Mit der Betreuungsverfügung alles gut geregelt

Niemand denkt gern daran, dass er vielleicht einmal nicht mehr in der Lage ist, eigene Entscheidungen zu treffen. Dabei kann das schnell passieren. Ein Unfall, Komplikationen bei einem Routineeingriff, ein Schlaganfall oder fortgeschrittene Demenz sind typische Gründe für den Verlust der Entscheidungsfähigkeit. In Deutschland gilt, dass immer dann ein Betreuer bestellt wird, wenn ein Erwachsener aufgrund einer psychischen oder physischen Erkrankung oder einer geistigen oder körperlichen Behinderung seine Angelegenheiten teilweise oder gar nicht mehr selbst regeln kann. Die Auswahl dieses Betreuers geschieht durch das zuständige Gericht. Grundsätzlich können Verwandte diese Aufgabe übernehmen. Alternativ setzt das zuständige Amtsgericht als Betreuungsgericht einen amtlich bestellten Betreuer ein.

Für den Fall der Fälle – was ist eine Betreuungsverfügung?

Mit einer Betreuungsverfügung können Sie selbst festlegen, wer für Sie als Betreuer benannt werden soll. Liegt eine Betreuungsverfügung vor, muss sich das Betreuungsgericht bei der Auswahl des Betreuers an Ihre Wünsche halten. Anders als bei anderen Vollmachten dürfen Sie eine bindende Betreuungsverfügung auch dann abfassen, wenn Sie nicht geschäftsfähig sind. In der Verfügung können Sie folgende Fragen klären:

  • Wer soll als Betreuer Ihre Angelegenheiten regeln?
  • Wer soll auf gar keinen Fall mit der Betreuung beauftragt werden?
  • Welche medizinischen Behandlungen wünschen Sie in bestimmten Situationen? Hier kann der Inhalt an die Patientenverfügung angelehnt werden.
  • An welchem Wohnsitz möchten Sie leben?
Tipp

Wenn Sie eine Betreuungsverfügung verfassen, machen Sie unbedingt Angaben zum gewünschten Wohnsitz. Denn die Vorstellungen von einer guten Lebensqualität sind individuell sehr verschieden. 

Eine Betreuungsverfügung erstellen – so wird’s gemacht

Im Internet findet man als Betreuungsverfügung vorgefertigte Dokumente zum Ankreuzen. Experten gehen jedoch davon aus, dass bloßes Ankreuzen nicht ausreicht, um den Willen des Betroffenen zu erkennen. Erst durch die Ausformulierung der eigenen Vorstellungen wird eine tiefere Auseinandersetzung mit dem Thema erkennbar. Sie müssen die Verfügung nicht handschriftlich erstellen, aber das Datum und die eigenhändige Unterschrift sind zwingend nötig. Können Sie nicht selbst unterschreiben, muss ein Notar Ihr Handzeichen beurkunden. Es ist sinnvoll, sich bei der Erstellung der Betreuungsverfügung beraten zu lassen. Hilfe finden Sie unter anderem bei

  • Rechtsanwälten und Notaren,
  • Betreuungsvereinen und
  • den Sozialdiensten in Krankenhäusern und Altenheimen.

Überprüfen Sie in regelmäßigen Abständen, ob die Verfügung weiterhin in Ihrem Sinne formuliert ist. Sollten Sie keine Änderungen vornehmen, ist es sinnvoll zu vermerken, dass die Verfügung weiterhin Ihrem Willen entspricht, und erneut Datum und Unterschrift einzusetzen. Damit erkennt das Gericht leichter, dass die Angaben Ihrem aktuellen Willen entsprechen.

Tipp

In vielen Bundesländern können Sie die Verfügung beim zuständigen Amtsgericht hinterlegen.

Auf der sicheren Seite – reicht eine Betreuungsverfügung aus?

Bis das Gericht über die Betreuung entscheidet, verstreicht viel Zeit. Oft ist eine langfristige Betreuung nicht nötig und es besteht nur ein kurzfristiger Bedarf. Das ist beispielsweise nach Unfällen oder Operationen manchmal der Fall. Hier greift die Verfügung nicht. Ergänzen Sie Ihre persönliche Vorsorge daher um eine Betreuungsvollmacht, die allgemein unter dem Namen Vorsorgevollmacht bekannt ist. Mit der Betreuungsvollmacht ermächtigen Sie eine bestimmte Person, in einem solchen Notfall Ihre Angelegenheiten zu regeln. Sie können über die Betreuungsvollmacht alle Entscheidungen zulassen oder nur einzelne Entscheidungen übertragen. 

Tipp

Mit einer Vorsorge- oder Betreuungsvollmacht können Sie die Bestellung eines Betreuers durch das Gericht vermeiden. Allenfalls kann ein Kontrollbetreuer eingesetzt werden, der die Entscheidungen überprüft. 

Zusätzlich zu den bereits genannten Verfügungen und Vollmachten können Sie weitere Maßnahmen zur persönlichen Vorsorge treffen. Während Sie bei der Frage der Betreuung benennen, wer etwas tun darf, können Sie über eine Patientenverfügung bestimmen, was getan werden soll.

Über Ihr Vermögen können Sie sogar über den Tod hinaus bestimmen. Dazu benötigen Sie ein Testament. Wie Sie Ihren Letzten Willen rechtssicher formulieren, erfahren Sie hier. Auch über die Art der Bestattung können Sie bereits zu Lebzeiten verfügen. Informieren Sie sich hier über die Bestattungsverfügung.