Fußball & Finanzen: Das kostet die WM

Fußball ist nicht nur die „schönste Nebensache der Welt“, sondern schon längst auch ein Milliardengeschäft. Wenn mit Anpfiff des WM-Eröffnungsspiels das Leder durch russische Stadien rollt, verdient vor allem die FIFA wieder einmal sehr viel Geld. Doch auch andere Wirtschaftszweige profitieren enorm von „König Fußball“. Wir zeigen Ihnen, inwiefern Fußball und Finanzen in direktem Zusammenhang stehen, und nennen Ihnen spannende Zahlen, Fakten und Beispiele.

Dass die WM 2018 vom 14. Juni bis zum 15. Juli in Russland stattfindet, wissen mittlerweile nicht nur Anhänger des DFB-Teams. Den wenigsten Fußball-Fans ist hingegen geläufig, dass es sich dabei um die teuerste WM aller Zeiten handelt. Das russische Sportministerium spricht offiziell von 10 Milliarden Euro (639 Milliarden Rubel). Zum Vergleich: Das deutsche „Sommermärchen“ von 2006 schlug mit 3,7 Milliarden Euro zu Buche. Die hohen Kosten sind allerdings nicht weiter verwunderlich, denn von den insgesamt zwölf russischen WM-Stadien wurden neun Fußball-Arenen komplett neu gebaut. Viele der Spielstätten warten zudem mit modernster Technik auf – wie etwa einer individuell beleuchtbaren Außenhülle oder einem beweglichen Dach. Das Olympiastadion Luschniki, in dem am 15. Juli das Endspiel stattfindet, wurde aufwendig saniert und bietet nun 81.000 Sitzplätze.

Inwieweit sich die Investitionen für Russland lohnen werden, ist fraglich. Denn auch nach der WM 2018 werden diese Stadien Betriebskosten in Millionenhöhe verschlingen. Vier Spielstätten haben nicht einmal einen Erstligaverein in der Nähe. Zudem werden Spiele der russischen Premjer-Liga von durchschnittlich lediglich 12.000 Fans besucht. Ob sich die WM 2018 also für das Gastgeberland rechnen wird, steht absolut in den Sternen.

Wenn möglichst viele Fußball-Fans im Juni nach Russland reisen, könnte die Rechnung aufgehen. Das Interesse an den Eintrittskarten ist im Vorfeld auf jeden Fall sehr hoch: Für knapp 3,5 Millionen Fußballjünger wurden bei der Vergabestelle Tickets beantragt. Das übersteigt bei Weitem das verfügbare Kontingent, weshalb die Ticketzuteilung über ein notariell begleitetes Losverfahren stattfand.

Was kostet ein Ticket für die WM 2018?

Die Ticketpreise für die Fußball-Weltmeisterschaft 2018 variieren extrem: Die günstigsten Karten für Gruppenspiele der Kategorie III kosten rund 6.300 Rubel (87 Euro). Für den Besuch des Endspiels müssen Fans allerdings tief in die Tasche greifen – hier kosten die normalen Eintrittskarten bis zu 66.000 Rubel (906 Euro). Relativ günstig kommen hingegen russische Fußballfans weg: Für sie gibt es spezielle Tickets der Kategorie IV, die zum Vorzugspreis ab 1.280 Rubel (17,60 Euro) verkauft werden. Dieser Preis gilt natürlich nur für bestimmte Vorrundenspiele.

Wer nach Russland reist, um seine Mannschaft anzufeuern, wird sicher nicht nur ein einziges Spiel besuchen wollen. Seinem eigenen Team hinterherzureisen, kann aber mitunter richtig teuer werden: Denn Russland ist groß und die Spielstätten liegen teilweise Tausende Kilometer voneinander entfernt. Ein Flug von Kaliningrad bis nach Jekaterinburg geht beispielsweise über die Distanz von 2.484 Kilometer. Zahlreiche Fluggesellschaften ziehen während der WM die Preise für Inlandsflüge in Russland an – bis zu 30 Prozent. Zu den monetären Gewinnern der WM 2018 zählen also auch die Airlines.

Wie teuer ist es, ein Fußballfan zu sein?

Der Frage, wie teuer es ist, die eigene Nation bei der WM 2018 vor Ort zu unterstützen, ist das Internetportal Hometogo nachgegangen: Mit einem sogenannten Fanpreis-Index wird hier errechnet, welche Fans wie viel Geld ausgeben müssen, um zumindest alle drei Gruppenspiele ihrer Mannschaft live vor Ort sehen zu dürfen. Hier frohlocken abermals die russischen Fußball-Freunde. Dank günstiger Tickets und des Wegfalls eines internationalen Flugs in die Stadt des ersten Gruppenspiels müssen Russen für alle drei Partien nur 1.049 Euro ausgeben. Für Kolumbianer wird es hingegen am teuersten: Für sie kostet eine Russland-Rundreise zu allen Gruppenspielen der Mannschaft von Coach Jose Pekerman rund 3.640 Euro.

Sie spielen mit dem Gedanken, das deutsche Team vor Ort in Russland zu unterstützen? Dann können Sie inklusive Eintrittskarten, Flügen, Hotels sowie Speisen und Getränken mit Kosten von etwa 2.000 Euro rechnen. Ob Jogis Jungs das wirklich wert sind, sehen „normale“ Fans und absolute Fußball-Narren vermutlich sehr unterschiedlich.

Was verdient die FIFA an der WM 2018?

Größter Gewinner einer Fußball-Weltmeisterschaft ist die FIFA (Fédération Internationale de Football Association). Der Weltverband des Fußballs rechnet für die WM 2018 mit Einnahmen in Höhe von 3,996 Milliarden US-Dollar, was einem Wert von gut 3,419 Milliarden Euro entspricht. Demgegenüber stehen Ausgaben in Höhe von 2,899 Milliarden Dollar, der prognostizierte Gewinn beträgt also etwa 1,097 Milliarden Euro. Bei der WM 2014 in Brasilien schlüsselten sich laut dem deutschen Statistik-Portal Statista die FIFA-Einnahmen noch wie folgt:

  • TV-Rechte (2.428 Millionen US-Dollar)
  • Marketingrechte (1.580 Millionen US-Dollar)
  • Ticketing (527 Millionen US-Dollar)
  • Hospitalityrechte (184 Millionen US-Dollar)
  • Lizenzrechte (107 Millionen US-Dollar)

Da der FIFA auch kurz vor der WM 2018 noch wichtige Sponsoren fehlen und deshalb Einnahmeverluste drohen, liegen die Einnahmen aus dem Turnier in Brasilien wahrscheinlich höher als die in Russland.

Tippen Sie jetzt auf die Spiele der DFB-Elf und gewinnen Sie mit etwas Glück ein original DFB-Heimtrikot! Hier geht’s zum Tippspiel.


Wie viel Geld bekommt der Fußball-Weltmeister 2018?

Die hohen Gewinne einer Fußball-WM schüttet die FIFA traditionell an die Mitgliederverbände aus. Außerdem winkt dem künftigen Weltmeister ein sattes Preisgeld in Höhe von 38 Millionen US-Dollar. Der Verband des Vizeweltmeisters darf sich immerhin noch über einen Geldregen in Höhe von 28 Millionen US-Dollar freuen. Selbst die Teams, die in der Vorrunde aus dem Turnier gekickt werden, bekommen jeweils noch 8 Millionen US-Dollar „Schmerzensgeld“ zugesprochen.

Diese Geldsummen werden natürlich nicht direkt an die Mannschaften ausgeschüttet, sondern an die jeweiligen Landesverbände. Was ein einzelner Spieler als WM-Gehalt einstreicht, ist immer auch Verhandlungssache. Allerdings sind die DFB-Prämien schon seit Jahren leistungsbezogen berechnet. Sollte Deutschland seinen WM-Titel in Russland verteidigen können, erhält jeder Nationalspieler 350.000 Euro. DFB und Nationalmannschaft scheinen übrigens sehr optimistisch zu sein, was die „Mission Titelverteidigung“ angeht: Für die Vorrunde und das Achtelfinale wurden keine Prämienzahlungen ausgehandelt. Bei zwei aufeinanderfolgenden Turnieren den WM-Titel zu ergattern, dürfte allerdings schwierig werden: Bislang schafften nur Italien (1934 & 1938) und Brasilien (1958 & 1962) dieses Meisterstück. Die Postbank drückt Deutschland jedenfalls kräftig die Daumen!

Unsere Empfehlung

Die Postbank Fankurve auf Facebook

Mehr zum Thema

Das sollten Sie über Reiseversicherungen wissen