Erbschaftsteuer und Schenkungsteuer – was müssen Sie dazu wissen?

Wer ein Vermögen erbt oder geschenkt bekommt, muss dies dem Finanzamt melden. Denn hierbei fällt die sogenannte Erbschaft- bzw. Schenkungsteuer an. Als steuerpflichtiger „Erwerb von Todes wegen“ zählt übrigens nicht nur die Erbschaft selbst. Auch ein Vermächtnis und geltend gemachte Pflichtteilsansprüche fallen in diese Kategorie. Ebenso müssen Sie die Todesfallleistung aus einer Lebensversicherung oder eine Hinterbliebenenrente als Bezugsberechtigter versteuern. Wie viel und ob Sie Steuern zahlen müssen, hängt von verschiedenen Kriterien ab. Welche das sind und wie hoch die unterschiedlichen Steuerfreibeträge sind, erfahren Sie im Folgenden. Zusätzlich können Sie mit unserem Rechner ermitteln, wie viel Erbschaft- beziehungsweise Schenkungsteuer für Ihre individuellen Vermögensübergänge anfällt.

Steuerklassen bei Erbschaftsteuer und bei Schenkungsteuer

Faustregel: Je enger das Verwandtschaftsverhältnis, desto niedriger die Steuerklasse und damit auch der Steuersatz auf Erbschaften und Schenkungen. 

Zur Steuerklasse I gehören:

  • der Ehegatte oder eingetragene Lebenspartner
  • eheliche und nichteheliche Kinder, Adoptivkinder und Stiefkinder und deren Nachkommen – also Enkel und Urenkel
  • Eltern und Großeltern bei Vermächtnis und Erbschaft (gilt nicht bei Schenkung!)

Zur Steuerklasse II zählen:

  • Eltern und Großeltern bei Schenkung
  • die Stiefeltern
  • Geschwister und deren Kinder, also Nichten und Neffen
  • Schwiegertochter/-sohn, Schwiegereltern
  • der geschiedene Ehegatte und der Lebenspartner einer aufgehobenen Lebenspartnerschaft

Zur Steuerklasse III gehören:

  • alle übrigen Erben (auch die entfernteren Verwandten, z. B. Cousin, Großneffe, Urgroßeltern).

Erben und Beschenkte der Steuerklasse I profitieren zum einen von hohen Freibeträgen. Zum anderen fallen die Steuersätze in Steuerklasse I mit Sätzen zwischen 7 und 30 Prozent moderat aus. In Steuerklasse II werden maximal 43 Prozent und in Steuerklasse III bis zu 50 Prozent fällig. Allerdings betreffen die Spitzensteuersätze erst Erbschaften im zweistelligen Millionenbereich.

Freibeträge bei der Erbschaftsteuer und Schenkungsteuer

Persönlicher Freibetrag Erbe/Beschenkter
500.000 € Ehegatte, eingetragener Lebenspartner
400.000 € Kinder, Stief- und Adoptivkinder sowie Enkel, deren Eltern bereits verstorben sind
200.000 € Enkel, deren Eltern noch leben, und Urenkel
100.000 € Eltern und Großeltern (bei Erbschaft)
20.000 € Personen der Steuerklasse II und III (also beispielsweise auch Eltern, Geschwister)

Erbschaften und Schenkungen bis zur Höhe des Freibetrags bleiben steuerfrei. Der darüber hinausgehende Betrag muss je nach Steuerklasse mit dem jeweils gültigen Steuersatz versteuert werden.

Personen, die den Erblasser unentgeltlich bzw. ohne zureichende Bezahlung gepflegt haben, darf dieser zum Dank bis zu 20.000 Euro steuerfrei vererben oder schenken. Für Ehepartner und Kinder des Erblassers gelten zudem besondere Freibeträge für das selbst genutzte Eigenheim und den Hausrat.

Besondere Freibeträge für Haus und Wohnung

Angehörigen der Steuerklasse I – also dem Ehepartner oder den Kindern – steht ein Freibetrag von 41.000 Euro für geerbte Hausratsgegenstände zu. Dazu zählen zum Beispiel die Wohnungseinrichtung, der Fernseher oder die Stereoanlage, Wäsche, Geschirr und Kleidungsstücke. Weitere 12.000 Euro Freibetrag können sie für die weitere persönliche Habe des Erblassers in Anspruch nehmen, beispielsweise für den privaten Pkw oder persönlichen Schmuck. Jeder Erbe der Steuerklasse II oder III erhält für Hausrat sowie andere bewegliche körperliche Gegenstände einen zusammengefassten Freibetrag von 12.000 Euro.
Achtung: Bargeld, Wertpapiere, Gold, Münzen oder Edelsteine zählen nicht zum Hausrat. 

Die eigenen vier Wände erben Sie steuerfrei, es sei denn …

Das eigene Häuschen oder die Eigentumswohnung erbt der Ehepartner unabhängig vom Wert und von der Größe stets komplett steuerfrei. Einzige Auflage: Er muss sie zehn Jahre lang weiter selbst bewohnen und darf nicht verkaufen oder vermieten. Wer trotzdem früher auszieht, muss Erbschaftsteuer nachzahlen. Ausnahme: Der Erbe muss ins Pflegeheim umziehen.

Für Kinder gilt: Sie erben Wohneigentum nur dann steuerfrei, wenn die Immobilie maximal 200 Quadratmeter groß ist und zehn Jahre lang von ihnen selbst bewohnt wird. Geht die Wohnfläche über die genannten 200 Quadratmeter hinaus, gehört dieser Teil zum zu versteuernden Erbe. Für größere Objekte müssen Kinder also eventuell Erbschaftsteuer zahlen (abzüglich des persönlichen Freibetrags von 400.000 Euro für Erben in Steuerklasse I).

Überprüfen Sie die Steuerklasse Ihrer Hinterbliebenen

Wie viel Steuern im konkreten Fall zu zahlen sind, ist abhängig vom Verwandtschaftsgrad und dem Vermögenswert des Erbes bzw. des Geschenks. Daher werden Erben und Beschenkte in drei sogenannte Steuerklassen eingestuft. Zur Steuerklasse I zählen

  • Ehegatten,
  • Partner einer eingetragenen Lebensgemeinschaft,
  • Kinder,
  • Enkel, Urenkel,
  • Großeltern und Urgroßeltern (bei Erwerb von Todes wegen).

Der Personenkreis der Steuerklasse II umfasst

  • Geschwister,
  • Neffen und Nichten,
  • Stiefeltern,
  • Schwiegereltern und -kinder,
  • geschiedene Ehepartner und Partner einer ehemaligen eingetragenen Lebensgemeinschaft,
  • Großeltern und Urgroßeltern (bei Erwerb von Todes wegen).

Alle anderen Personen wie zum Beispiel Bekannte oder Freunde gehören der Steuerklasse III an.

Großzügige Freibeträge für nahe Verwandte

Die engen Angehörigen aus der Steuerklasse III profitieren von relativ großzügigen Freibeträgen und niedrigen Steuersätzen. So können Ehegatten beispielsweise Vermögenswerte in Höhe von bis zu einer halben Million Euro steuerfrei erben beziehungsweise geschenkt bekommen. Bei Kindern liegt der Freibetrag bei 400.000 Euro. Einen Großteil des Vermögens können Sie ihnen also steuerfrei übertragen. Der Steuersatz der Steuerklasse I liegt abhängig vom Vermögen (abzüglich des Freibetrags) zwischen 7 und 30 Prozent. Bei Steuerklasse II beträgt der Steuertarif zwischen 15 und 43 Prozent. Noch nachteiliger wird es in Steuerklasse III. Dort liegen die Steuersätze bei 30 oder 50 Prozent.

Achtung: Manche Menschen, die dem Erblasser viel bedeuten, fallen trotzdem in eine ungünstige Steuerklasse. Dazu zählen insbesondere der nicht-eheliche Lebenspartner, der beste Freund oder auch Pflegekinder. Der allgemeine Freibetrag von Personen aus der Steuerklasse II und III liegt bei nur 20.000 Euro. Daher lohnt es sich gegebenenfalls, rechtzeitig strategische Gestaltungsspielräume (Heirat, Adoption, wiederholte Schenkungen zu Lebzeiten) zu nutzen.

Die eigenen vier Wände erben Sie steuerfrei, es sei denn …

Das eigene Häuschen oder die Eigentumswohnung erbt der Ehepartner unabhängig vom Wert und von der Größe stets komplett steuerfrei. Einzige Auflage: Er muss sie zehn Jahre lang weiter selbst bewohnen und darf nicht verkaufen oder vermieten. Wer trotzdem früher auszieht, muss Erbschaftsteuer nachzahlen. Ausnahme: Der Erbe muss ins Pflegeheim umziehen.

Für Kinder gilt: Sie erben Wohneigentum nur dann steuerfrei, wenn die Immobilie maximal 200 Quadratmeter groß ist und zehn Jahre lang von ihnen selbst bewohnt wird. Geht die Wohnfläche über die genannten 200 Quadratmeter hinaus, gehört dieser Teil zum zu versteuernden Erbe. Für größere Objekte müssen Kinder also eventuell Erbschaftsteuer zahlen (abzüglich des persönlichen Freibetrags von 400.000 Euro für Erben in Steuerklasse I).

Nutzen Sie unseren Erbschaft-/Schenkungsteuerrechner!

Erben oder Beschenkte müssen das Finanzamt grundsätzlich spätestens innerhalb von drei Monaten über die Erbschaft bzw. Schenkung in Kenntnis setzen. Eine Steuerschuld entsteht an dem Tag, an dem das Vermögen den Besitzer wechselt. In der Regel ist dies der Todestag des Erblassers. Wenn Sie den Betrag der zu zahlenden Erbschaft- bzw. Schenkungsteuer ermitteln möchten, nutzen Sie unseren praktischen Erbschaft-/Schenkungsteuerrechner. Mit dieser cleveren Planungshilfe der Postbank können Sie schnell und einfach ausrechnen, wie viel Erbschaftsteuer oder Schenkungssteuer für Vermögensübergänge fällig wird. Einzige Voraussetzung dafür ist, dass Sie den Wert des Erbes bzw. der Schenkung kennen. Wählen Sie in den Dropdown-Menüs die passenden Informationen wie beispielsweise Verwandtschaftsverhältnis zum Erblasser aus und schon erhalten Sie nach wenigen Mausklicks Ihr individuelles Ergebnis.

Bei Fragen zur Erbabwicklung rufen Sie uns an:

0800 1008904 (Montag bis Freitag 08:00 - 20:00 Uhr, Samstag 10:00 - 16:00 Uhr)

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