Finanzen regeln – ohne Jawort

Aus Ausgabe 3/2015

Die Zahl der Paare, die auf einen Trauschein verzichten, steigt. Doch egal wie lange die Beziehung besteht – gesetzlich werden die Partner wie Fremde behandelt. Für den Fall der Fälle kann ein Vertrag regeln, wem was zusteht, und so unnötigen Trennungsstress vermeiden.

Auch eine Beziehung ohne Trauschein braucht verbindliche Regeln
Bild Nr. 1317, Quelle: Postbank
© Arne Trautmann

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Brautkleid, Standesamt und Ehering müssen nicht sein – das Leben zu zweit funktioniert auch ohne Trauschein. Wie aus dem Statistischen Jahrbuch für 2014 hervorgeht, leben knapp 16 Prozent aller Paare in einer "wilden" Ehe. Bei gut sieben Prozent der Familien mit mindestens einem Kind haben die Eltern auf eine Hochzeit verzichtet, und das sind mittlerweile doppelt so viele wie noch vor etwa 20 Jahren. Doch obwohl sie Tisch und Bett teilen, werden sie vom Gesetz wie Fremde behandelt. Bei Kauf-, Kredit- und Mietverträgen macht das Gesetz allerdings keinen Unterschied. Wenn ein Paar zum Beispiel eine Wohnung gemeinsam anmietet und sich trennt, müssen beide ihren Mietanteil weiterzahlen. Das Gleiche gilt auch für gemeinsame Anschaffungen oder Kredite. "Eine "wilde" Ehe bringt in vielen Bereichen die gleichen Pflichten, aber nicht die gleichen Rechte mit sich – auch bei Immobilien. Viele Paare, die den Gang zum Standesamt nicht antreten, sind sich darüber nicht im Klaren", sagt Frank Weigmann von der Postbank Immobilien GmbH. Einen rechtlichen Rahmen kann ein Partnerschaftsvertrag bilden – das Äquivalent zum Ehevertrag.

Dein, mein, unser

Ein solcher Vertrag kann etwa regeln, wie das gemeinsame Vermögen im Falle einer Trennung aufgeteilt wird: zum Beispiel welche Rahmenbedingungen für Gemeinschaftsdarlehen gelten und was mit einem Wertpapierdepot passieren soll, das ein Partner angelegt und in das der andere eingezahlt hat. Zwar muss ein Partnerschaftsvertrag nicht zwingend notariell beglaubigt werden, der Gang zum Experten lohnt sich dennoch. "Vor allem wenn es um eine große finanzielle Investition wie den Erwerb einer Immobilie geht, sollte man eine rechtliche Beratung in Anspruch nehmen. Denn sind die unterschiedlichen Kapitalbeteiligungen der unverheirateten Personen nicht im Grundbuch festgehalten, wird angenommen, dass das Eigentum den Parteien jeweils zur Hälfte gehört", erläutert Frank Weigmann. Auch die Erbverhältnisse können vertraglich geklärt werden, da der unverheiratete Partner ohne Testament oder Erbvertrag keinerlei Anspruch auf den Nachlass des Verstorbenen hat.

Kontakt

Iris Laduch-Reichelt

Iris Laduch
Pressesprecherin
iris.laduch@postbank.de
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