Schlussstrich unter die gemeinsamen Finanzen

Aus Ausgabe 2/2015

Eine Scheidung ist das Ende einer Ehe, aber nicht unbedingt das Aus für gemeinsame finanzielle Vereinbarungen. Wer endgültig getrennte Wege gehen will, muss die Bank- und Versicherungsverträge genau prüfen und eine individuelle Lösung finden.

Scheiden tut weh – erst recht, wenn es ums Geld geht
Bild Nr. 1310, Quelle: Postbank
© rido

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Auch wenn die Scheidungsrate in den vergangenen Jahren leicht rückläufig ist – die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass jede dritte Ehe innerhalb der nächsten 25 Jahre geschieden wird. Das geht aus Berechnungen des Bundesamtes für Statistik hervor. Wer sich das Jawort gibt, denkt in diesem Moment in der Regel nicht an Scheidungsstatistiken. Vielmehr gehen die meisten Paare davon aus, dass sie den Bund fürs Leben schließen. Und ein gemeinsames Leben heißt auch gemeinsame Konten, Bausparverträge und Versicherungen. "Die Scheidung als solche ändert an der Rechtsbeziehung zu einer Bank erst einmal nichts. Entscheidend sind die zwischen der Bank und dem Paar getroffenen vertraglichen Vereinbarungen und diese müssen im Einzelnen betrachtet werden", teilt der Bundesverband deutscher Banken mit. Das heißt im Klartext, dass Gemeinschaftskonten und Kontovollmachten erst einmal so lange weiterlaufen, bis die Bank informiert wird. Auch wenn es schwerfällt – in der Trennungsphase regeln sich finanzielle Absprachen nicht von selbst. "Die Partner sollten sich als Erstes einen Überblick über sämtliche Konten, Versicherungen und Depots verschaffen und die Verträge prüfen", rät Katharina Freudenhammer von der Postbank. Wer hat welche Vollmachten? Wer ist wobei begünstigt? Wer bürgt gegebenenfalls per Vertrag für welchen Kredit?

Bild Nr. 1309, Quelle: Postbank

© Lisa Wahman

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Einzel- oder Gemeinschaftskonto?

Haben die Ehepartner Einzelkonten, bei denen jeder für das Konto des anderen über eine Vollmacht verfügt, kann diese jederzeit vom Kontoinhaber widerrufen werden. Wenn die Ehepartner ein sogenanntes "Und-Konto", also ein Gemeinschaftskonto eingerichtet haben, geht das nicht so einfach. Hier kann die gemeinsame Verfügungsbefugnis nur in beiderseitigem Einverständnis aufgehoben werden. "Solange die Vollmachtsituation nicht geklärt ist, ist es ratsam, die Kontobewegungen zu beobachten und die Kontoauszüge zu archivieren", erklärt Katharina Freudenhammer von der Postbank. Sollte etwa ein Partner während der Trennungsphase höhere Summen abheben, kann das bei der Frage nach dem Unterhalt berücksichtigt werden. Bei Depots und Fondssparplänen ist die Situation ähnlich. Bei Lebensversicherungen und Bausparverträgen kommt es darauf an, was beim Abschließen der Verträge schriftlich vereinbart wurde. Auch bei Krediten ist das so. Bürgt ein Partner für den anderen, muss er dies nach dem Scheitern der Ehe weiterhin tun. Auch wenn sich viele getrennt lebende Eheleute wahrscheinlich wünschen, schnell einen Strich unter die gescheiterte Ehe zu ziehen – das Beenden des gemeinsamen finanziellen Lebenswegs kostet Zeit. Einfacher ist es, wenn alle Details bereits im Vorfeld in einem Ehevertrag geregelt wurden.

Kontakt

Iris Laduch-Reichelt

Iris Laduch
Pressesprecherin
iris.laduch@postbank.de
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