Dr. Marco Bargel
Chefvolkswirt

Expertenausblick

Chancen und Perspektiven 2017 – ein turbulentes Jahr wartet auf uns

Chancen und Perspektiven 2017 – ein turbulentes Jahr wartet auf uns

Mit der Entscheidung zum Brexit und der Wahl in den USA geht ein abwechslungsreiches Jahr zu Ende. Diese Ereignisse werden auch in 2017 für bewegte Märkte sorgen. Dr. Bargel, der Chefvolkswirt der Postbank, erwartet ein spannendes neues Jahr.

Das Jahr 2016 wartete mit zwei großen Überraschungen auf, die zu Jahresbeginn wohl kaum jemand ernsthaft auf der Agenda hatte: Zunächst entschieden sich die Briten in einem Referendum Ende Juni für einen Austritt aus der EU. Und Anfang November wählten die US-Amerikaner mit Donald Trump einen Außenseiter zum Präsidenten, der sich im Wahlkampf mit globalisierungskritischen Tönen und einer America First-Kampagne gegen seine Konkurrenten erfolgreich durchsetzte. Nicht nur das Votum der Briten und die Wahl Donald Trumps‘ zeigen, dass die Sorgen vor einer fortschreitenden Globalisierung zunehmen. Auch in anderen Staaten gewinnen Parteien an Zulauf, die mit Abschottung, dem Schließen von Grenzen und der Aufkündigung internationaler Freihandelsabkommen einen vermeintlich einfachen Weg zur Lösung wirtschaftlicher Probleme anbieten.

Die Wirtschaftsdynamik erhält Schwung

Die Märkte haben auf den Wahlsieg Trumps relativ gelassen reagiert. Die Reaktion der Investoren speist sich letztlich aus der Hoffnung, dass der neue US-Präsident nicht alle Drohungen aus dem Wahlkampf wahrmachen wird. Denn auch die US-Wirtschaft profitiert inzwischen in hohem Maße von offenen Märkten und der Globalisierung. Hohe Strafzölle, wie von Trump angekündigt, würden letztendlich vor allem den Unternehmen und Arbeitnehmern in den USA schaden. Beflügelt wurde die positive Marktreaktion nach Trump’s Wahlsieg aber auch von den wachstumsfreundlichen Aspekten seines Wahlprogramms. Umfangreiche Steuersenkungen, ein großes Infrastrukturprogramm sowie Deregulierung könnten für höheres Wachstum sorgen und Potenzial für steigende Unternehmensgewinne und Börsenkurse eröffnen. Ob er sein Wahlprogramm überhaupt umsetzen kann, steht im Moment allerdings noch in den Sternen. Denn höhere Staatsausgaben in Verbindung mit Steuersenkungen führen unweigerlich zu einer höheren Staatsverschuldung. Hier wird es Donald Trump nicht leicht haben, sich gegen seine republikanischen Parteikollegen, die einer Erhöhung der Schuldenobergrenze mehrheitlich kritisch gegenüberstehen, im Senat durchzusetzen.

Die konjunkturellen Rahmenbedingungen im neuen Jahr sind aber ohnehin nicht schlecht. Der Konjunkturaufschwung in Europa dürfte sich – wenn auch in moderatem Tempo – fortsetzen. Gleichzeitig verbessert sich angesichts gestiegener Rohstoffpreise die wirtschaftliche Lage in vielen Schwellenländern. Für Deutschland als Exportnation bietet sich hier eine Chance auf steigende Exporte. Gleichzeitig lässt die positive Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt einen weiterhin starken Zuwachs beim privaten Konsum erwarten. Die Realeinkommen werden 2017 wegen der höheren Inflation allerdings nicht mehr ganz so stark steigen wie im Vorjahr und auch die Staatsausgaben werden wegen des nachlassenden Flüchtlingszustroms moderater wachsen. Dies spricht für eine etwas geringere, aber immer noch solide Zunahme der Wirtschaftsleistung.

 

Aktienmarkt und Euro-Kurs

Das positive Konjunkturumfeld verspricht nach einem durchwachsenen 2016 steigende Aktienkurse im neuen Jahr. Allerdings wartet auch das Jahr 2017 mit einigen Ereignissen auf, die für starke Ausschläge an den Märkten sorgen können. Großbritannien wird sehr wahrscheinlich im Frühjahr die EU-Austrittsverhandlungen einleiten. Auch Neuwahlen sind dort möglich. In Italien steht die neue Regierung nach dem Scheitern des Senatsreferendums vor gewaltigen Reformaufgaben. Werden diese nicht bewältigt, dürfte das Wachstum in Italien weiterhin sehr mager ausfallen und die EU-Skepsis unter den Wählern zunehmen. Zu guter Letzt stehen im Jahr 2017 in Deutschland, Frankreich und den Niederlanden Wahlen an, bei denen europakritische Parteien unter Umständen hohe Wahlergebnisse einfahren. Dies könnte die Unsicherheit über den künftigen Kurs der Europäischen Union und die Stabilität der Währungsunion weiter erhöhen. Für risikobereite Investoren bietet die zu erwartende Volatilität der Kurse aber auch durchaus Renditechancen.

Mit dem Wahlsieg Donald Trumps‘ ist die Wahrscheinlichkeit höherer Zinsen in den USA gestiegen. Die US-Notenbank dürfte den Leitzins im Verlauf von 2017 mehrfach anheben. Dies spricht für einen stärkeren US-Dollar, der in einem Jahr in etwa auf Parität zum Euro liegen dürfte.

Zinserhöhungen sind nicht zu erwarten

Während sich in den USA höhere Leitzinsen abzeichnen, ist von der EZB für 2017 diesbezüglich keine Aktivität zu erwarten. Die Währungshüter haben gerade angekündigt, dass sie das Anleiheankaufprogramm um mindestens neun Monate bis Ende 2017 verlängern. Gleichzeitig wird das monatliche Ankaufvolumen von 80 auf 60 Mrd. Euro reduziert. Damit dürften die Zeiten immer neuer Rekordtiefs bei den Kapitalmarktrenditen zwar vorbei sein. Die zu erwartenden Erträge aus einer Rentenanlage bleiben aber vorerst sehr niedrig, da die EZB mit ihren massiven Marktinterventionen einen signifikanten Renditeanstieg nach wie vor verhindert. Leitzinserhöhungen der EZB sind erst lange nach Auslaufen des Anleiheankaufprogramms zu erwarten, d.h. Sparer müssen sich 2017 noch auf eine sehr niedrige Verzinsung ihrer Einlagen einstellen.

Wenn Sie mehr über die spannenden Aussichten für das kommende Jahr erfahren möchten, lesen Sie den kompletten Artikel „Perspektiven 2017“.

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Dr. Marco Bargel
Chefvolkswirt