Immer an der Wand lang: Fassadenbegrünung
Aus Ausgabe 1/2016
Ein Garten hinter dem Haus? Wie langweilig! Immer mehr Hausbesitzer begrünen ihre Fassade, Carports und sogar Innenwände. Kommunen fördern das vertikale Wachstum.
Angenehmes Klima im und am Haus – dank grüner Fassade
Bild Nr. 6100, Quelle: D. Masbaum/ BHW Bausparkasse
Eine lebendige Wand aus Efeu, wildem Wein oder Kletterrosen an der Fassade hat es richtig in sich: Sie schützt das Mauerwerk vor Witterungseinflüssen, dämpft Schall und verbessert das Klima. Bewohner freuen sich vor allem über den positiven energetischen Einfluss – immergrüne Pflanzen schwächen die Temperaturextreme im Winter und Sommer merklich ab. "Eine gepflegte Fassadenbegrünung sieht gut aus und spart Energie", meint Stefanie Binder von der BHW Bausparkasse. "Damit können Eigentümer den Wert ihres Hauses steigern."
Städte fördern
Viele Städte und Kommunen fördern die Pflanzenschicht am Haus sogar – Hannover zum Beispiel mit bis zu 3.500 Euro an Zulagen. Ein Segen, sofern die Planung stimmt: Selbstkletternde Pflanzen wie Efeu zum Beispiel ziehen sich mit Haftwurzeln am Mauerwerk hoch und sind nicht für Fassaden mit Außendämmung geeignet. "Die Bausubstanz sollten Hausbesitzer vorher prüfen lassen, sonst können die Wurzeln in Fugen und Risse wachsen", erklärt Expertin Stefanie Binder von BHW. Pflanzen wie Blauregen oder Kletterrosen wachsen lieber an Kletterhilfen empor. Je nach Aufwand sollten Hausbesitzer Kosten von 15 bis 35 Euro je Quadratmeter einplanen.
Schnelle Lösung: ein vertikaler Garten
Immobilienbesitzer, die es nicht abwarten können, bis ihr Haus endlich zugewachsen ist, legen einen vertikalen Garten an. Ein Tragesystem mit bepflanzbaren Substratbehältern wird von Profis an der Gebäudewand installiert und mit bereits fertigen Pflanzen bestückt. So lassen sich zum Beispiel auch Mülltonnen, Carports und sogar Innenwände natürlich verschönern! Der durchschnittliche Einbauwert liegt bei ungefähr 700 Euro pro Quadratmeter.
Ein Ökosystem auf dem Dach
Eine Begrünung kann die Lebensdauer eines Dachs steigern. Wenig bekannt ist: Viele Kommunen unterstützen Gründachbesitzer mit Fördergeldern und erlassen Gebühren.
Laut der Fachvereinigung Bauwerksbegrünung e.V. werden in Deutschland jedes Jahr acht bis zehn Millionen Quadratmeter Dachfläche neu begrünt – Tendenz steigend. Die grüne Haube verbessert die Wärme- und Schalldämmung, bildet einen Hitzeschirm und schützt das Dach vor Witterungseinflüssen.
Zuschüsse für grüne Dächer
Das Ökosystem auf dem Dach bindet Schadstoffe aus der Luft und hält je nach Bauart 50 bis 90 Prozent der Niederschläge zurück. Daher unterstützt die Hansestadt Hamburg Immobilieneigentümer mit einem Zuschuss von 60 Prozent der Investition sowie einem 50-prozentigen Nachlass auf die Niederschlagswassergebühren. "Viele Städte und Gemeinden fördern Gründachbesitzer“, sagt Stefanie Binder. „Es lohnt sich, in der eigenen Region nach den Möglichkeiten zu fragen."
Pflegeleicht oder begehbar
Die pflegeleichte, extensive Dachbegrünung bestehend aus Gräsern und Sukkulenten ist schon ab 25 Euro pro Quadratmeter zu haben. Wer sich eine begehbare Erholungsoase mit Sträuchern oder Bäumen schaffen will, sollte mindestens 200 Euro pro Quadratmeter einplanen. "Vor Baustart prüfen Statiker oder Architekten die Tragfähigkeit des Daches", so die BHW Expertin. Weil Dachbegrünungen gut dämmen, können sich Hausbesitzer durch das KfW-Programm „Energieeffizient Sanieren“ fördern lassen. Für die Finanzierung steht auch der Bausparvertrag zur Verfügung. Stefanie Binder: "Dachbegrünungen gelten als sogenannter wohnwirtschaftlicher Zweck."