Innovative Fenstersysteme als Energiesparmodell

Aus Ausgabe 2/2018

Immer noch bestehen viele Millionen Fenster in privaten Häusern aus Einfachglas. Dabei können Eigentümer mit gut isolierten Fenstern leicht Tausende Euro an Heizkosten sparen.

Die KfW fördert Fenstersanierungen mit Zuschüssen und zinsgünstigen Krediten
Bild Nr. 6230, Quelle: Velux/BHW Bausparkasse

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Die energetische Qualität von Fenstern definiert sich über den sogenannten U-Wert, der die Durchlässigkeit eines Bauteils für Wärme beschreibt. Je kleiner der Wert, desto besser ist das Fenster wärmegedämmt. Wer sein altes Haus modernisiert, richtet sich gemäß der Energieeinsparverordnung nach einem vorgeschriebenen U-Wert von 1,3 Watt pro Quadratmeter und Kelvin. Diesen erreichen moderne Fenster mit gasgefüllten Zweischeibenverglasungen. Einfachgläser haben dagegen einen U-Wert von 5 bis 6 Watt pro Quadratmeter und Kelvin.

Kleiner U-Wert, hohe Qualität

Bei Neubauten verwenden Architekten jedoch zunehmend eine Dreischeibenverglasung. „Wer in seiner Immobilie einen Fenstertausch plant, zieht am besten einen Experten zurate, weil sich eine Teilsanierung auf andere Bauteile auswirken kann“, empfiehlt Stefanie Binder von der BHW Bausparkasse. Vor der Sanierung sind die Fenster oft der energetische Schwachpunkt. Dort schlägt sich Feuchtigkeit aus der Raumluft nieder. Nach einem Austausch können davon kalte Wandbereiche betroffen und Schimmel die Folge sein. Modernisierer sollten daher möglichst die Fenstersanierung und Wanddämmung koppeln.

Geförderte Investition

„Fenstersanierungen kosten ab 500 Euro je Einheit“, erklärt BHW Expertin Binder. Die Investition wird durch die KfW über das Programm „Energieeffizient Sanieren“ mit Zuschüssen oder günstigen Krediten gefördert. Es lohnt sich, gleich auch eine einbruchsichere Technik einzusetzen. Parallelabstell-Fenster etwa werden zum Lüften nicht gekippt, sondern nur geringfügig vom Rahmen wegbewegt. Versicherungen erkennen diese Technik als einbruch­sicher an.


Service Container: Wo lohnt die energetische Modernisierung am meisten?

Heizung und Warmwasser verursachen etwa 70 Prozent der Energiekosten in deutschen Haushalten. Eine energetische Sanierung sollte daher zunächst die Kosten für Heizung und warmes Wasser senken. Damit steigen auch Behag-lichkeit und Wohnqualität. Zudem wird die Bausubstanz geschützt und der Wert der Immobilie erhalten. Ist das Budget begrenzt, sollten Energiespar-Modernisierer die richtigen Prioritäten setzen. Wir stellen die einzelnen Maß-nahmen, ihre Kosten und Nutzen vor.

Heizungstausch

Steht die alte Heizung bereits länger als 30 Jahre im Keller, ist ein Wechsel zwingend erforderlich. Die Energieeinsparverordnung schreibt die Erneuerung aller vor 1988 installierten Heizkessel vor. Neue Heizanlagen benötigen weniger Brennstoff und ihre Pumpen bis zu 80 Prozent weniger Strom als alte Modelle. Der Austausch kann den gesamten Energieverbrauch einer Immobilie um bis zu 30 Prozent senken. Die Anschaffung eines modernen Heizkessels schlägt dabei mit mindestens 4.000 Euro zu Buche. Zusätzlich muss der Einbau durch eine Fachkraft bezahlt werden. Anlagen, die mit erneuerbaren Energien heizen, sind in der Anschaffung meist deutlich teurer als Gas- oder Ölheizungen. Dafür sind die Brennstoffkosten etwa einer umweltfreundlichen Pellet-Heizung stabiler und niedriger. Das kann sich langfristig rechnen! Wer auf erneuerbare Energien setzt und diese mit anderen energiesparenden Maßnahmen kombiniert, bekommt außerdem höhere staatliche Fördergelder von KfW und BAFA.

Wärmedämmung der Gebäudehülle

Maßgeblichen Einfluss auf den Energieverbrauch hat die Wärmedämmung der Gebäudehülle. Werden alle Bauteile gedämmt, kann der Eigentümer den Energiebedarf um die Hälfte reduzieren. Wichtig ist eine luftdichte Gebäudehülle – selbst die beste Dämmung verliert ihre Wirkung, wenn über undichte Stellen Wärme unkontrolliert nach außen gelangt! In der Regel ist die sogenannte Einblasdämmung die kostengünstigste und schnellste Dämmmethode. Ein großer Vorteil: es müssen keine Wände oder Böden aufgerissen werden. Stattdessen werden kleine Löcher in bestehende Hohlräume gebohrt, welche durch eine Einblasmaschine mit einer dämmenden Masse gefüllt werden. Ein Nachteil der Einblasdämmung ist, dass die Dämmschichtdicke von den bestehenden Hohlräumen abhängt. Mit dieser Methode wird ein Haus in der Regel in nur ein bis zwei Tagen wärmegedämmt. Die Kosten liegen zwischen 15 und 70 Euro pro Quadratmeter. Der Arbeitsaufwand für ein so-genanntes Wärmedämmverbundsystem (WDVS) ist hingegen deutlich höher. Für die mehrschichtige Konstruktion zur Dämmung von Gebäudeaußenwänden fallen Kosten von 50 bis 180 Euro pro Quadratmeter an. Ein WDVS lohnt sich vor allem dann, wenn sowieso eine Sanierung der Hausfassade ansteht. Die KfW vergibt für nachträgliche Wärmedämmungen höhere Bezuschussungen, wenn diese zum Beispiel mit dem Einbau einer Lüftungsanlage kombiniert werden. So wird auch die Schimmelbildung verhindert.

Wärmelecks schließen: Keller und Dach

Für den Energie- und Geldsparer kann die Dämmung der Kellerdecken eine gute Wahl sein, denn Eigentümer können die Sanierungsmaßnahme auch in Eigenregie einbauen. Bei Feuchtigkeit im Keller muss jedoch unbedingt eine Fachfirma beauftragt werden. Mindestens zwölf Zentimeter dick sollte die Dämmung sein, dann sinken die Heizkosten um bis zu 10 Prozent. Und auch der Wohnkomfort im Erdgeschoss verbessert sich merklich. Das Material für die Kellerdeckendämmung kostet rund 15 Euro pro Quadratmeter.

Ganz oben im Haus droht ebenfalls ein gefährliches Wärmeleck: ein nicht ausgebauter Dachboden. Ohne Dämmung würde der ungenutzte Dachraum ständig mit-geheizt werden. Auch die Isolierung der obersten Geschossdecke kann der Modernisierer ggf. eigenhändig umsetzen. Wer diese lückenlos mindestens 14 bis 18 Zentimeter dick dämmt, spart auch hier ordentlich. Die deutsche Energieagentur (dena) rechnet vor, dass sich die Heizkosten bei einem gut gedämmten Dach um rund 600 Euro pro Jahr reduzieren können. Die KfW bezuschusst Kellerdecken- und Dachbodendämmung – auch wenn diese in Eigenregie durchgeführt wird.

Beratung zahlt sich aus

Wer umfassendere Maßnahmen plant, sollte sich im Vorfeld professionell beraten lassen. Selbst umfangreiche Sanierungen können sich in übersichtlichen Zeiträumen amortisieren – vor allem dann, wenn staatliche Zuschüsse bereitstehen. Das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) zeichnet für den Bereich der Erneuerbaren Energien verantwortlich, die KfW-Bank unterstützt bei energetischen Sanierungen. Um Fördergelder zu bekommen, ist die Beratung durch einen Experten für Energieeffizienz Voraussetzung. Der Experte muss auch die fachgerechte Durchführung bescheinigen. bzw. die Abnahme. Zudem muss der Antrag vor dem Beginn der Maßnahmen gestellt werden. Wer kleinere Maßnahmen in Eigenregie durchführen möchte, sollte vorher prüfen, ob der Förderantrag wirklich lohnt. Denn die Auflagen für eine staatliche Förderung, wie zum Beispiel die Einschaltung eines Energieberaters, können die Kosten in die Höhe treiben. Wer sich nicht im Förderdschungel verirren will und die Finanzierung im Auge behalten will, sollte auch mit seiner Bank oder Bausparkasse sprechen. So lässt sich nicht nur Energie, sondern auch bares Geld sparen.

Kontakt

Iris Laduch-Reichelt

Iris Laduch
Pressesprecherin
iris.laduch@postbank.de
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