10 Jahre nach der Weltfinanzkrise – ein Rückblick

Die Pleite der amerikanischen Bank Lehman Brothers am 15. September 2008 war ein Paukenschlag, der die globale Finanzkrise richtig ins Rollen brachte. Was ist damals passiert? Und welchen Einfluss haben die damaligen Ereignisse auf das Vertrauen der Anleger heute? Denn die schlimmste Finanzkrise seit der Weltwirtschaftskrise von 1929 ist auch ein massiver Einschnitt ins generelle Vertrauen in das Finanzsystem. Was können Anleger aus der Geschichte lernen?

Immobilien für alle im Mutterland des Kapitalismus

Für die meisten stehen die Schuldigen fest: Neoliberalismus, Deregulierung und Marktversagen. Doch die Basis für die Krise legten US-Pläne zur Zeit von Präsident Clinton. Der Demokrat wünschte sich, dass es für alle Amerikaner möglich sei, eine Immobilie zu besitzen. In der Folge genehmigten halbstaatliche Hypothekenbanken Kredite auch für Käufer, die nur über ein sehr niedriges oder gar kein Einkommen verfügten. Das Risiko gaben die Hypothekenbanken weiter, indem sie die Kredite gebündelt an andere Banken verkauften.
Als dann die Zinsen stiegen, platzte die Immobilienblase. Die Käufer konnten die Raten nicht mehr zahlen und Tausende Immobilien überschwemmten den Markt. Infolgedessen brachen die Preise ein, während gleichzeitig die Kaufinteressenten fehlten. Viele Banken in den USA blieben auf wertlosen Kreditanleihen sitzen. In der Branche herrschte großes Misstrauen, da niemand wusste, welche Banken die faulen Kredite im Portfolio hatten. Die Immobilienkrise gipfelte schließlich in der weltweit beachteten Pleite der Lehman Brothers Bank, die Milliardenverluste eingestehen musste.

Das Misstrauen der Banken schadete der Wirtschaft massiv

Der nun folgende Argwohn der Banken hatte Konsequenzen: Die verschiedenen Kreditinstitute liehen sich nicht mehr, wie vorher üblich, gegenseitig Geld. Die Staaten und die Zentralbanken reagierten. Zahlreiche Banken wurden „gerettet“, was den Steuerzahler stark belastete, denn die Zentralbanken pumpten viel Geld in den Markt. Trotzdem schwächelte die Wirtschaft, denn Kredite waren kaum noch zu bekommen. Die Unsicherheit war groß, Investitionen wurden aufgeschoben und es herrschte Angst vor dem nächsten „großen Knall“. Millionen Menschen weltweit verloren ihre Arbeitsstelle, was den Konsum weiter drosselte sowie Angst und Misstrauen steigerte.

Die Euro-Krise verschärfte die Situation

Mitten in die globale Wirtschafts- und Finanzkrise platzte im Jahr 2009 zusätzlich die Euro-Krise. Griechenland gab zu, seine Bilanzen im großen Stil frisiert zu haben und praktisch pleite zu sein. Die Europäische Zentralbank reagierte mit einem Rettungsschirm, weiteren Zinssenkungen und noch mehr Geld, das in die Märkte floss. Die Unsicherheit bei Anlegern war groß. Aktien waren aufgrund der schwachen Wirtschaftslage nicht interessant, allein der DAX verlor um die Hälfte. Das folgende Investment in Immobilien führte zu einer starken Verteuerung beim Kauf von Wohneigentum und immer höheren Mieten.

Die Finanzkrise in Deutschland

Bundeskanzlerin Angela Merkel und der damalige Finanzminister Peer Steinbrück versicherten, dass die deutschen Banken sicher seien. Die Politik tat alles, damit die Sparer ihr Geld auf der Bank beließen. Etwa 1,5 Millionen Arbeitsplätze rettete die Verlängerung des Kurzarbeitergeldes, die Abwrackprämie für ältere Autos diente als weiteres Konjunkturprogramm. Damit gelang es, hierzulande die Arbeitslosenzahlen während der Krise sogar zu senken. Trotzdem musste auch der deutsche Staat Banken retten. Die Hypo Real Estate war nicht zu halten, die Bank wurde verstaatlicht und abgewickelt. Auch die Commerzbank benötigte massive staatliche Hilfen, noch heute ist der Bund zu 18 % an der Bank beteiligt.

Enges Regelwerk und mehr finanzielle Rücklagen

Als Folge der Krise einigten sich die G20-Staaten auf eine stärkere Regulierung des Bankenmarkts und Regelungen zum Finanzausgleich. Zudem müssen Banken seitdem nun mehr Rücklagen bilden und ihr Geschäft mit höherem Eigenkapital unterfüttern. Innerhalb der EU sind die Regeln noch deutlicher verschärft worden.
Trotzdem gilt bis heute: Geldanlagen bedeuten immer ein gewisses Risiko. Je höher die Renditechancen ausfallen, desto größer wird auch die Wahrscheinlichkeit von Verlusten. Regional begrenzte oder globale Krisen können jederzeit auftreten und die Planung zunichtemachen. Allerdings zeigt die Geschichte auch, dass sich die Börsen auf lange Sicht immer wieder erholen. Die Entwicklung des DAX bietet das beste Beispiel. Wägen Sie als Anleger Chancen und Risiken immer genau ab und investieren Sie nur in Produkte, die Sie überzeugen und die Sie gut verstehen. Dann benötigen Sie lediglich eine Portion Geduld, um langfristig von guten Renditen zu profitieren.

Risikohinweis

Bitte beachten Sie: Jede Geldanlage ist mit einem gewissen Risiko verbunden. In der Regel steigen mit den Renditechancen einer Anlage auch ihre Risiken. Je nach Wahl der Wertpapier-Anlageform ist insbesondere mit Kurs- bzw. Volatilitätsrisiken, Risiken der Bonität, der Liquidität, der Zinsänderung, der Währung und der Länder sowie steuerlichen Risiken zu rechnen. Über die speziellen Risiken der jeweiligen Anlageform informieren Sie die gesetzlich vorgeschriebenen Verkaufsunterlagen oder Ihr Wertpapierberater.

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