Konsumentenkredite: Zurückhaltung nach der Krise

Presseinformation vom 18.12.2014

Pro-Kopf-Verschuldung in der Euro-Zone sinkt • Schulden-Entwicklung in Deutschland relativ stabil • Verschuldung in den USA vier Mal so hoch wie in der Europäischen Währungsunion

Die Finanz- und Staatsschuldenkrisen haben ihre Spuren hinterlassen: Bürger der Europäischen Währungsunion schließen heute weniger Kreditverträge ab als noch vor sechs Jahren. Die Verschuldung von Privatpersonen innerhalb der Euro-Zone hat sich verringert. Lag das Volumen von Konsumentenkrediten pro Kopf 2008 noch bei 1.976 Euro, sank es bis 2013 auf 1.731 Euro, so die Zahlen der Europäischen Zentralbank. Anders dagegen die Entwicklung in Deutschland. Die Höhe der Schulden für Konsumzwecke der Bundesbürger betrug 2008 pro Kopf 2.108 Euro und stieg bis 2013 leicht auf 2.140 Euro an. Allerdings ist das Kreditvolumen in den letzten zwei Jahren auch hierzulande leicht rückläufig. „Das Verschuldungsniveau in Deutschland bleibt seit der Jahrtausendwende relativ stabil. Im Vergleich zu anderen Ländern des Euroraums gab es in der Bundesrepublik niemals einen kreditfinanzierten Konsumboom. Zudem hat sich der deutsche Arbeitsmarkt selbst in der Rezession als robust erwiesen. Beides hat das Konsumniveau sowie die Verschuldungsneigung stabilisiert“, erläutert Dr. Marco Bargel, Chefanlagestratege der Postbank. Dramatischer erscheinen die Veränderungen in Spanien. Im Zuge der Krise sank die Höhe der Pro-Kopf-Verschuldung von 2008 bis 2013 um knapp 41 Prozent – von 2.243 Euro auf 1.325 Euro. „In wirtschaftlich unsicheren Zeiten zögern die Menschen, längerfristige finanzielle Verpflichtungen einzugehen“, erläutert Bargel. „Gleichzeitig beeinflussen nationale Finanz- und Konsumkulturen das Kreditverhalten.“

Kredit international

In Deutschland – wie in vielen Ländern Kontinentaleuropas – werden Kredite, die nicht zur Finanzierung von Wohneigentum aufgenommen wurden, eher mit Zurückhaltung betrachtet. Immobilienfinanzierungen machen hierzulande mit aktuell 79 Prozent den Großteil aller privaten Bankkredite aus. Knapp 14 Prozent entfallen auf Ratenkredite und sieben Prozent auf sonstige Darlehen (wie etwa Dispositionskredite). In einer aktuellen Postbank Studie wurden die Bundesbürger gefragt, wie sie eine Anschaffung von 10.000 Euro stemmen würden. 21 Prozent antworteten, dass sie sich Geld leihen würden, 39 Prozent würden dafür sparen und 20 Prozent auf die Anschaffung verzichten. 17 Prozent gaben an, dass sie über ausreichend finanzielle Mittel verfügen. Jenseits des Atlantiks zeigt sich eine völlig andere Einstellung gegenüber Krediten. „Konsumentenkredite sind in den USA seit den 1920er Jahren ein integraler Bestandteil der Konsumkultur“, so Bargel. ‚Jetzt kaufen, später zahlen‘ gehört zum Alltag dazu. „Zudem werden Kredite häufig dafür genutzt, um Einkommenseinbußen im Falle von Arbeitslosigkeit auszugleichen, medizinische Leistungen oder Aus- und Weiterbildungen zu bezahlen. In Deutschland und anderen europäischen Ländern federt der Sozialstaat diese Kosten weitgehend ab.“ Nachdem die private Verschuldung in den USA 2009 durch die Konjunkturschwäche leicht gedämpft wurde, steigt sie seitdem konstant an – von rund 6.300 Euro auf knapp 7.500 Euro pro Kopf in 2013. Heute sind die Schulden des durchschnittlichen US-Bürgers mehr als vier Mal so hoch wie die eines Bürgers der Europäischen Währungsunion.

Im Rahmen der repräsentativen Studie wurden im August 2014 mittels einer telefonischen Mehrthemenbefragung 2.369 Personen ab 18 Jahren von TNS Emnid im Auftrag der Postbank interviewt.

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Ralf Palm, Pressesprecher

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Iris Laduch-Reichelt

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