Wertpapiere: Krise als Chance

Aus Ausgabe 2/2020

Gehen die Börsenkurse auf Talfahrt, macht das viele Anleger nervös. Doch gerade in Krisenzeiten ist Besonnenheit gefragt, um finanzielle Verluste zu vermeiden. Eine Postbank Umfrage zeigt: Viele Anleger nutzen den Corona-Kursrutsch zu ihrem Vorteil.

Vor allem Anleger mit höherem Einkommen nutzten die Krise zum Einstieg ins Wertpapiergeschäft
Bild Nr. 1567, Quelle: Postbank
© Jochen Manz

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Mitte Februar notierte der DAX bei knapp 13.800 Punkten – ein historischer Höchststand. Innerhalb eines Monats verlor er durch die Folgen der Corona-Pandemie fast 40 Prozent an Wert und zählte am 23. März nur noch rund 8.700 Punkte. „In Krisenzeiten geraten viele Wertpapierbesitzer aus der Fassung und trennen sich von ihren Anteilen“, erklärt Katrin Chrambach von der Postbank. „Diese Reaktion auf einen Kursrutsch ist fatal, weil man die Verluste nur dann wirklich realisiert, wenn man die Aktien oder Fondsanteile tatsächlich verkauft.“ Laut einer repräsentativen Kantar-Umfrage im Auftrag der Postbank lösten vor allem Befragte mit einem vergleichsweise niedrigeren Haushaltsnettoeinkommen ihre Depotkonten auf. Die Zahl der Wertpapierbesitzer mit einem Einkommen von unter 2.500 Euro sank um knapp vier Prozentpunkte, von 22 Prozent im Juli 2019 auf 18 Prozent im April 2020. Von den Befragten, die aufgrund der Corona-Krise weniger oder gar nicht mehr sparen können, investieren lediglich acht Prozent Geld an der Börse; von denen, die ihr Sparverhalten nicht anpassen mussten, hingegen 34 Prozent.

Gunst der Stunde

„Auch wenn man krisenbedingt in einen finanziellen Engpass gerät, sollte man Wertpapierdepots nicht vorschnell auflösen und erst einmal weitere Optionen prüfen“, sagt Katrin Chrambach. „Lässt es die finanzielle Situation zu, kann ein Kurseinbruch sogar ein günstiger Zeitpunkt zum Einstieg oder Aufstocken der Anteile sein.“ Diese Strategie leisteten sich vor allem Deutsche mit höherem Einkommen, so die Postbank Umfrage: Unter den Befragten mit einem Haushaltseinkommen von über 2.500 Euro stieg der Anteil der Wertpapierbesitzer im Vergleich zu 2019 von 36 auf 41 Prozent; unter denen mit einem Einkommen von über 3.500 Euro sogar von 37 auf 45 Prozent. Dies spiegele auch die Zahl der Depoteröffnungen bei der Postbank während des Lockdowns wider; sie sei um 200 Prozent gestiegen, ergänzt Chrambach.

Langer Atem

Wer seine Aktien und Fondsanteile in der Krise hält oder aufstockt, darf nicht ungeduldig sein: „Eine Wertpapieranlage sollte immer langfristig ausgerichtet sein, um Kursschwankungen aussitzen zu können“, rät Katrin Chrambach. Bis sich die Kurse erholen, können Jahre vergehen. Zum Vergleich: Nach dem Platzen der „Dotcom-Blase“ Anfang der Nullerjahre dauerte es vier Jahre, bis der DAX das Niveau von vor der Krise erreicht hatte. Nach den Kursverlusten durch die Finanzkrise in 2007 erholte sich der DAX nach rund drei Jahren. Im Vorteil sind Anleger, die ihr Vermögen in unterschiedlichen Anlageklassen möglichst breit und weltweit streuen. „Sind die Gelder in Fonds und anderen Wertpapieren gut diversifiziert, kann man davon ausgehen, dass sich die Kurse mittel- bis langfristig wieder normalisieren“, meint die Postbank Expertin.

Informationen zu den Umfragen:

In telefonischen, repräsentativen Mehrthemenbefragungen interviewte Kantar Emnid im Auftrag der Postbank im Juli 2019 1.002 Befragte ab 16 Jahren und im April 2020 1.014 Befragte ab 16 Jahren.

Kontakt

Iris Laduch-Reichelt

Iris Laduch
Pressesprecherin
iris.laduch@postbank.de
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