Vorsicht, Video-Ident-Betrug!

Kriminelle finden immer wieder neue Lücken, um bestehende Legitimationsverfahren für ihre Betrugsmaschen zu nutzen. Aktuell wird das Video-Ident-Verfahren, um in fremdem Namen Konten für die Geldwäsche zu eröffnen. Opfer sind zum Beispiel Jobsuchende. Wir sagen Ihnen, wie Sie sich schützen können. 

Ein Bankkonto zu eröffnen, ist heute herrlich bequem. Sogar das dafür notwendige Identifizierungsverfahren, für das man früher persönlich zur Bank oder Post gehen musste, kann jetzt häufig online erfolgen – statt PostIdent heißt es dann Video-Ident. Wird das Video-Ident-Verfahren für andere Zwecke als die Online-Kontoeröffnung bei einer Bank verlangt, ist allerdings Vorsicht geboten. Denn: „Auch Internetbetrüger nutzen das elektronische Verfahren zur Kontoeröffnung für sich aus“, warnt die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht BaFin.

So funktioniert das Video-Ident-Verfahren zur Kontoeröffnung

Das Video-Ident-Verfahren zur Legitimation bei der Kontoeröffnung ist an sich eine praktische Sache. Wer ein Konto komplett eröffnen möchte, startet zunächst mit der Eingabe seiner persönlichen Daten in die Antragsmaske. Diese werden dann im Video-Ident-Verfahren über einen Videoanruf am PC oder über eine App auf dem Smartphone gegenüber dem Kreditinstitut oder einem von ihm beauftragten Unternehmen verifiziert.  Die Kunden müssen dafür einfach ihren Personalausweis in die Kamera halten, per Webcam ein Bild von sich machen lassen und ein paar Fragen beantworten. Im Anschluss erhalten sie – in der Regel auf zwei Wegen – die Zugangsdaten für ihr neu eröffnetes Konto, das sie direkt nutzen können. Wie die sichere Videolegitimation bei der Postbank funktioniert, zeigt unser Video.

So missbrauchen Kriminelle das Video-Ident-Verfahren

Internetbetrüger bringen arglose Verbraucher unter falschem Vorwand dazu, die Videolegitimation durchzuführen und so ungewollt ein Konto zu eröffnen. Dieses nutzen sie dann für kriminelle Zwecke, zum Beispiel zur Geldwäsche oder für den Betrieb betrügerischer Fakeshops im Internet.

Eine typische Masche beim Video-Ident-Betrug sind gefälschte Stellenanzeigen. Diese gaukeln Interessenten vor, dass sie sich für die Teilnahme an einem Online-Bewerbungsverfahren zunächst per Videolegitimation bei einer vermeintlichen Partnerbank des Unternehmens identifizieren müssen. Die Opfer erhalten dafür eine detaillierte Anleitung mit Login- und Nutzerdaten. Während der Bewerber glaubt, seine Identität für den Bewerbungsprozess zu verifizieren, wird im Hintergrund heimlich in seinem Namen ein Konto eröffnet, für das die Betrüger dann die Nutzerdaten haben.

Die gleiche Masche läuft auch über Immobilienanzeigen. In diesem Fall geben sich Kriminelle als Vermieter aus und geben vor, ein Kautionskonto eröffnen zu wollen. Um die Identität des Interessenten zu bestätigen, verlangen sie dann die Verifizierung per Video.

Wie Sie sich vor Betrug schützen können

  • Grundsätzlich gilt: Gehen Sie zurückhaltend mit Ihren persönlichen Daten um. Vor allem dann, wenn Ihnen in einem Bewerbungsverfahren mitgeteilt wird, dass kein persönlicher Kontakt möglich sei.
  • Prüfen Sie vermeintliche Jobangebote auf Echtheit, etwa indem Sie in der Personalabteilung des Unternehmens anrufen und sich nach der zu besetzenden Stelle erkundigen.
  • Klassische Nutzer des Video-Ident-Verfahrens sind Banken, Telekommunikationsanbieter und teilweise Versicherer. Ziel ist es, Kunden den Gang in die Filiale für den Vertragsabschluss zu ersparen. Werden Sie in einem anderen Zusammenhang aufgefordert, das Verfahren zu nutzen, zum Beispiel in einem Bewerbungsverfahren oder zu Testzwecken, nehmen Sie davon Abstand.
  • Anbieter, die das Video-Ident-Verfahren durchführen, müssen von der BaFin auferlegte Sorgfaltspflichten erfüllen. Kundenberater müssen zum Beispiel sicherstellen, dass die zu identifizierende Person durch ihren eigenen Willen das entsprechende Produkt beim Anbieter erwirbt. Es ist also sinnvoll, dem Mitarbeiter des Video-Ident-Anbieters explizit zu sagen, aus welchem Grund Sie die Videolegitimation durchführen. So fallen gegebenenfalls Unstimmigkeiten auf und das Verfahren kann abgebrochen werden.

Wenn Sie glauben, dass Sie Opfer der Betrugsmasche geworden sind, erstatten Sie umgehend Anzeige bei der Polizei. Ist Ihnen das Kreditinstitut bekannt, bei dem das betrügerische Konto eröffnet wurde, informieren Sie dieses und lassen Sie das Konto sofort sperren.

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