Was Sie über die gesetzliche Pflegeversicherung wissen müssen

Mit zunehmendem Alter steigt das Risiko, zum Pflegefall zu werden, dramatisch an. Das belegt die aktuelle Pflegestatistik des Statistischen Bundesamtes: Während bei den 70- bis 74-Jährigen jeder zwanzigste Pflegebedarf hat, ist bei den 80- bis 84-Jährigen schon jeder Fünfte betroffen. In der Altersgruppe der über 90-Jährigen klettert die Pflegequote sogar auf 64 Prozent. Für die Betroffenen ist der Pflegefall meist mit extremen finanziellen Belastungen verbunden. Ein Heimplatz für Schwerstpflegebedürftige kostet oft weit über 3.000 Euro pro Monat.

Da immer mehr Menschen ein hohes Alter erreichen und damit ein höheres Pflegerisiko besteht, wurde 1995 die gesetzliche Pflegeversicherung eingeführt. Sowohl gesetzlich Versicherte als auch Privatpatienten müssen einzahlen. Auch mit dem Renteneintritt zahlen Sie weiter Beiträge zur Pflegeversicherung. 

Rentner zahlen den vollen Satz der gesetzlichen Pflegeversicherung

Der Beitrag für gesetzlich Versicherte beträgt seit Januar 2015 2,35 Prozent des beitragspflichtigen Einkommens, davon trägt die Hälfte der Arbeitgeber. Rentner zahlen den vollen Satz alleine. 

Wer keine Kinder hat, zahlt mehr in die gesetzliche Pflegeversicherung ein

Kinderlose zahlen einen Aufschlag von 0,25 Prozent (ausgenommen vor dem 1. Januar 1940 geborene Kinderlose und bis zur Vollendung des 23. Lebensjahres). Privatpatienten zahlen altersabhängige Beiträge. Achtung: Trotz unterschiedlicher Beiträge erhalten gesetzlich und privat Versicherte im Pflegefall aus der Pflichtversicherung die gleichen Leistungen. 2017 treten umfangreiche Änderungen in der Pflegeversicherung in Kraft, 2016 ändern sich die gezahlten Leistungen im Vergleich zum Vorjahr jedoch nicht. 

Leistungen der gesetzlichen Pflegeversicherung

Die monatlichen Leistungen aus der Pflegekasse richten sich nach dem Grad der Pflegebedürftigkeit und der Art der Pflege. Wer sich durch Angehörige oder Ehrenamtliche zuhause versorgen lässt, erhält Pflegegeld und zwar 2016 in

  • Pflegestufe 0: 123 Euro (nur bei Demenz)
  • Pflegestufe I: 244 Euro/316 Euro mit Demenz
  • Pflegestufe II: 458 Euro/545 Euro mit Demenz
  • Pflegestufe III: 728 Euro ohne oder mit Demenz

Wer sich zuhause durch einen ambulanten Pflegedienst versorgen lässt erhält Pflegesachleistungen. Das sind 2016 in

  • Pflegestufe 0: 231 Euro (nur bei Demenz)
  • Pflegestufe I: 468 Euro/689 Euro mit Demenz
  • Pflegestufe II: 1.144 Euro/1.298 Euro mit Demenz
  • Pflegestufe III: 1.612 Euro ohne oder mit Demenz
  • Härtefälle: 1.995 Euro

Die ambulanten Pflegesachleistungen können mit dem Pflegegeld kombiniert werden. Pflegende Angehörige können zudem bis zu sechs Wochen Urlaubsvertretung – zum Beispiel durch einen ambulanten Pflegedienst oder einen Tagespflegeplatz – beanspruchen. Außerdem bieten die Kassen Kurse für pflegende Angehörige und beteiligen sich an erforderlichen Umbaumaßnahmen.

Die gesetzlichen Leistungen bei vollstationärer Pflege betragen unabhängig davon, ob eine Demenz vorliegt, 2016 in

  • Pflegestufe I: 1.064 Euro
  • Pflegestufe II: 1.330 Euro
  • Pflegestufe III: 1.612 Euro
  • Härtefälle: 1.995 Euro

Gesetzliche Pflegeversicherung – Ausnahmen für Demenzpatienten

Die Leistungen aus der Pflegekasse beantragen Sie über die Krankenkasse. Ein Gutachter (Medizinischer Dienst) muss den Pflegebedarf offiziell feststellen. Dafür hat die Kasse maximal fünf Wochen Zeit.
Für Demenzpatienten bestehen folgende Ausnahmen:

  • Sie erhalten bis zu 231 Euro Betreuungsgeld auch ohne Anerkennung einer Pflegestufe.
  • Bei ambulanter Pflege gibt es für sie zudem in Pflegestufe I und II Zuschläge von 72 bis 221 Euro monatlich.
  • Seit 2015 können Demenzpatienten erstmals auch Kurzzeitpflege bis zu vier Wochen in stationären Einrichtungen in Anspruch nehmen.
  • Die gesetzliche Pflegeversicherung erstattet dafür maximal 1.612 Euro.
  • Die Unterbringung in ambulant betreuten Wohngruppen (Pflege-WG) wird mit 205 Euro monatlich bezuschusst.

Um im Pflegefall zusätzlich abgesichert zu sein, sollten Sie über den Abschluss einer privaten Pflegeversicherung nachdenken.