2017

Sicherheiten für die „wilde Ehe“

Presseinformation vom 09.08.2017

Jeder sechste Deutsche lebt aktuell in einer Beziehung ohne Trauschein, so eine Postbank Umfrage. Doch aufgepasst: Lebenspartner, die nicht vor den Standesbeamten treten, behandelt das Gesetz wie Fremde. Unverheiratete sollten folgende Lebensumstände vertraglich regeln, um kostspielige Nachteile zu vermeiden.

Unverheiratete sollten sich vertraglich absichern, wenn es ums Geld geht
Bild Nr. 1421, Quelle: Postbank
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Die Ehe ist hierzulande noch immer das bevorzugte Lebensmodell: Knapp jeder zweite Deutsche (48 Prozent) ist verheiratet bzw. lebt in einer eingetragenen Lebenspartnerschaft. Zu diesem Ergebnis kommt eine TNS-Emnid-Umfrage im Auftrag der Postbank unter 1.800 Befragten. Jeder Sechste (16 Prozent) verzichtet auf den Trauschein. Geht es ums Geld, sollten Paare in „wilder Ehe“ weitsichtig planen. Denn im Vergleich zu Ehepartnern ist ihre Beziehung rechtlich nicht geregelt.

Erbfall: „Ohne Trauschein greift die gesetzliche Erbfolge nicht“, erklärt Anja Maultzsch von der Postbank. „Liegt nach dem Tod des Partners kein Testament oder Erbvertrag vor, erbt, wer im verwandtschaftlichen Verhältnis am nächsten zum Erblasser steht – zuerst Ehegatten, eingetragene Lebenspartner sowie leibliche und adoptierte Kinder.“ Für Unverheiratete empfiehlt es sich daher, beim Notar einen Erbvertrag zu schließen. Darin können sie zum Beispiel den jeweils anderen als Alleinerben einsetzen. Allerdings müssen sie bedenken, dass sie steuerlich gegenüber Verheirateten trotzdem im Nachteil sind. Während Ehegatten einen Freibetrag von 500.000 Euro geltend machen können, liegt der für Unverheiratete lediglich bei 20.000 Euro. Zudem gilt für den Hinterbliebenen aus einer Beziehung ohne Trauschein die höchste Erbschaftssteuerklasse – und damit ein Abzug von 30 bis 50 Prozent. Für den Verheirateten setzt der Fiskus lediglich 7 bis 30 Prozent an.

Bild Nr. 1422, Quelle: Postbank
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Immobilienkauf: Besondere Vorsicht ist geboten, wenn es um große finanzielle Investitionen wie den Erwerb einer Immobilie geht. „Eine Immobilienfinanzierung schließen die Partner in der Regel gemeinsam ab, da nur ein Darlehensvertrag im ersten Rang des Grundbuchs abgesichert werden kann“, erläutert Anja Maultzsch. „Damit haften beide Partner gesamtschuldnerisch für den Kredit – egal, wie viel Eigenkapital der Einzelne einbringt oder wie viel er von den Schulden abbezahlt.“ Beide Partner sollten sich mit einem Eigentumsanteil ins Grundbuch eintragen lassen, der ihren Beitrag an der Finanzierung widerspiegelt. So kann der eine zum Beispiel 30 Prozent und der andere 70 Prozent an der Immobilie erwerben.

Trennung: Auch wenn das Beziehungsende auf Wolke sieben undenkbar scheint, sollten Unverheiratete für den Fall der Fälle vorsorgen. Ein Partnerschaftsvertrag schafft Sicherheit. Er kann zum Beispiel regeln, wer nach der Trennung die gemeinsame Immobilie behalten darf und wie der Verzichtende entschädigt wird. Oder welche Rahmenbedingungen für ein Gemeinschaftsdarlehen gelten, wie die Ersparnisse auf dem gemeinsamen Tagesgeldkonto aufgeteilt werden und was mit dem Wertpapierdepot passiert, das ein Partner angelegt und in das der andere eingezahlt hat. „Werden erbrechtliche Regelungen oder Vereinbarungen zur Übertragung von Grundstücken und Immobilien getroffen, muss der Partnerschaftsvertrag notariell beurkundet werden“, so die Postbank Expertin.

Kontakt

Iris Laduch-Reichelt

Iris Laduch
Pressesprecherin
iris.laduch@postbank.de
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