Bürgschaft – das müssen Sie wissen

Mit einer Bürgschaft ist es Vermietern oder Kreditgebern möglich, sich gegen einen Zahlungsausfall des Mieters bzw. des Kreditnehmers abzusichern. Doch eine Bürgschaft will gut überlegt sein. Immerhin geht der Bürge mit einem Bürgschaftsvertrag weitreichende Verpflichtungen ein. Doch welche Verpflichtungen bestehen für einen Bürgen im Detail? Wie hat ein Bürgschaftsvertrag auszusehen? Ist es möglich, eine Bürgschaft wieder zu kündigen? Wir geben Antworten auf die wichtigsten Fragen!

Wozu dient eine Bürgschaft?

Der Zweck einer Bürgschaft dürfte den meisten Menschen klar sein. Sie dient Gläubigern zur Absicherung gegen einen möglichen Zahlungsausfall des Schuldners. In diesem Fall muss der Bürge einspringen und sämtlichen ausstehenden Zahlungsforderungen nachkommen. Eine Bürgschaft ist somit definitionsgemäß ein einseitiger Vertrag zwischen dem Gläubiger und dem Bürgen.
Traditionell gibt es zwei große Bereiche, in denen eine Bürgschaft zum Einsatz kommt: Kreditvergabe und Immobilienvermietung. So verlangen Banken unter bestimmten Bedingungen eine Bürgschaft, bevor Sie einem Kreditnehmer einen Kredit gewähren. Auch viele Vermieter verlangen eine Bürgschaft von ihren potenziellen Mietern. Insbesondere Studenten und Personen mit niedrigem Einkommen sind zur erfolgreichen Wohnungsmiete häufig auf einen Bürgen angewiesen. 

Bürgschaftsarten im Überblick

Prinzipiell lassen sich drei Arten von Bürgschaften unterscheiden. Wir nehmen die Bürgschaftsarten unter die Lupe.

1. Gewöhnliche Bürgschaft: Eine gewöhnliche Bürgschaft sieht vor, dass es bei Zahlungsausfall des Schuldners zunächst zu einer Zwangsvollstreckung des Vermögens kommt. Vom Bürgen muss im Anschluss nur noch der Restbetrag beglichen werden.

2. Selbstschuldnerische Bürgschaft: Im Rahmen einer selbstschuldnerischen Bürgschaft muss der Bürge noch vor einer Vollstreckung des Vermögens des Schuldners die ausstehenden Forderungen begleichen.

3. Bürgschaft auf erstes Anfordern: Die sogenannte Bürgschaft auf erstes Anfordern geht noch einen Schritt weiter. Hier muss der Bürge bei Zahlungsausfällen des Schuldners sofort einspringen – selbst dann, wenn womöglich gar keine Berechtigung für eine Inanspruchnahme des Bürgen besteht. Einsprüche sind erst im Nachhinein möglich!

Bürgschaftsvertrag: So muss er aussehen

Eine Bürgschaft muss schriftlich erklärt werden. Erst dann wird sie wirksam! In einen Bürgschaftsvertrag gehören neben der Bürgschaftsart die Daten des Bürgen, des Hauptschuldners und des Gläubigers. Zudem muss der Schuldbetrag – sprich die Kreditsumme – im Bürgschaftsvertrag festgehalten werden. Handelt es sich um eine Mietbürgschaft, darf die Höhe einen Betrag von drei Monatsmieten allerdings nicht überschreiten. Abschließend ist das Dokument von allen drei beteiligten Parteien zu unterschreiben. 

Verpflichtungen bei einer Bürgschaft

Eine Bürgschaft geht mit einer ganzen Reihe von Verpflichtungen einher, denen sich manche Bürgen gar nicht bewusst sind. Folgendes gilt es zu wissen:

  • Mit einer Bürgschaft stimmt der Bürge zu, die Ratenzahlungen eines Kreditnehmers zu übernehmen, sofern dieser sie nicht mehr bewältigen kann.
  • Für die vereinbarte Schuld muss der Bürge mit seinem gesamten Einkommen und Vermögen aufkommen.
  • Das Zurücktreten von einer Kreditbürgschaft ist nicht möglich, sofern dies nicht im Vorfeld vertraglich vereinbart worden ist.
  • Stirbt ein Bürge, geht die Bürgschaft auf dessen Erben über.
  • Auch nach einer Scheidung bleibt die Bürgschaft bestehen.

Kann ich eine Bürgschaft kündigen?

Die Kündigung einer Mietbürgschaft ist ohne Probleme möglich, sofern der Bürge eine angemessene Kündigungsfrist wahrt. So bleibt dem Vermieter genügend Zeit, um zu entscheiden, ob das Mietverhältnis trotz der nun fehlenden Sicherheit fortgesetzt werden soll.
Eine Kreditbürgschaft ist dagegen im Regelfall nicht kündbar – zumindest, wenn vertraglich keine Kündigungsgründe vereinbart worden sind. Nur wenn die Bürgschaft selbst unter widerrechtlichen Bedingungen geschlossen wurde, ist eine Kündigung möglich. 

Die Ehegattenbürgschaft

Eine häufige Form der Bürgschaft ist die Ehegattenbürgschaft. In diesem Fall tritt ein Ehepartner für den anderen als Bürge auf. Viele Kreditinstitute verlangen von Ehepartnern bei der Aufnahme eines Kredits explizit eine solche Bürgschaft. Selbst nach einer Scheidung haftet der Bürge weiterhin mit seinem gesamten Vermögen. Eine Kündigung ist nur dann möglich, wenn die Ehegattenbürgschaft als sittenwidrig eingestuft werden kann. Sittenwidrig ist sie etwa dann, wenn der Bürge nur aus emotionaler Verbundenheit mit dem Ehepartner gehandelt hat und dies vom Kreditgeber ausgenutzt worden ist.