Smart Home: Im Alter selbstbestimmt leben

Aus Ausgabe 3/2018

Rund drei Viertel der über 65-Jährigen möchten in den eigenen vier Wänden alt werden – selbst dann, wenn sie Pflege benötigen. Moderne Technik kann wertvolle Unterstützung und Sicherheit bieten.

Neue Assistenzsysteme erleichtern den Wohnalltag
Bild Nr. 6247, Quelle: WeberHaus/BHW Bausparkasse

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Das Licht per Sprachbefehl einschalten, Jalousien mit der Fernbedienung hochfahren oder auf einem Display sehen, wer an der Tür klingelt und diese per Knopfdruck öffnen – die Smart- Home-Technologie kann besonders für Menschen in fortgeschrittenem Alter mit Bewegungseinschränkungen eine große Erleichterung bedeuten. Die intelligenten Hilfssysteme werden unter dem Fachbegriff „Ambient Assisted Living“ (altersgerechte Assistenzsysteme für ein selbstbestimmtes Leben), kurz AAL, zusammengefasst.

Keine Angst vor Technik

AAL ist auch für weniger technikaffine Senioren ausgelegt und intuitiv bedienbar. Wird eine Wohnung saniert oder barrierefrei umgestaltet, sollten die neuen Assistenzsysteme am besten gleich mit integriert werden. Lösungen, die alle Smart-Home-Komponenten vereinen, sorgen für mehr Überblick und Bedienfreundlichkeit. „Bei altersgerechten Modernisierungen sollte man sich für ein Komplettpaket entscheiden, das über eine zentrale Steuerung aller verknüpften Elemente verfügt“, so Andreas Menkens von der BHW Bausparkasse. „Dann können je nach Bedarf später weitere Geräte hinzugefügt werden.“

Ein Assistent für alle Fälle

Die Palette der Möglichkeiten reicht von Herdplatten, die sich selbst abschalten, über höhenverstellbare Waschbecken bis hin zu Spezialteppichen für Sturzerkennung. Die Kosten sind je nach Umfang fünfstellig. Gut zu wissen: Umfangreiche Modernisierungen für Barrierefreiheit werden von der KfW bezuschusst. Start-Pakete mit Sensoren und Hausnotruf sind schon für 150 bis 450 Euro erhältlich.


Was kann Smart Home? Ein Überblick

Der Smart Home Markt wächst beständig. Immer mehr Menschen möchten die Vorteile der vernetzten Haustechnik nutzen: Mehr Komfort, mehr Sicherheit und weniger Energieverbrauch. Die BHW Bausparkasse stellt die beliebtesten Smart Home Technologien vor und zeigt auf, welche Lösungen sich für welche Zwecke eignen.

Energiesparen und Wohngesundheit

Ein Zuhause mit idealer Raumtemperatur und Luftqualität steigert das Wohlbefinden und beugt Erkältungen wie auch Allergien vor. Smart-Home-Technologien helfen, das Wohnklima im Auge zu behalten. Sie erinnern ans Lüften, sobald zu wenig Sauerstoff vorhanden ist. Einige übernehmen das Lüften sogar selbst, z. B. durch eine automatisierte Fensterkippung oder eine angeschlossene Wohnraumlüftung. Vernetzte Befeuchter und Luftfilter sorgen für die optimale Luftfeuchtigkeit, filtern Schadstoffe aus der Luft und verhindern somit Schimmelbildung. Smarte Heizthermostate stellen die voreingestellte Temperatur in allen Räumen für die jeweilige Tageszeit sicher. Beim Lüften senken sie zwecks Energieeinsparung automatisch die Temperatur.

Licht fördert Wohnqualität

Auch das ideale Licht ist für ein gesundes Wohnen essenziell. Intelligente Beleuchtungssysteme passen sich den Bedürfnissen ihrer Nutzer an und sorgen so zum Beispiel für konzentrationsförderndes Licht am Tag sowie eine entspannende Beleuchtung am Abend. Moderne Produkte stellen außerdem sicher, dass möglichst wenig Energie verschwendet wird, indem sie automatisch das Licht löschen, sobald die letzte Person den Raum verlässt. Mithilfe von Sensoren produzieren sie nur so viel Licht, wie zur Ergänzung der jeweiligen Sonneneinstrahlung notwendig ist.

Sicherheit schaffen

Smart-Home-Technologien schützen den Wohnraum besser vor Einbrechern. Neue Sicherheitssysteme ergänzen die wichtige mechanische Grundsicherung durch Türschlösser, Fensterriegel oder Garagentore. Versucht jemand, ein Fenster oder eine Tür aufzubrechen, erkennen das die Systeme und benachrichtigen eine Alarmzentrale, wodurch ein akustisches Signal im Haus ausgelöst wird. Smarte Bewegungsmelder bieten zusätzlich Schutz. Oft schreckt es Einbrecher ab, wenn sie die Dunkelheit nicht mehr nutzen können. Besonders bei längeren Abwesenheiten können Smart-Home-Technologien die Einbruchsicherheit erhöhen. Dank vernetzter Überwachungskameras haben Besitzer ihr Haus per Smartphone oder Tablet im Blick und werden informiert, sobald ein Alarm ausgelöst wird. Durch eine automatisierte Licht-, Rollladen- oder Soundanlagensteuerung, können Urlauber Anwesenheit simulieren.

Doch auch möglichen Haushaltsgefahren wie Bränden oder Rohrbrüchen wollen Smart-Home-Anbieter entgegenwirken. Intelligente Rauch- und Wassermelder schlagen im Fall der Fälle Alarm. Große Wasserschäden können so frühzeitig entdeckt werden – auch wenn die Bewohner nicht zu Hause sind. Im Fall eines Brandes gibt das Smart Home nicht nur einen akustischen Alarm ab, sondern beleuchtet auch die Rettungswege.

Auch die Sicherheit von Kindern kann von Smart-Home-Anwendungen unterstützt werden. Smart Watches zum Beispiel sorgen dafür, dass Eltern immer wissen, welches Kind sich wo aufhält. Kindersicherungen mit einer verknüpften Alarmanlage benachrichtigen die Eltern, wenn ein Kind beispielsweise das Gartentor oder den Putzmittelschrank öffnen will.

Barrierefreiheit garantieren

Ein sicheres Zuhause mit möglichst wenigen Barrieren ist besonders für ältere und mobilitätseingeschränkte Bewohner wichtig. Smart-Home-Technologien können die Barrierefreiheit und den Komfort von Wohnräumen erhöhen – durch bequem steuerbare und automatisierte Haustechnik sowie Haushaltsgeräte. Ein vergessener Herd etwa schaltet sich automatisch aus, eine Beleuchtung via Bewegungsmelder kann Stürze im Dunkeln verhindern helfen. Auch Angehörige von pflegebedürftigen Personen bekommen von smarten Funktionen Unterstützung: Die Bewegungsmelder verzeichnen Unregelmäßigkeiten im Verhalten der Bewohner. Bleibt der Bewegungsmelder unausgelöst, informieren die Systeme darüber. Ist eine Person beispielsweise gestürzt oder bewusstlos, können Angehörige oder Nachbarn so schnell nach dem Rechten sehen.

Planen und Organisieren

Smart-Home-Technologien übernehmen viele Aufgaben im Haushalt und machen den Status quo jederzeit einsehbar – auch von unterwegs: Was muss ich einkaufen? Sind die Kinder schon zuhause? Ein smarter Kühlschrank erleichtert das Einkaufen und beugt Lebensmittelverschwendung vor, indem jederzeit per Smartphone eingesehen werden kann, was noch vorhanden ist. Außerdem informieren die Modelle, wenn das Haltbarkeitsdatum eines Lebensmittels erreicht wurde. Mit den neusten Kühlschränken kann das Einkaufen sogar ganz wegfallen. Fehlende Lebensmittel lassen sich über ein Display am Gerät oder eine App einfach online nachbestellen.

Sprachassistenten machen die Bedienung des Smart Homes komfortabel und helfen bei der Organisation des Wohnalltags. Nutzer können vom Sofa aus die Beleuchtung ändern, die Musikanlage steuern, Anrufe oder Internetbestellungen tätigen. Davon profitieren auch mobilitätseingeschränkte Menschen. Für viele Funktionen der neuesten Smart Homes ist nicht mal mehr ein Sprachbefehl nötig: Sie können so voreingestellt werden, dass etwa durch das Klingeln des Weckers automatisch das Licht im Schlafzimmer angeht und der Kaffeeautomat startet. Intelligente Systeme nutzen außerdem die GPS-Daten von Smartphones und bereiten das Haus vor, wenn ein Bewohner sich diesem nähert – bringen es beispielsweise auf seine bevorzugte Temperatur.

Welche Optionen für wie viel Technik?

Wer sich für Smart Home interessiert, sollte zuerst entscheiden, ob das ganze Haus intelligent vernetzt und gesteuert oder nur einzelne Bereiche mit smarten Funktionen ausgestattet werden sollen. Wer sich die Option offenhalten will, sein System später nachzurüsten, sollte unbedingt auf ein sogenanntes offenes System setzen, das mit Produkten anderer Smart-Home-Hersteller kompatibel ist.

Einen leichten Einstieg bieten fertig geschnürte Smart-Home-Pakete, die von vielen Herstellern schon für kleines Geld angeboten werden. Sie zeichnen sich vor allem durch ihren einfachen Einbau, leichte Integration in den Haushalt sowie durch unkomplizierte Konfiguration aus. Die meisten Starter-Pakete können problemlos ohne bauliche Veränderungen genutzt werden. Auf Wunsch bieten Hersteller zudem einen Installationsservice an, den wenig technikaffine Kunden gegen einen Aufpreis in Anspruch nehmen können. Viele Pakete sind erweiterbar. So kann man bei Bedarf nachrüsten. Die günstigen Einsteiger-Pakete eignen sich aber nicht, wenn ein ganzes Haus vernetzt und gesteuert werden soll.

Hausbesitzer, die die smarte Technologie nur in bestimmten Bereichen – z. B. im Garten oder zur Einbruchsicherheit – nutzen möchten, sollten sich im Internet oder beim Fachhändler nach der für sie angemessensten Lösung kundig machen. Hilfestellungen für die Wahl des passenden Herstellers und Produktes bieten auch Zertifizierungen, zum Beispiel vom TÜV, sowie Online-Vergleichsplattformen oder Testberichte in Fachzeitschriften.

Wer komplett smart wohnen möchte, sollte beim Bauen oder Modernisieren auf eine umfassende Vernetzungstechnik setzen. Im Neubau bietet sich eine verkabelte Lösung an, die durch eine geringe Störungsanfälligkeit und sehr schnelle Datenübertragung punktet. Bei bestehenden Bauten ist eine Verkabelung meist zu aufwendig und teuer – sie lohnt sich nur, wenn sowieso eine große Renovierung ansteht. Dafür kommen auf Funk oder das Stromnetz basierende Systeme infrage, die jedoch störungsanfälliger sind. Ein auf Strom basiertes System ist zudem nicht zur Datenübertragung über große Distanzen geeignet. Möglich sind auch Systeme, die Funk und Strom kombinieren. Hausbesitzer sollten sich ausführlich bei einem Elektroplaner mit guten Referenzen darüber informieren, welches Übertragungssystem für ihr Haus und ihre Bedürfnisse das beste ist.

Datensicherheit und Kontrolle

Wer smart wohnt, speist jede Menge persönliche Daten in die Systeme ein. Doch wie sicher sind die gängigen Technologien vor Hacks und unerwünschter Fremdnutzung? Grundsätzlich gibt es kein zu 100 Prozent sicheres System. Doch wer sich sorgfältig über Sicherheitsmaßnahmen informiert und sich ggf. von Experten beraten lässt, kann das Risiko minimieren. Immobilienbesitzer wählen am besten Produkte mit vertrauensvoller Zertifizierung, zum Beispiel dem TÜV Trust IT Zertifikat. In jedem Fall sollten Smart-Home-Nutzer die Sicherheitshinweise der Hersteller lesen und beachten. Bei allen digitalen Geräten gilt es, regelmäßige Sicherheitsupdates durchzuführen und Virenschutzprogramme sowie Firewalls zu installieren. Bei der Smart-Home-Steuerung über Handy oder Tablet sollten Nutzer sicherstellen, dass keine anderen Apps Zugriff auf die Daten des smarten Wohnraums haben. Dies kann in den Einstellungen des Smartphones angepasst werden. Das „BSI für Bürger“ bietet eine kostenlose Beratung zur sicheren Einrichtung und Nutzung von Computer, Smartphone und WLAN an. Wer den Installationsservice eines zertifizierten Smart-Home-Herstellers in Anspruch nimmt, geht auf Nummer sicher. Die Fachfirmen machen den Sicherheitscheck und sorgen für die richtigen Einstellungen.

Fördermöglichkeiten für Smart Home

Die KfW-Bank fördert gewisse smarte Technologien mit zinsgünstigen Krediten oder Zuschüssen. Mit dem Programm „Altersgerecht Umbauen“ unterstützt sie nachträglich eingebaute Smart-Home-Komponenten, die die Barrierefreiheit sowie die Sicherheit besonders für ältere Menschen erhöhen. Werden smarte Systeme im Rahmen einer energetischen Sanierung mit eingebaut, so kann das Programm „Energieeffizient Sanieren“ genutzt werden. Förderfähig sind dann vor allem smarte Funktionen, die ebenfalls die Energieeffizienz oder die Sicherheit erhöhen. Nicht förderfähig sind intelligente Unterhaltungs- und Endgeräte sowie Mobiliar. Die Förderanträge müssen unbedingt vor dem Beginn des Umbaus gestellt werden.

Kontakt

Iris Laduch-Reichelt

Iris Laduch
Pressesprecherin
iris.laduch@postbank.de
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