Neue Hausfassaden für den Klimaschutz

Aus Ausgabe 3/2020

Die Gestaltung der Hausfassade ist weit mehr als eine optische Frage. Steuerbare Solarfassaden und integrale Systeme für mehr Energieeffizienz werden immer wichtiger. Staatliche Förderung inklusive. Immer beliebter sind auch Hausfassaden aus recycelbaren Naturmaterialien.

Attraktiv: der Bungalow – gebaut nach anspruchsvollen Energiestandards
Bild Nr. 6394, Quelle: Schwörerhaus / Jürgen Lippert / BHW Bausparkasse

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Holz, Ziegel, Lehm, Klinker, Putz – Bauherren haben die Wahl, wie sie das Gesicht des Hauses gestalten, ob einladend wohnlich oder puristisch kühl. Auch die Sanierung von Altbauten umfasst meist ein „Lifting“ der Fassade. Machart, Farbe, Oberflächenstruktur und die gesetzlich vorgeschriebenen Dämmeigenschaften geben dabei den Ton an. Die äußere Schutzmauer soll Unwettern trotzen, Wärme- und Kälte isolieren, den Schall abwehren und nachhaltig wie pflegeleicht sein.

Neue Fassaden braucht das Land

Rund 40 Prozent beträgt der Anteil von Gebäuden am gesamten Energieverbrauch in Deutschland. „Energetische Parameter beeinflussen mehr denn je den Hausbau“, erläutert Thomas Mau von der BHW Bausparkasse. „Neue Techniken und Methoden zielen darauf, die Fassade als Energieproduzenten zu nutzen und Häuser so zu eigenen Kraftwerken aufzuwerten.“ Für den privaten Wohnungsbau werden innovative Verfahren entwickelt, die Fassaden als Solar-Lieferanten einsetzen. Im Fertighausbereich beispielsweise gibt es heute schon Technikfassaden, die langfristig darauf zielen, den gesamten Energiebedarf eines Hauses zu decken. Ausgestattet mit selbst regulierenden Wärme- und Sonnenschutzsystemen, die sich wechselnden Licht- und Klimaverhältnissen anpassen.

Das nachhaltigste Reihenhaus der Welt

Studenten der Universität Delft in den Niederlanden haben jüngst das „Nachhaltigste Reihenhaus der Welt“ entwickelt. Sie überzogen das Haus mit einer Art zweiten Haut, über die es Solarenergie aufnimmt, um damit seinen Energiebedarf zu decken. Sie erhielten dafür den 1. Preis beim Solar Decathlon, dem wichtigsten europäischen Nachwuchs-Wettbewerb für ökologisches Bauen.

Alles nur Fassade?

In Zeiten schwindender Ressourcen und steigender Energiepreise zielen moderne Dämmsysteme darauf, die Außenfassade von Gebäuden als Energielieferanten einzusetzen. Das Potenzial der Fassade ist groß. Energieberater informieren bei Bedarf, welche Möglichkeiten und staatlichen Förderungen es für Bauwillige und Modernisierer heute schon gibt. Hier ein Überblick über Fassadenarten und -Eigenschaften.

  • Die Putzfassade ist die am häufigsten verwendete Fassadenart in Deutschland. Wärmedämmputze weisen sehr gute bauphysikalische Eigenschaften auf, müssen aber auch gut gepflegt werden. Beim Anstrich sind Farben zu vermeiden, die Biozide enthalten. Sie belasten Erdreich, Gewässer und Grundwasser.
  • Gelb- oder Rotklinkerfassaden bieten als Zwei-Schalen-System selbst Extremwetterlagen die Stirn. Sie sind dabei äußerst langlebig und nahezu wartungsfrei.
  • Holzfassaden sind ökologisch vielseitig und dauerhaft. Der nachwachsende Naturstoff reduziert den Kohlendioxid-Ausstoß und schont die Umwelt bereits in der Produktion. Holz ist umweltfreundlich und später problemlos recycelbar.
  • Ziegelfassaden überzeugen ökologisch und wirtschaftlich. Ziegel sind regional verfügbar, schadstoffarm und beeinflussen das Raumklima positiv – etwa durch ihre Fähigkeit, Feuchtigkeit auszugleichen. Sie werden aus den natürlichen Rohstoffen Lehm und Ton hergestellt und oft regional gefertigt.
  • Photovoltaik-Fassade – PV-Glasmodule im Einfamilienhausbereich eingesetzt – gelten als ästhetisch anspruchsvolle, integrierte Fassadenanlage. Ziel ist es, den Bedarf an Primärenergie für den Betrieb eines Gebäudes auf ein Minimum zu senken – im Idealfall sogar bis auf null.

Kontakt

Iris Laduch-Reichelt

Iris Laduch
Pressesprecherin
iris.laduch@postbank.de
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