Rente – darum ist die Kontenklärung wichtig

Auch wenn für viele Arbeitnehmer der Ruhestand noch in weiter Ferne liegt, kann eine sogenannte Kontenklärung für die Rente schon jetzt sinnvoll sein. Nicht ohne Grund fordert die gesetzliche Rentenversicherung ihre Mitglieder regelmäßig auf, bei ihren Versicherungszeiten auf eventuelle Lücken zu achten. Fehler können schließlich jedem passieren. Fehlzeiten auf dem Rentenkonto könnten Sie jedoch im Ruhestand teuer zu stehen kommen. Lesen Sie hier, worauf Sie dabei achten sollten, wenn Sie Ihr Rentenkonto klären! 

Was steht in den Renteninformationen?

Hierzulande bekommt jeder regelmäßig Post von der Deutschen Rentenversicherung. Der Versicherungsträger verschickt jedes Jahr sogenannte Renteninformationen automatisch an alle Versicherten, die mindestens 27 Jahre alt sind. Diese klären über die individuellen Rentenansprüche auf, wenn mindestens fünf Jahre lang Beitrag gezahlt wurde. Dieser Zeitraum ist Grundvoraussetzung für den Rentenanspruch. Jährlich verschickt die Deutsche Rentenversicherung somit insgesamt etwa 31 Millionen Renteninformationen.

Ab dem 55. Lebensjahr erhalten die Versicherten alle drei Jahre eine ausführliche Rentenauskunft, die einen Ausblick über die potenziellen Rentenbeträge gibt.
Zudem bekommen die Deutschen im Alter von 43 Jahren automatisch einen Versicherungsverlauf. Der Versicherungsverlauf gibt Aufschluss darüber, welche Versicherungszeiten zur Berechnung der gesetzlichen Rente herangezogen werden. Diese sind:

  • Schul- und Studienzeiten ab dem 17. Lebensjahr (maximal acht Jahre)
  • Zeiten der Berufsausbildung
  • Zeiten der Kindererziehung (bis 1991 maximal 24 Monate, danach höchstens 36 Monate)
  • Zeiten der Berufstätigkeit
  • Zeiten mit längerer Krankheit, in denen Krankengeld bezogen wurde, der Arbeitsunfähigkeit oder Rehabilitation
  • Zeiten der Schwangerschaft und des Mutterschutzes
  • Zeiten der Arbeitslosigkeit

Seit Anfang 2017 wird im Rahmen des Zweiten Pflegestärkungsgesetzes (PSG II) auch dafür gesorgt, dass Pflegende, die sich mindestens 14 Stunden pro Woche um einen Pflegebedürftigen kümmern, Rentenbeiträge einzahlen. Für sie zahlt die Pflegekasse oder das private Versicherungsunternehmen des Pflegebedürftigen ein.

Rentenkonto klären, bevor es zu spät ist

Wer nun Lücken in der Berechnungsgrundlage entdeckt oder weiteren Klärungsbedarf hat, kann jederzeit beim Rentenversicherungsträger einen Antrag auf Kontenklärung stellen – wahlweise schriftlich per Post, telefonisch (Rufnummer: 0800/10004800) oder online unter http://www.deutsche-rentenversicherung.de.
Wer noch nicht alle anrechenbaren Beitragszeiten für das Rentenkonto angegeben hat, sollte diesen Schritt nicht bis kurz vor Erreichen des Rentenalters aufschieben. Es gilt nämlich: Je länger die zu klärenden Zeiten zurückliegen, desto schwieriger ist es, fehlende Nachweise vorzulegen.
So hat zum Beispiel das Sozialgericht Mainz einem 62-Jährigen die Anerkennung einer dreijährigen Ausbildung verweigert. Der Mann konnte nur den Ausbildungsvertrag vorlegen, nicht aber ein Abschlusszeugnis. Und da es den Ausbildungsbetrieb schon längst nicht mehr gab, konnte die Deutsche Rentenversicherung nicht mehr einwandfrei feststellen, ob für ihn tatsächlich Beiträge gezahlt wurden (Az. S 10 R 511/14). Eine frühzeitige Kontenklärung kann so einen Fall verhindern.

Kontenklärung sorgt für Verbindlichkeit

Neben alten Zeugnissen und anderen Arbeitsnachweisen kann der Rentenversicherungsträger auch anhand des Sozialversicherungsausweises überprüfen, ob Beiträge gezahlt wurden. In dieses Dokument mussten Arbeitgeber nämlich bis zum Jahr 1991 den Zeitraum der Beschäftigung oder der Arbeitsunfähigkeit sowie das ausgezahlte Entgelt eintragen.
Doch auch wenn alte Unterlagen nicht mehr aufzufinden sind, kann es sich lohnen, einen Antrag auf Kontenklärung zu stellen. Der Rentenversicherer forscht nämlich von sich aus nach, wo es unter Umständen noch Nachweise gibt – er ist per Gesetz dazu verpflichtet, damit jeder seinen Rentenanspruch voll ausschöpfen kann.
Sind alle Lücken geschlossen und Unstimmigkeiten geklärt, erhält der gesetzlich Rentenversicherte zum Abschluss einen Feststellungsbescheid. In diesem werden noch einmal alle beitragsrelevanten Zeiten aufgeführt. Das Besondere daran: Zeiträume, die länger als sechs Jahre zurückliegen, gelten nun als verbindlich festgestellt. Dennoch können sie jederzeit erneut überprüft werden.