Inflationsrate auf Talfahrt – 1,6 % im März 2017

Finanzexperten haben für den März 2017 eine fallende Inflationsrate erwartet. Die Schätzungen prognostizierten eine Inflation in Höhe von 1,9 %. Tatsächlich ist der Rückgang mit einem Wert von 1,6 % deutlicher als angenommen ausgefallen. Dass der Erdölpreis einen großen Einfluss auf die Inflation hat, steht außer Frage. Doch sind auch einige überraschende Effekte zu verzeichnen, die die Inflationsrate drücken. 

Inflation verliert an Fahrt – EZB hält an Vorgehen fest

Die aktuelle Inflationsrate von 1,6 % freut Verbraucher und alle Interessenten für eine Immobilienfinanzierung. Sie profitieren von günstigen Preisen und niedrigen Zinsen. Für Anleger ist die Situation weniger angenehm, denn die Europäische Zentralbank (EZB) sieht sich in Ihrem Kurs bestätigt. Steigende Zinsen für Geldanlagen sind kurzfristig nicht in Sicht. 

Tipp

Es empfiehlt sich, die Vordrucke der kontoführenden Bank zu nutzen. Damit ist sichergestellt, dass der Bank alle notwendigen Angaben vorliegen und die Vollmacht zweifelsfrei akzeptiert wird. 

Wie hat sich die Inflationsrate entwickelt?

Die EZB ist bemüht, die Inflationsrate auf einem Wert von knapp unter 2 % zu halten. Eine Inflation in dieser Höhe sorgt für eine stabile Preisentwicklung und verhindert eine Entwertung des Geldes. Gleichzeitig kurbeln die niedrigen Preise – zumindest in der Theorie – die Konjunktur an. Durch die Senkung des Leitzinssatzes auf 0 % und ein großes Anleihenkaufprogramm nehmen die europäischen Währungshüter Einfluss auf die Inflation. Nachdem die Inflationsrate im Vorjahr hinter den Erwartungen zurückgeblieben ist, zeichnen sich ab Dezember 2016 deutliche Steigerungen ab. Nach Werten knapp unter der Zwei-Prozent-Marke hat die Teuerungsrate im Februar 2,2 % erreicht. Kritiker forderten ein Eingreifen der EZB. Im März ist die Inflationsrate dagegen wieder auf moderate 1,6 % gefallen. Das bestätigt die Finanzpolitik der Zentralbank. 

Warum ist die Inflationsrate gesunken?

Einen wichtigen Faktor für die gebremste Inflation liefern aktuell die gefallenen Erdölpreise. Im Winter haben die Preise für Heizöl und Kraftstoff deutlich angezogen. Nun ist ein Rückgang der Preise zu verzeichnen. Die Angebote für Heizöl sind im Vergleich zum Vormonat zum Beispiel in Hessen um 5,4 % günstiger, Kraftstoffe wie Benzin lassen einen Preisrückgang von 2,4 % erkennen. Die hohen Energiepreise waren der Preispolitik der Organisation Erdöl exportierender Länder (OPEC) geschuldet. Aufgrund der vorher sehr niedrigen Marktpreise erfolgte eine Drosselung der Fördermengen, um das Angebot zu verknappen. Die höheren Verkaufspreise haben das vergleichsweise kostenintensive Fracking in den USA attraktiv gemacht und dort zu höheren Fördermengen geführt. Die in den USA nun gut gefüllten Erdöllager haben die Nachfrage nach Rohöl und damit den kurzfristigen Preisanstieg gestoppt.

Bremste der Osterhase die Inflation?

Ein weiterer Grund für die niedrige Teuerungsrate liegt tatsächlich in der zeitlichen Lage der Osterferien. Da Pauschalreisen zum Osterfest in diesem Jahr aufgrund des späten Beginns der Osterferien erst für April gebucht worden sind, lagen die Reisepreise im Vergleich zum Vorjahr um 7,1 % niedriger. Das senkt zwar die Inflationsrate, es handelt sich allerdings um einen reinen Kalendereffekt. Ein weiterer Faktor für die niedrigere Inflation ist das Pflegestärkungsgesetz. Die Preise für Dienstleistungen im Bereich der Pflege sind aufgrund niedrigerer Eigenanteile um satte 6,4 % gesunken. 

Welche Auswirkungen hat die niedrige Inflationsrate?

Aktuell sieht sich die EZB in ihrer Geldpolitik bestätigt. Da eine weitere Erhöhung des Leitzinses in den USA durch die FED erst für den Herbst zu erwarten ist, gewinnt die Europäische Zentralbank Zeit. Eine Anhebung des Leitzinses in Europa ist in den nächsten Wochen oder Monaten nicht zu erwarten. Das ist eine gute Nachricht für alle, die mit dem Gedanken spielen, eine Immobilie zu finanzieren. Sie profitieren bis zum Herbst weiterhin von günstigen Zinsen für Baudarlehen. Dagegen bleiben die Aussichten für Sparer eher trüb. Wer nicht in Aktien oder ETFs investieren möchte, sondern auf Tages- oder Festgeld setzt, erhält für sein Geld weiterhin kaum Zinsen. Tatsächlich bleiben die Zinssätze für Geldanlagen in diesem Bereich hinter der Inflationsrate zurück. Das bedeutet, dass das Sparvermögen real an Wert verliert. Auch der Aufbau einer ausreichend hohen Altersvorsorge bleibt in diesem Geschäftsklima schwer. Langfristig wird die EZB ihre Geldpolitik überdenken müssen, da die Konjunktur in Europa hinter den Erwartungen zurückbleibt. Kurzfristig verläuft für Verbraucher erst einmal alles in den gewohnten Bahnen. Preissteigerungen in einzelnen Bereichen werden durch Preissenkungen in anderen Warengruppen ausglichen, Änderungen bei den Zinsen fallen minimal aus.