Was machen Bulle und Bär an der Börse?

Geht’s um die Börse, ist oft von Bulle und Bär die Rede. In Frankfurt am Main stehen sich die beiden sogar in Bronze gegossen auf dem Börsenplatz gegenüber. Doch was haben diese Vierbeiner eigentlich mit dem Thema Geldanlage zu tun? Ganz einfach: Diese beiden gleichermaßen mächtigen Tiere – der Bulle dynamisch und aufrecht, der Bär schwerfällig und geduckt – spiegeln das Auf und Ab der Kurse an den Börsen wider. Geht es beispielsweise mit den Kursen eines Aktienmarktes anhaltend aufwärts, etwa weil Fundamentaldaten wie die Konjunktur- und Arbeitsmarktentwicklung sich positiv entwickeln oder auf gutem Niveau stabil sind, spricht man von einem Bullenmarkt. Fallen die Kurse nachhaltig, ist die Rede von einem Bärenmarkt.

Bullenmarkt und Bärenmarkt – auch die Stimmung zählt

Die beiden tierischen Kontrahenten kommen aber auch dann ins Spiel, wenn es nicht um tatsächliche Kursverläufe, sondern um die Stimmungslage an den Märkten geht. Der Bulle (engl. „bull“) steht dann für grundsätzlichen Optimismus, der Bär (engl. „bear“) für Pessimismus bei den Marktteilnehmern. Entsprechend wird die Gemütslage als „bullish“ oder „bearish“ bezeichnet.

Verbreitet sind die Börsenbegriffe Bulle und Bär traditionell im englischsprachigen Raum, seit ein paar Jahrzehnten auch in Deutschland. Alternativ wird beim Bullenmarkt von einer „Hausse“ (französisch für „Anstieg“) und beim Bärenmarkt von einer „Baisse“ (französisch für „Rückgang“) gesprochen.

Bulle und Bär – tierisches Auf und Ab an der Börse

Warum ausgerechnet Bulle und Bär für die widerstrebenden Börsentrends stehen, dafür gibt es unterschiedliche Theorien. Die gängigste lautet: Der Bulle schleudert seine Widersacher beim Angriff mit den Hörnern von unten nach oben, der Bär hingegen schlägt mit der Tatze von oben nach unten. Beim Bullen geht’s also aufwärts, beim Bären abwärts.

Einer anderen Erklärung zufolge beobachtete einst ein spanischer Literat den aufgeregten Handel an der Amsterdamer Börse und wurde dabei an eine frühere Form des lateinamerikanischen Stierkampfs erinnert, bei dem Stiere und Bären aufeinander losgelassen wurden.

Wiederum eine andere Theorie über Bulle und Bär besagt, dass sich das Tierpaar davon ableitet, dass im 17. Jahrhundert Spekulanten an der Londoner Börse ähnlich den heutigen Termingeschäften Aktien, die sie noch gar nicht erworben hatten, zu einem festen Preis in der Zukunft zum Verkauf anboten – in der Hoffnung, dass deren Kurs in der Zwischenzeit sinken würde. Dieser Handel sei mit dem sprichwörtlichen Fellhändler verglichen worden, der das Fell verkauft, bevor er den Bären erlegt hat. So sei der Bär zum Symbol eines Wertverlustes geworden. Der Bulle sei dann durch die damals auch in London üblichen Stierkämpfe als starker Gegenpart hinzugekommen.

Zu guter Letzt kursiert noch die Geschichte von einem gewissen Sir John Bull, der im Krimkrieg des 19. Jahrhunderts die Briten erfolgreich gegen die Russen (= Bären) angeführt haben soll. Wahrscheinlich ist, dass es sich bei besagtem John Bull nicht um einen realen Menschen handelt, sondern um die gleichnamige, rund 140 Jahre zuvor von einem britischen Satiriker geschaffene symbolische Personifikation des Vereinigten Königreichs.

Was bedeuten Bulle und Bär für Anleger?

Konkrete Anlageentscheidungen sollten niemals allein aufgrund einer „bullishen“ oder „bearishen“ Stimmung der Börsianer getroffen werden. Dafür beeinflussen zu viele Faktoren das Anlagegeschehen. Aber: Die Laune der Marktteilnehmer ist wichtig. Nicht umsonst beschäftigen sich zahlreiche Experten damit, die Psychologie der Anleger (engl. „Behavioural Finance“) zu ergründen.

Ein Beispiel: In den 1990er-Jahren hatten hohe Gewinnerwartungen und die Spekulation auf steigende Kurse die Aktien von Hightech-Unternehmen der sogenannten New Economy auf immer neue Höchststände katapultiert. Erst als immer deutlicher wurde, dass die tatsächlichen Gewinne vieler Unternehmen mit den hohen Bewertungen ihrer Aktien nicht Schritt halten konnten, kippte die Stimmung von bullish auf bearish. Zuerst verkauften die erfahrenen Börsianer ihre Anteile, dann auch die Kleinanleger – die Kurse stürzten ab, die Dotcom-Blase (von der Domainendung .com) platzte. Wer noch kurz zuvor allein aufgrund der bullishen Stimmung teure Aktien gekauft hatte, wurde mit voller Wucht von der Tatze des Bären erwischt.

Auf der anderen Seite tappte dabei auch mancher Anleger in die Bärenfalle und verkaufte der Herde folgend in Panik Wertpapiere, die sich im Nachhinein als weiterhin gutes Investment erwiesen hätten.

Fakten und Stimmungen im Auge behalten

Anleger sollten also immer die Fundamentaldaten und die Stimmung der Marktteilnehmer im Auge behalten. Vor allem Letzteres ist für Laien allerdings schwierig. Ob man als Anleger mit den Bullen rennt oder lieber antizyklisch handelt und zum Beispiel Aktien mit Gewinn verkauft, wenn andere noch auf weiter steigende Kurse setzen, hängt zudem nicht zuletzt von der persönlichen Risikobereitschaft und den eigenen Anlagezielen ab. Für Börsenanfänger erscheint es deshalb empfehlenswert, das Anlagekapital möglichst breit zu streuen und diese Aufteilung den Profis zu überlassen, zum Beispiel im Rahmen einer Investmentfondsanlage. Erfahren Sie 10 nützliche Tipps, worauf Anleger bei Investmententscheidungen achten sollten.

Bitte beachten Sie

Jede Geldanlage ist mit einem gewissen Risiko verbunden. In der Regel steigen mit den Renditechancen einer Anlage auch ihre Risiken. Je nach Wahl der Wertpapier-Anlageform ist insbesondere mit Kurs- bzw. Volatilitätsrisiken, Risiken der Bonität, der Liquidität, der Zinsänderung, der Währung und der Länder sowie steuerlichen Risiken zu rechnen. Über die speziellen Risiken der jeweiligen Anlageform informieren Sie die gesetzlich vorgeschriebenen Verkaufsunterlagen oder Ihr Berater.