bausparkasse BHW gibt Tipps für das gute Klima.
  1. Bei starker Beeinträchtigung Ihres Wohnklimas ziehen Sie am besten einen Baubiologen zurate. Er misst mögliche Belastungen in Wohnräumen und erkennt Ursachen.
  2. Vermeiden Sie Belastungen, indem Sie auf schadstoffarme Möbel und Bodenbeläge mit dem Blauen Engel setzen. Auch das GUT-Prüfsiegel zeichnet gesunde Bodenbeläge aus.
  3. Lüften Sie regelmäßig per Quer- oder Stoßlüftung. Für die Querlüftung öffnen Sie Fenster und Türen so weit, dass Durchzug entsteht. Beim Stoßlüften werden lediglich die Fenster voll geöffnet. Ein kompletter Luftaustausch erfolgt beim Querlüften in maximal fünf und beim Stoßlüften in maximal zehn Minuten.
  4. Wer unter brennenden Augen oder gereizten Atemwegen leidet, sollte die Luftfeuchtigkeit überprüfen. Der optimale Wert liegt zwischen 40 bis 60 Prozent. Trockene Luft kann Beschwerden auslösen.
  5. Möbel und Vorhänge sollten mindestens fünf Zentimeter Abstand zu Außenwänden haben, damit die Luft ungehindert zirkulieren kann. So verhindert man, dass an kühleren Wänden Feuchtigkeit kondensiert und sich Schimmel bildet.
  6. Gesundheitliche Probleme können auch durch Allergene entstehen, vor allem durch Hausstaubmilben. Daher sollten Sie feucht wischen, statt zu saugen, oder einen Staubsauger mit hoher Saugkraft verwenden.

Kontakt

Iris Laduch-Reichelt

Iris Laduch
Pressesprecherin
iris.laduch@postbank.de
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