Balanceakt: zwischen Schutz und Bevormundung

Aus Ausgabe PD Extra – Demenz

Immer wieder gelingt es Bankmitarbeitern, Betrugsversuche wie den Enkeltrick zu vereiteln und Senioren vor finanziellem Schaden zu bewahren. Um auf Verdachtsmomente angemessen zu reagieren, braucht es viel Feingefühl hinter dem Bankschalter.

Benötigt der Kunde Hilfe? Bankmitarbeiter müssen im Einzelfall entscheiden
Bild Nr. 1559, Quelle: Postbank
© Jochen Manz

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Die ältere Dame, die zum vierten Mal am Tag Geld abhebt, oder der betagte Herr, der sich seine gesamten Ersparnisse auszahlen lassen will: Benötigt die Dame unerwartet mehr Bargeld oder ist sie geistig verwirrt? Möchte der Herr ein Auto kaufen oder räumt er sein Konto im Auftrag einer kriminellen Bande leer? Die richtige Entscheidung zu treffen gleicht in so einer Situation für jeden Bankmitarbeiter einem Drahtseilakt: „Selbstverständlich möchte die Bank ihre Kunden vor finanziellen Nachteilen schützen, aber gleichzeitig nicht ihre Privatsphäre verletzen“, erklärt Anja Maultzsch von der Postbank. Die meisten Menschen wissen, dass im Alter die körperliche Fitness nachlässt. Dass auch die kognitiven Fähigkeiten schwächer werden, wie sie zum Beispiel für das Einschätzen fremder Menschen oder unbekannter Situationen notwendig sind, wissen viele dagegen nicht. Krankheiten wie Alzheimer oder vaskuläre Demenz verstärken diesen Effekt noch. Dies kann heikel werden, vor allem, wenn es um Geld geht. Die Schwächen älterer Menschen nutzen kriminelle Banden inzwischen systematisch aus, um mit perfiden Betrügereien hohe Geldsummen bei Senioren zu erbeuten. Die bekannteste Masche ist der Enkeltrick. „Wichtig ist, die Mitarbeiter in den Bankfilialen zu sensibilisieren und zu schulen, damit sie ungewöhnliche Situationen erkennen und wissen, wie sie damit umgehen sollten. Welche Reaktion angemessen ist, muss der Mitarbeiter immer im Einzelfall entscheiden“, meint die Postbank Expertin.

Kein Patentrezept

Erscheint beispielsweise ein älterer Mensch in Begleitung einer anderen Person in der Filiale, ist sichtlich aufgeregt und will eine größere Summe abheben, ist Misstrauen angebracht: Bankmitarbeiter sollten nach dem Verwendungszweck des Geldes fragen und den Kunden vorsichtig auf bekannte Betrugsmaschen ansprechen. Erhärtet sich der Verdacht, können sie die Auszahlung unter einem Vorwand verweigern und umgehend die Polizei informieren. „Bei aller Umsicht stößt das Urteilsvermögen der Filialmitarbeiterinnen und -mitarbeiter aber auch an Grenzen, da Anzeichen für Betrug oder Demenz nicht immer eindeutig erkennbar sind“, sagt Anja Maultzsch. Vorsorge zu treffen ist daher sinnvoll: Ist jemand beispielsweise an Demenz erkrankt, kann es hilfreich sein, wenn der Betroffene möglichst früh zusammen mit Angehörigen das Gespräch mit der Bank sucht, um gemeinsam Strategien für den Umgang mit der Krankheit zu entwickeln. „Praktikabel ist, dass eine Vertrauensperson per Bankvollmacht wichtige Bankgeschäfte übernimmt. Für den Erkrankten kann ein separates Konto mit begrenztem Budget für die alltäglichen Ausgaben eingerichtet werden. So bleibt Alltagskompetenz erhalten, aber finanzieller Schaden wird verhindert“, schlägt die Postbank Expertin vor.

Kontakt

Iris Laduch-Reichelt

Iris Laduch
Pressesprecherin
iris.laduch@postbank.de
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