Politische Initiative gefragt

Aus Ausgabe 3/2017

Das Ergebnis einer neuen Umfrage der BHW Bausparkasse ist eindeutig: 89 Prozent der Bundesbürger wollen, dass die Politik Familien mit Kindern beim Immobilienkauf oder Bau der eigenen vier Wände stärker unter die Arme greift.

Dr. Jörg Koschate, Generalbevollmächtigter der BHW Bausparkasse
Bild Nr. 6063, Quelle: BHW Bausparkasse

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Wunsch und Wirklichkeit

Dabei scheinen die Rahmenbedingungen für den Weg in die eigenen vier Wände für Familien derzeit eigentlich ideal zu sein: Die Bauzinsen sind günstig wie selten zuvor, die Arbeitslosenquote ist niedrig, die Einkommen steigen. Und doch können sich immer weniger Familien ein Eigenheim leisten. Das gilt – zwar vor allem – aber nicht nur für die Ballungsräume und Großstädte, wo die Immobilienpreise die Einkommen von Familien und Normalverdienern längst weit abgehängt haben.

Vorsorgen und genießen

Hierbei geht es übrigens nicht um ein Luxusproblem, sondern auch um die Verhinderung von Altersarmut in Zeiten unsteter Beschäftigung und steigender Mieten. Denn Wohn­eigentum ist die einzige Form der Altersvorsorge, die man schon in jungen Jahren nutzen und genießen kann. Mietfreies Wohnen im Alter ist umso wichtiger, je geringer das Einkommen während der Erwerbszeit und damit die staatliche Geldrente sind.

Sparen und Werte schaffen

Doch die eigenen vier Wände dürfen kein Privileg Besserverdienender sein, auch weil die entsprechenden Sparanstrengungen die beste Voraussetzung für einen Ver­mögensaufbau sind. Denn an einem zweckgerichteten Vorsparen, zum Beispiel mit einem Bausparvertrag, führt bei der Wohneigentumsbildung kein Weg vorbei. Wohneigentumspolitik ist für mich ganz klar auch Politik für Familien, weil das eigene Haus oder die Wohnung optimale Entfaltungsmöglichkeiten für Kinder bieten und einen bleibenden Wert schaffen, der auch vererbt werden kann.

Worte und Taten

Klar ist: Wir brauchen mehr Eigenheime, die für Familien und Normalverdiener finanzierbar sind. Und wir brauchen eine effektivere Förderung, die über die bisherigen Möglichkeiten hinausgeht. Deshalb ist jetzt die Politik gefragt, hier zeitnah gegenzusteuern. Ob es nun eine speziell auf Kinder zugeschnittene Förderung, wie ein „Baukindergeld“, eine verbesserte Ansparhilfe, eine Begrenzung der hohen Baunebenkosten oder eine steuerliche Komponente ist – Initiative ist gefragt; am besten mit einem kombinierten Maßnahmen-Mix. Bleibt zu hoffen, dass die Parteien sich eine neue und möglichst unbürokratische Bauförderung für Familien nicht nur im aktuellen Wahlkampf auf die Fahnen schreiben, sondern dem frommen Wunsch endlich auch Taten folgen lassen.


Gewusst wie: So können Baufamilien richtig sparen

Das Eigenheim ist ein Meilenstein. Junge Familien können sich den Weg ins Wohneigentum mit attraktiven Förderungen vereinfachen. Zu beachten: Manche Förderprogramme sind kombinierbar, andere dagegen nicht. Die BHW Bausparkasse zeigt, welche Chancen sich Baufamilien nicht entgehen lassen sollten.

Bundesländer

Die Bundesländer unterstützen Familien mit zinsgünstigen Darlehen oder Zuschüssen. Diese werden meist über die Landesbanken oder Landestreuhandstellen abgewickelt. Bauherren sollten in ihrem jeweiligen Bundesland prüfen, welche Bauvorhaben in welcher Form gefördert werden. Wer auf innovative Energiesysteme setzt, den locken zusätzliche landesweite Aktionen und Kampagnen. Je nach Bundesland sind häufig unterschiedliche Ministerien für die diversen Förderprogramme zuständig. Zeit in die Recherche zu investieren, zahlt sich jedoch aus. Denn Unterstützung bietet fast jedes Bundesland – für Familien mit kleinen Kindern liegen die Karten besonders günstig.

Beispiel Niedersachsen

Um Familien den Weg ins Eigenheim zu erleichtern, bietet die Investitions- und Förderbank Niedersachsen (NBank) Förderprogramme an, die sich speziell an Haushalte mit mindestens zwei Kindern richten. Grundsätzlich förderfähig sind neugebaute Einfamilienhäuser (inkl. Reihenhaus oder Doppelhaushälfte), der Kauf einer Immobilie (in Verbindung mit einer Modernisierung) sowie altersgerechte bzw. barrierefreie Umbauten – vorausgesetzt die jeweilige Immobilie wird über mehrere Jahre selbst genutzt. Die Förderung umfasst dabei ein zinsloses, ab dem elften Jahr zinsgünstiges Darlehen, dessen Höhe von der Anzahl und dem Alter der zugehörigen Kinder abhängt. So erhält eine Familie mit zwei Kindern im Alter unter 15 Jahren für einen Neubau eine Grundförderung in Höhe von 40.000 Euro. Hinzu kommt eine Kinderzulage, die ab dem dritten Kind 10.000 Euro beträgt.

Die Förderzusage ist an folgende fünf Vorgaben gebunden: 1. Die definierte Einkommenshöchstgrenze wird nicht überschritten, 2. die derzeitigen Wohnverhältnisse der Antragsteller sind unzureichend, 3. die Anträge werden vor Baubeginn (Unterschrift Kauf- und/ oder Bauvertrag) gestellt, 4. ein Eigenkapitalanteil von 15 Prozent der Gesamtkosten fließt in die Finanzierung ein und 5. die aus der Hausfinanzierung resultierende Belastung ist für die Bauherren dauerhaft tragbar. Ein Rechtsanspruch auf Förderung besteht nicht.

Beispiel Nordrhein-Westfalen

Das Bundesland Nordrhein-Westfalen fördert Haushalte mit mindestens einem Kind beim Ersterwerb von Wohneigentum mit zinsgünstigen Baudarlehen. Allerdings gilt diese Förderung nur in bestimmten Kommunen mit einem hohen oder überdurchschnittlichen Wohnraum-Bedarf. Für den Erhalt des Baudarlehens dürfen außerdem bestimmte Einkommensgrenzen nicht überschritten werden. Liegen jedoch besondere Verhältnisse im Haushalt vor, kann ein Antragsteller auch bei Überschreitung der Einkommensgrenze ein Darlehen erhalten. Die Voraussetzungen für die Bewilligung eines Darlehens variiert je nach Wohnort. Am besten informieren sich Bauwillige deshalb vorab beim „Chancenprüfer Wohneigentum“ der NRW Bank, ob ihnen ein Baudarlehen zusteht. Beispiel: Ein Paar mit zwei Kindern und einem Jahreseinkommen von 40.000 Euro würde für den Bau oder Kauf eines Eigenheimes in Aachen bis zu 128.000 Euro Förderdarlehen bekommen. Baut die Familie ein barrierefreies Haus, wäre das Darlehen noch 10.000 Euro höher. Häuslebauer sollten sich am besten direkt an die örtlich zuständige Bewilligungsbehörde wenden und sich dort beraten lassen.

Kommunen

Über 730 Städte und Gemeinden unterstützen den Bau des Eigenheims – dabei stehen besonders junge Familien mit Kindern im Fokus der Förderaktivitäten. In Celle etwa wird Familien der Erwerb von städtischen Grundstücken erleichtert. Für das erste und zweite Kind gibt es hier auf je 100 Quadratmeter Baufläche einen Preisnachlass von 50 Prozent und einen kostenlosen Obstbaum für den Garten noch dazu. Wer nach Freiburg zieht und dort eine Immobilie baut oder kauft, bekommt einen dreiprozentigen Zinszuschuss über zehn Jahre. Das hessische Fulda reduziert in speziellen Baugebieten die Grundstückskosten prozentual abhängig von der Kinderzahl und lockt mit einer kostenlosen Regenwasserzisterne. Einen ganz ähnlichen Ansatz verfolgt man auch im fränkischen Schweinfurt.

Die niedersächsische Stadt Göttingen vergibt zinsgünstige Baukredite in Höhe von 15.000 Euro bei Neubauten und 7.500 Euro beim Wohnungskauf. Beide Angebote werden noch erhöht, wenn Kinder vorhanden sind. Möchte man in Dortmund ein Haus im Energiestandard „Energieeffizienzhaus 70“ bauen, wird der Erwerb städtischer Grundstücke einkommensabhängig mit einem zinslosen Darlehen von bis zu 10.000 Euro für jedes zum Haushalt gehörende Kind unter 18 Jahren bis zu einer Höhe von maximal 40.000 Euro unterstützt.

KfW Förderung

Die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) fördert den Erwerb von selbstgenutztem Wohneigentum. Bis zu 50.000 Euro Kredit gewährt sie für den Bau oder Kauf eines Eigenheims. Dieser Kredit ist mit anderen Förderprodukten der KfW kombinierbar. Ein Förderschwerpunkt liegt im Bereich energieeffizient Bauen. Familien, die einen Neubau nach KfW-Effizienzhaus Standard planen, energetisch sanieren oder modernisieren möchten oder eine Wohnung oder Immobilie kaufen möchten, die bestimmten Energie-Standards entspricht, können bisweilen gleich mehrere Förderprogramme in Anspruch nehmen.

Energieeffizient Bauen und Sanieren

Für den Bau oder Kauf eines Hauses, das den Standard eines KfW Effizienzhauses erfüllt, bekommen Baufamilien ein zinsgünstiges Darlehen sowie Tilgungszuschüsse. Beim Neubau sind der KfW-Effizienhaus Standard 40, 40 Plus oder 55 förderfähig. Wie Häuslebauer oder Käufer den jeweiligen Standard planen oder feststellen können, erläutert die KfW auf ihren Internetseiten. Einen Sonderzuschuss gibt es für die Planung und Baubegleitung durch einen Experten für Energieeffizienz. Die Kosten für den Experten werden mit 50 Prozent und bis 4.000 Euro pro Vorhaben bezuschusst. Weitere Infos unter https://www.kfw.de/inlandsfoerderung/Privatpersonen/Neubau/Das-KfW-Effizienzhaus/

Zusätzlich zur Kreditvariante bietet die KfW eine Zuschussvariante an. Danach werden Einzelmaßnahmen mit zehn Prozent der förderfähigen Investitionskosten bis maximal 5.000 Euro pro Wohneinheit gefördert. Für den Standard „Altersgerechtes Haus“ gibt es 12,5 Prozent bis maximal 6.250 Euro. Weitere Informationen unter: www.kfw.de/barrierereduzierung

Arbeitgeberdarlehen

Auch der Arbeitgeber kann bei der Finanzierung des Eigenheims aushelfen – mit dem sogenannten Arbeitgeberdarlehen (auch Mitarbeiterdarlehen). Viele Kreditinstitute oder große Unternehmen wie Bayer oder SAP bieten dieses grundsätzlich an. Das Darlehen ist jedoch freiwillig; Unternehmen sind nicht dazu verpflichtet, es zu gewähren. Wer die Möglichkeiten prüfen möchte, sollte die Personalabteilung ansprechen. Vorteil: Das Arbeitnehmerdarlehen zählt zu den günstigsten Krediten, da viele Unternehmen ihren Mitarbeitern zinsgünstige oder sogar zinsfreie Darlehen gewähren. Zur Absicherung für beide Seiten sollte ein Vertrag die Höhe des Darlehens, die Rückzahlungsmodalitäten und Verzinsung schriftlich festlegen.

Wohn-Riester

Die Riester-Variante mit Immobiliensparen zahlt sich für Familien mit Kindern besonders aus. 2018 wird das Wohn-Riestern nun noch attraktiver. Die Grundzulage steigt von 154 auf 175 Euro – bei gleichbleibend hohen Kinderzulagen. Am beliebtesten bleibt die Kombination mit einem Bausparvertrag. In den zahlt der Sparer vier Prozent seines Bruttoeinkommens des jeweiligen Vorjahres ein. Dabei fällt der Eigenanteil bei Familien mit Kindern deutlich geringer aus, denn die Zulagen werden zunächst abgezogen. Für Nachwuchs, der ab 2008 geboren wurde, erhalten Familien jährlich 300 Euro Zulagen. Für ältere Kinder gibt es immerhin 185 Euro.

Kontakt

Iris Laduch-Reichelt

Iris Laduch
Pressesprecherin
iris.laduch@postbank.de
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