2015

Postbank: Die Hessen sind im Sparen Doppelsieger

Presseinformation vom 26.10.2015

Am 30. Oktober feiern die Deutschen zum 90. Mal den Weltspartag. Doch ist Sparen bei den niedrigen Zinsen in Deutschland überhaupt noch ein Thema?

Doppelsieg für Hessen

In Hessen wird trotz des Zinstiefs noch sehr fleißig gespart. So konnten die Hessen ihren Titel als Sparsieger erneut verteidigen. Zum sechsten Mal in Folge verfügen sie mit 45.647 Euro über die höchsten Pro-Kopf-Einlagen auf Sparkonten. Dies haben die Volkswirte der Postbank errechnet. Damit sind die Guthaben der Hessen bei Sichteinlagen, Spareinlagen, Sparbriefen und Termingeldern mehr als doppelt so hoch wie das Durchschnittsguthaben der Deutschen (21.352 Euro). Mit einem Zuwachs von 4.297 Euro auf den Sparkonten konnten die Sparfüchse aus Hessen im deutschen Sparwettbewerb einen Doppelsieg verbuchen. Dies ist nicht verwunderlich, denn für die Hessen hat Geld den höchsten Stellenwert unter allen Bundesbürgern. Das ergab die aktuelle Digitalstudie der Postbank "Der Digitale Deutsche und das Geld". Auf einer Skala von 1 bis 10 gaben die Bewohner des "Ebbelwoi-Landes" die Relevanz von Geld durchschnittlich mit 7,4 an.

Platz zwei der deutschen Sparmeister belegen mit 27.410 Euro die Hamburger, gefolgt von Berlin, wo die Pro-Kopf-Einlagen 25.987 Euro betragen. Das Schlusslicht bildet Mecklenburg-Vorpommern mit einem durchschnittlichen Sparguthaben von 11.334 Euro pro Einwohner.

Die Pro-Kopf-Einlagen sind im Osten geringer als im Westen, jedoch wachsen die Sparguthaben dort seit 2008 kontinuierlich. So beträgt zum Beispiel in Thüringen das Einlagevolumen 470 Euro mehr als im Vorjahr. Nicht gespart, sondern ausgegeben wurde dagegen das Geld in drei Bundesländern: In Bayern schrumpften die Guthaben geringfügig um 40 Euro, in Schleswig-Holstein um 92 Euro und in Bremen um 112 Euro.

Bundesland Einlagen* 2013 Einlagen* 2014 Veränderung
2013 zu 2014
Hessen 41.350 45.647 4.297
Hamburg 26.521 27.410 889
Berlin 25.275 25.987 712
Bayern 23.861 23.821 -40
Baden-Württemberg 22.269 22.674 405
Schleswig-Holstein 19.056 18.964 -92
Bremen 18.964 18.852 -112
Rheinland-Pfalz 18.208 18.841 633
Nordrhein-Westfahlen 17.807 18.089 282
Saarland 17.793 17.991 198
Niedersachsen 17.313 17.733 420
Sachsen 13.076 13.432 356
Thüringen 11.931 12.402 470
Sachsen-Anhalt 11.428 11.869 440
Brandenburg 11.183 11.593 409
Mecklenburg-Vorpommern 10.852 11.334 482
Deutschland gesamt 20.721 21.352 631

Quelle: Deutsche Bundesbank und Postbank Berechnungen

* Sichteinlagen, Spareinlagen, Termingelder und Sparbriefe pro Kopf in Euro ohne langfristige Termineinlagen und Bausparguthaben

Die Deutschen sparen eifrig – trotz der niedrigen Zinsen

Eine Emnid-Umfrage im Auftrag der Postbank zeigt, dass die Deutschen ihr Geld sehr wohl noch “in den Sparstrumpf stecken“. So legen aktuell 76 Prozent Geld zurück: 40 Prozent jeden Monat, 22 Prozent unregelmäßig zum Beispiel vom Weihnachtsgeld und 14 Prozent mehrmals im Jahr. Und die Zahl der Sparer steigt wieder. Im Vergleich zum Vorjahr ist die Zahl derjenigen, die nicht mehr sparen, deutlich zurückgegangen von 16 Prozent auf elf Prozent.

Seit 2012 nimmt auch die Zahl derer, die aus wirtschaftlichen oder persönlichen Gründen nichts zurücklegen können, leicht ab. Waren dies 2012 noch 26 Prozent der Deutschen, sind es nun nur noch 20 Prozent. Am seltensten sparen Befragte über 60 Jahren (63 Prozent). Jeder Vierte von ihnen kann nichts zur Seite legen (29 Prozent). Ganz anders sieht es bei den jüngeren Befragten aus: 87 Prozent der 16- bis 29-jährigen geben an, Rücklagen zu bilden.

Und was passiert mit dem Ersparten?

Am häufigsten liegen die Ersparnisse der Befragten laut Emnid-Umfrage der Postbank auf dem Girokonto. 47 Prozent belassen ihr Geld dort. Auf Platz zwei der beliebtesten Anlageformen befindet sich das Tagesgeldkonto, welches von 40 Prozent genutzt wird. Damit hat es zum Vorjahr deutlich an Beliebtheit gewonnen. Der Zuwachs beträgt 14 Prozent. Das klassische Sparkonto folgt mit 33 Prozent an dritter Stelle der beliebtesten Geldanlagen. Doch bei 16 Prozent der Befragten liegt das Ersparte nicht lange herum. Es fließt in den Konsum.

So würde sich jeder Vierte der jüngeren Sparer vom übrig gebliebenen Geld ein Smartphone, Tablet oder einen internetfähigen Fernseher kaufen. 29 Prozent der 18- bis 34-jährigen würden in die eigenen vier Wände investieren. Dies hat die aktuelle Digital-Studie der Postbank ermittelt.

Sparen oder nicht sparen?

Die Entwicklung der deutschen Sparquote zeigt, dass die Sparfüchse allerdings nicht mehr ganz so viel von ihrem Einkommen in das Sparschwein stecken, wie sie es noch vor einigen Jahren taten. Nach einem Höchststand von 10,5 Prozent im Jahr 2008 sank die Sparquote in bis auf 9,1 Prozent im Jahr 2013 (Quelle Deutsche Bundesbank). 2014 stieg sie zwar wieder an. Mit 9,5% lag sie aber immer noch auf einem vergleichsweise niedrigen Niveau. Das bedeutet, dass die Deutschen im vergangenen Jahr von hundert Euro verfügbarem Einkommen 9 Euro und 50 Cent auf die Seite gelegt haben. Grund für die niedrige Sparquote sind neben der steigenden Konsumneigung als Reaktion auf die sich abschwächende Finanzkrise auch die niedrigen Zinsen.

Laut einer Emnid-Umfrage im Auftrag der Postbank erwartet knapp die Hälfte der Deutschen (44 Prozent), dass die Anlagezinsen auf dem aktuellen Niveau bleiben. Ein Viertel geht davon aus, dass sie weiter sinken werden. Nur knapp jeder Fünfte sieht einen Anstieg der Zinsen bevorstehen.

Aber auch der stabile Arbeitsmarkt wirkt sich auf die Sparquote aus: Mehr Deutsche befinden sich in langfristigen Arbeitsverhältnissen, die verfügbaren Einkommen steigen – deshalb ist das Bedürfnis nach finanzieller Absicherung bei den Menschen in Deutschland nicht mehr so stark ausgeprägt. In der Folge nimmt die Konsumbereitschaft zu und die Sparneigung sinkt.

Für das Jahr 2015 rechnen die Volkswirte der Postbank dennoch wieder mit einem leichten Anstieg der Sparquote von 9,5 auf 9,7 Prozent. Ein Rückblick: Vom Jahr 2000 bis 2008 war in Deutschland im Trend ein Anstieg der Sparquote zu beobachten. Die Deutschen legten einen immer größeren Anteil ihres verfügbaren Einkommens in klassischen Sparprodukten, Fonds, Aktien und Versicherungen an. Im Jahr 2008 erreichte die Sparquote nach Berechnungen der Bundesbank mit 10,5 Prozent einen vorläufigen Höhepunkt. Damals sorgten die Finanzkrise und die dadurch gestiegene Unsicherheit in der Bevölkerung für einen deutlichen Anstieg der Sparneigung. Ein Jahr später läutete die Abwrackprämie einen Umbruch ein: Erstmals seit dem Jahr 2000 ging die Sparneigung zurück, da viele den staatlich geförderten Neuwagenkauf zu Lasten der Sparquote nutzten.

Deutsche Sparquote (in % des verfügbaren Einkommens)

Bundesland Sparquote
1995 11,0
1996 10,5
1997 10,1
1998 10,0
1999 9,5
2000 9,0
2001 9,6
2002 9,6
2003 10,1
2004 10,1
2005 10,1
2006 10,1
2007 10,2
2008 10,5
2009 10,0
2010 10,0
2011 9,6
2012 9,3
2013 9,1
2014 9,5
2015 9,7*

Quelle: Deutsche Bundesbank

*Prognose Postbank

Der Ursprung des Weltspartags

Vor 90 Jahren feierten die Menschen weltweit zum ersten Mal den Weltspartag. Ins Leben gerufen wurde er von den Delegierten des ersten Internationalen Sparkassenkongresses in Mailand im Oktober 1924. Besonders an der Initiative beteiligt war der italienische Professor und damalige Direktor des Weltsparkasseninstituts Filippo Ravizza. Eigentlich wurde der Weltspartag auf den letzten Tag des Oktobers gelegt. Mit Rücksicht auf den Reformationstag in Deutschland findet er jedoch am 30. Oktober oder am letzten Arbeitstag vor dem 31. Oktober statt.

Der Weltspartag sollte den Menschen den Spargedanken nahebringen, was nach der Wirtschaftskrise und der extremen Inflation vor allem in Deutschland nötig war. Besonders umworben werden am Weltspartag die kleinen Sparer. Sie sollen früh genug lernen, verantwortungsvoll mit Geld umzugehen. Dazu gehört auch, einen Teil des Taschengeldes auf einem Sparbuch zurückzulegen. Für ihren Spareifer erhalten die Nachwuchssparer traditionell ein Geschenk.

Kontakt

Iris Laduch-Reichelt

Iris Laduch
Pressesprecherin
iris.laduch@postbank.de
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