Der Blockchain-Hype im Überblick

Die revolutionäre Blockchain-Technologie wird heiß diskutiert: Sie verspricht eine dezentrale und nicht fälschbare Organisation der Daten über das Internet. Transaktionen sollen unabhängig von Institutionen möglich sein. Besonders oft wird Blockchain mit Bitcoin in Verbindung gebracht und erklärt. Doch auch außerhalb der Kryptowährungen gibt es viele Anwendungsfälle. Wir stellen ihnen die Grundzüge der Technologie und Beispiele vor.

Was ist Blockchain?

Die Digitalisierung erobert alle Bereiche der Gesellschaft: Smartphones sind unser täglicher Begleiter, das Fernsehen verlagert sich ins Internet und wer heute bei einem Online-Versandhändler bestellt, macht dies oft schon per Smart Speaker. Künstliche Intelligenz, autonomes Fahren und Chatbots sind neben Blockchain-Anwendungen die innovativen Technologien, die die Entscheider beschäftigen.

Im Zusammenhang mit der Kryptowährung Bitcoin, deren Kursexplosion der letzten Monate die Finanzwelt in Aufruhr gebracht hat, wird die Blockchain-Technologie regelmäßig erklärt. Bitcoin und Blockchain sind nicht nur technisch, sondern auch historisch untrennbar miteinander verbunden: Hinter der Erfindung beider steht eine Person oder Personengruppe mit dem Namen „Satoshi Nakamato“. Bis heute ist nicht abschließend geklärt, wer sich hinter diesem Pseudonym verbirgt.

Auch wenn schon in den 90ern an dezentralen Kryptotechnologien geforscht wurde: Die Geburtsstunde von Blockchain und Bitcoin ist auf das Jahr 2008 datiert. Hier veröffentlichte Satoshi Nakamato ein Whitepaper, in dem er (oder die Gruppe dahinter) die beiden Technologien und das Konzept erläuterte. Ein Jahr später startete mit Bitcoin eine dezentrale Krypto-Währung, die nun nach ihrem Nischendasein die Finanzmärkte erobert. 

Wie funktioniert Blockchain?

Was aber genau ist die Blockchain? Übersetzt heißt der Begriff „Blockkette“. Dahinter steht eine öffentliche, dezentral organisierte Datenbank, deren Einträge sich fälschungssicher in Form von aneinandergereihten Blöcken erweitern lassen. Sie können sich ein Buch vorstellen, in dem Einträge wie Transaktionen in Form einer Kette von Blöcken erweitert werden. Es gibt allerdings nicht eine Kopie dieses Buches, welches sich zentral an einem Ort befindet und aufgrund von Fälschungs- und Rechtssicherheit der Verwaltung durch eine Organisation bedarf. Stattdessen erlaubt es die Blockchain-Technologie zig Kopien dieses Buches dezentral im Internet zu verteilen und Transaktionen fortlaufend unter Beteiligung vieler fortzuschreiben.

Wird beispielsweise im Bitcoin-Handel eine Transaktion getätigt, so wird dieser Eintrag (Bitcoin wechselt von Besitzer A zu Besitzer B) in Form einer Position in hunderten oder tausenden Kopien des Buches vermerkt. Alle beteiligten Computer prüfen gemeinsam die Transaktion auf Plausibilität und machen den Eintrag damit fälschungssicher. Um dies zu gewährleisten, wird jeder Block, also jeder Eintrag mit einem Hash versehen.

Ein Hash ist der digitale Fingerabdruck, eine für jeden Eintrag einzeln festgelegte Reihenfolge von Buchstaben und Zahlen. Die an der Fortschreibung der Posten in dem zigfach über Kopien verteilten Buch beteiligten Rechner nennt man „Miner“. Ohne Miner, also Privatpersonen oder Unternehmen die leistungsstarke Rechner und damit nötige Rechenpower für die dezentrale Organisation bereitstellen, würde die Blockchain nicht funktionieren. 

Ist die Blockchain sicher?

Die Miner, also den Teilnehmern der Blockchain, welche mit ihren Rechnern überhaupt erst den Aufbau eines Blockchain-Systems ermöglichen, haben entscheidenden Einfluss auf die Sicherheit. Würden sich beispielsweise die Mehrheit der an der Prüfung beteiligter Miner mit einem Manipulationsgedanken zusammenschließen, so könnten sie zumindest das Funktionieren dieser und künftiger Transaktionen in der Blockkette beeinflussen. Dafür, dass der Eintrag in die Blockchain selbst nicht manipuliert werden kann, sorgt wiederum der zuvor erwähnte „Hash“.

Gibt es ausschließlich „eine“ Blockchain?

Ganz klar nein! Bei der Bitcoin-Blockchain geht es beispielsweise um nur eines von vielen denkbaren Systemen und damit an Anwendungsmöglichkeiten für die Technologie der Blockketten. Bevor aber nun betrachtet wird, was mit Blockchain schon jetzt und künftig alles möglich ist und sein wird, lohnt es sich noch einmal die wesentlichen Merkmale aufzulisten:

  • Die Blockchain ist ein dezentrales Datenbanksystem
  • Sie ist unabhängig von Organisationen, ein Intermediär ist nicht mehr notwendig
  • Transaktionen werden über die Prüfung zigfacher Kopien durch ein verbundenes, leistungsstarkes Netzwerk abgesichert (Stichwort „Miner“)
  • Digitale Fingerabdrücke („Hashes“) sichern die einzelnen Positionen
  • Fälschungssicherheit entsteht durch die untrennbare Aneinanderreihung der einzelnen Posten („Blockchain“ = „Blockkette“)

Ein digitales Zahlungssystem wie Bitcoin mit Blockchain-Technologie auf den Markt zu bringen ist die naheliegendste Möglichkeit der Nutzung dieses Systems. Es gibt aber noch viel mehr Anwendungen für Blockchain, die unseren Alltag wahrscheinlich in naher Zukunft beeinflussen werden. 

Die Zukunft der Blockchain

Smart Contracts, also „intelligente Verträge“, werden in Verbindung mit der Blockchain-Technologie künftig eine bedeutende Rolle spielen. Abkommen zwischen Unternehmen, beispielsweise in der Industrieproduktion, können über diese Technik automatisiert abgewickelt werden. In der intelligenten Fabrik kommt so ein Modell künftig möglicherweise ebenso zum Einsatz wie etwa auf dem Standesamt.

Die isländische Musikerin und Multimedia-Künstlerin Björk expermentiert bereits mit der Blockchain und lässt in ihrem Webshop beispielsweise Bitcoin-Zahlung zu. Auch viele Start-Ups wollen mittels Blockchain die Musikindustrie verändern.

Das autonom fahrende E-Mobil wird in der Zukunft mit Blockchain-Technologie direkt und abrechenbar per privatem Solar-Strom aufgeladen. Ebenso wird es möglich sein, dass es eine E-Mobility-Ladestation ansteuert und der Bezahlvorgang automatisch abgewickelt wird.

Da Blockchain-Technologie von den Ressourcen der beteiligten Rechner abhängig ist, kann es noch Jahre dauern, bis solche Beispiele im großen Maßstab unseren Alltag erreichen. Entwickler und kreative Köpfe werden durch die Kryptotechnologie mehr Möglichkeiten haben, ihre Ideen direkter umsetzen zu können. Wir dürfen also gespannt sein, in welchen Formen wir die Blockchain künftig erleben werden! 

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