Den Nachlass mit einem Vermächtnis regeln

Per Testament können Sie anordnen, dass einzelne Gegenstände aus Ihrem Nachlass an eine bestimmte Person als Vermächtnis übertragen werden. Beispiel: Der Lieblingsneffe soll später einmal das Cabrio bekommen oder die nette Nachbarin, die immer das Haus versorgt hat, den liebevoll gehegten Bonsai.

Neben Gegenständen können Sie auch andere Werte vermachen, zum Beispiel einen Geldbetrag, eine offene Forderung, eine Rente oder ein lebenslanges Wohn- oder Nutzungsrecht.

Ohne Testament kein Vermächtnis

Das Vermächtnis ist stets Teil des Testaments – ohne Testament kein Vermächtnis. Der Vermächtnisnehmer, also derjenige, der das Vermächtnis erhält, gilt aber nicht als Erbe und wird deshalb auch nicht Mitglied einer Erbengemeinschaft! Er kann von den Erben die Herausgabe des Vermächtnisses verlangen, unterliegt aber nicht deren Pflichten wie der Nachlassverwaltung, der Haftung für Nachlassschulden oder der Auszahlung von Pflichtanteilen.

Ausnahme: Erben können zusätzlich zu ihrem Erbteil noch ein Vermächtnis im Voraus erhalten (Vorausvermächtnis).

Welchen Einfluss gesetzliche Erben auf die Verteilung des Erbes haben, erfahren Sie hier.

Das ist ein Vorausvermächtnis

Dem Erblasser steht es frei, bestimmte Gegenstände oder Werte aus dem Nachlass einem bestimmten Erben zu vermachen. Erhält dieser Erbe das Vermächtnis „im Voraus“ – also zusätzlich zu seinem Erbe und ohne Anrechnung auf seinen Erbteil –, spricht man von einem Vorausvermächtnis. Auch auf den Pflichtteil wird ein Vorausvermächtnis nicht angerechnet.

Das ist eine Teilungsanordnung

Wenn der Erblasser dagegen nur festlegen möchte, wie der Nachlass später konkret unter mehreren Erben aufzuteilen ist, bezeichnet man das als Teilungsanordnung. Dabei wird jedem Miterben der Wert der zugesprochenen Nachlass-Gegenstände auf sein Erbteil angerechnet.

In der Praxis fällt es nach dem Tod des Erblassers oft schwer, ein Vorausvermächtnis von einer Teilungsanordnung abzugrenzen. Deshalb empfiehlt sich hier eine eindeutige Formulierung.

Beispiel für eine Teilungsanordnung

Frau Müller besaß zum Zeitpunkt ihres Versterbens ein Vermögen in Höhe von 480.000 Euro, das sich wie folgt aufteilte:

  • Einfamilienhaus: 280.000 Euro
  • Aktiendepot: 150.000 Euro
  • Münzsammlung: 50.000 Euro

Zu Lebzeiten hatte sie ihre Kinder Klaus und Renate in ihrem Testament zu Erben eingesetzt: „Meine Kinder Klaus und Renate erben mein Vermögen zu gleichen Teilen. Renate erhält im Wege der Teilungsanordnung und somit in Anrechnung auf ihren Erbteil das Einfamilienhaus in der Gartenstraße 21.“

Da es sich um eine Teilungsanordnung handelt und nicht um ein Vorausvermächtnis, besteht für Renate eine Ausgleichspflicht von 40.000 Euro gegenüber Klaus. Um diesen Betrag übersteigt der Wert des Hauses nämlich ihren Erbteil von 50 Prozent (480.000 / 2 = 240.000 Euro).

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