Niedrigzinsphase – welche Alternativen zum Sparbuch gibt es?

Bevor wir uns den Alternativen zum Sparbuch zuwenden, werfen wir zuerst einen kurzen Blick aufs Girokonto. Das Konto, auf dem in der Regel die monatlichen Gehaltszahlungen eingehen, ist laut aktuellen Umfragen nach wie vor das beliebteste Bankprodukt fürs Sparen – obwohl es dafür so gut wie keine Zinsen gibt. Viele, die überschüssiges Guthaben auf dem Girokonto ungenutzt liegen lassen, nennen den Aspekt der Sicherheit als wichtigsten Grund dafür. In der Tat ist das Geld durch die Einlagensicherung er deutschen Banken umfassend geschützt. Gegen die Folgen der Inflation hilft das allerdings nicht. Wenn in einer Niedrigzinsphase die Verzinsung Ihrer Ersparnisse unter der Inflationsrate liegt, verliert Ihr Geld langfristig an Wert.

Tipp

Das Girokonto ist fürs Sparen nicht das passende Produkt. 

Sparbuch, Sparkonto, Tagesgeld

Das gute alte Sparbuch zum Durchblättern gibt es bei den meisten Banken schon lange nicht mehr. Es wurde von speziellen Sparkonten und SparCards abgelöst. Doch die Bereitschaft, Geld vom Giro- aufs Sparkonto zu überweisen oder Geldgeschenke darauf einzuzahlen, hat bei den Deutschen nicht nachgelassen. Und das, obwohl es auch bei dieser Form des Sparens seit der anhaltenden Niedrigzinsphase so gut wie keine Zinsen mehr gibt.

Ähnlich sieht es bei den Tagesgeldkonten als Alternative zum Sparbuch aus. Deren Verzinsung orientiert sich in der Regel am Interbankenzinssatz Euribor. Da der aber schon lange in einer Niedrigzinsphase verharrt und seit April 2015 sogar im Minusbereich rangiert (Stand: Juni 2016), können Sparer auch beim Tagesgeld kaum mehr mit Zinsen rechnen. Trotzdem horten mehr als die Hälfte der deutschen Sparer Geld auf solchen Spar- oder Tagesgeldkonten. Der Faktor Sicherheit spielt dabei erneut eine entscheidende Rolle. Das zeigt auch eine Emnid-Umfrage im Auftrag der Postbank:

  • 91 Prozent der Bundesbürger ist es wichtig, dass ihr Geld sicher angelegt ist.
  • Unter den Befragten zwischen 18 und 29 Jahren sind es sogar 99,4 Prozent.
Tipp

Spar- und Tagesgeldkonten sind zwar sehr flexibel, weil dort geparkte Gelder jederzeit verfügbar sind. Angesichts der fehlenden Verzinsung dank der Niedrigzinsphase taugen sie aber nicht für eine langfristige Vermögensbildung.

Festgeld, Sparbrief

Wer weiß, dass er seine Ersparnisse für einen überschaubaren Zeitraum nicht braucht, kann mit Festgeld auch in einer Niedrigzinsphase zumindest etwas mehr Zinsen realisieren. Wie der Name schon andeutet, werden hier vorab bestimmte Bedingungen fest vereinbart. Die Bank legt einen Mindestanlagebetrag (z. B. ab 2.500 Euro), unterschiedliche mögliche Laufzeiten und darauf abgestimmte verbindliche Zinssätze fest. Grundsätzlich gilt: je länger die Laufzeit, desto höher die Verzinsung. Die Niedrigzinsphase hat allerdings dafür gesorgt, dass auch die Festgeldzinsen kaum mehr ausreichen, um den langfristigen Wertverlust der Ersparnisse durch die Inflation auszugleichen.

Sparbriefe funktionieren auf eine ähnliche Art und Weise. Auch bei dieser Form des Sparens werden Zins- und Laufzeit im Vorfeld festgelegt. Die Form der Zinszahlung kann hier je nach Angebot allerdings stark variieren. Die Zinsen können zum Beispiel erst am Ende der Laufzeit ausgezahlt werden. Eine besondere Variante bieten abgezinste Sparbriefe. Hier werden die zu erwartenden Zinsen gleich am Anfang vom Anlagebetrag abgezogen; die festgelegte Summe fällt dann niedriger aus.

Tipp

Mit Blick auf die Zinsen bietet diese Form des Sparens eine Alternative zum Sparbuch. Wer auf Festgeld oder Sparbrief setzt, sollte aber stets bedenken, dass dort geparkte Gelder nicht mehr kurzfristig verfügbar sind.

Wertpapiere

Wer in einer Niedrigzinsphase dennoch mehr aus seinem Geld machen möchte, muss dafür höhere Risiken in Kauf nehmen. Daran führt kein Weg vorbei. Spätestens seit Beginn der Niedrigzinsphase haben die klassischen Sparprodukte ausgedient. Und es gilt, den Blick auf andere Möglichkeiten zu erweitern. Nun rücken Wertpapiere, z. B. Aktien, in den Fokus. Welche Wertpapiervarianten es gibt, lesen Sie hier. Und keine Sorge: Sie müssen nicht zum Aktienhändler werden. Mit der Unterstützung eines Bankberaters kann die geeignete Anlageform für Sie gefunden warden.

Aktien

Die wohl bekannteste Wertpapierart ist die Aktie. Beim Erwerb einer Aktie beteiligen Sie sich an einem Unternehmen und werden somit Miteigentümer dieses Unternehmens. Selten schaffen es Börseneinsteiger jedoch beim Erwerb weniger verschiedener Titel ordentlich zu „diversifizieren“, d. h. das Risiko über verschiedene Aktienwerte zu streuen. Die Verluste einer einzelnen Aktie können durch Gewinne anderer Aktien ausgeglichen werden. Als Lösung bieten sich hier Investmentfonds an.

Investmentfonds

Das Prinzip funktioniert so: Sie und viele andere Sparer vertrauen Ihr Geld einer Fondsgesellschaft an. Deren Experten kümmern sich dann um die Anlage dieser Gelder in offenen Investmentfonds. Offen bedeutet, dass eine Rückgabe der Fondsanteile theoretisch jederzeit möglich ist. Die Auswahl an offenen Fonds ist riesig. Häufig werden die Anlageschwerpunkte bereits im Namen deutlich: Standard-Aktienfonds setzen auf Firmenwerte und bilden dabei häufig Schwerpunkte nach Regionen oder Branchen. Standard-Rentenfonds investieren überwiegend in verzinsliche Wertpapiere mit unterschiedlichen Zinssätzen und Laufzeiten, und zwar fast ausschließlich in solche mit guter bis sehr guter Bonität des Emittenten. Mischfonds können in unterschiedlichste Arten von Wertpapieren oder sonstige Anlageformen investieren. Und Dachfonds legen das bei ihnen angelegte Geld überwiegend in Anteilen anderer offener Investmentfonds an. Immobilienfonds investieren in überwiegend gewerblich genutzte Grundstücke, Gebäude (z. B. Hotels, Büros oder Einkaufspassagen), eigene Bauprojekte und halten daneben liquide Finanzanlagen wie Wertpapiere und Bankguthaben. Diese Fondsart unterliegt allerdings selbst als offener Investmentfonds speziellen Halte- und Anteilsveräußerungsfristen, über welche wir Sie im Genaueren hier aufklären:
Seit dem 01.01.2013 unterliegen Investitionen in offene Immobilienfonds einer Mindesthaltefrist von 24 Monaten, wobei Rückgaben mit einer Frist von 12 Monaten angekündigt werden müssen. Ausnahme: Für Anteile, die zwischen dem 01.01. und 21.07.2013 erworben wurden, gilt eine Freibetragsgrenze von bis zu 30.000 EUR pro Kalenderhalbjahr.

Tipp

Investmentfonds sind eine attraktive Alternative zum Sparbuch. Sie bieten eine hervorragende Möglichkeit, auf einfache Art und Weise vom Börsengeschehen zu profitieren. Sie können im Rahmen von Fondssparplänen häufig auch schon mit kleinen monatlichen Beträgen „bespart“ werden. Die Einlagen eines Investmentfonds sind als Sondervermögen besonders geschützt. Dennoch gibt es Risiken, z. B. aufgrund von Kurs- oder Währungsschwankungen.

ETFs

Eine spezielle Form von Investmentfonds sind sogenannte ETFs (Exchange Traded Funds). Diese speziellen Fonds investieren nicht in einzelnen Firmenwerten, sondern bilden gleichsam den Kursverlauf eines gesamten Börsen-Index (z. B. des Deutschen Aktienindex DAX) ab. 

Staatsanleihen

Auch Staaten leihen sich Geld, in Form sogenannter Staatsanleihen, um ihre Ausgaben zu finanzieren. Wie hoch der Zinssatz ist, den sie ihren Gläubigern dafür bezahlen müssen, wird stark durch die Einschätzung von sog. Ratingagenturen beeinflusst. Sie bewerten, wie hoch das Risiko ist, dass Anleger ihr Geld am Ende der Laufzeit nicht zurückbekommen könnten. Je höher dieses Risiko, desto höher die Verzinsung.

Tipp

Staatsanleihen – insbesondere die der wirtschaftlich starken Industrieländer – gelten als vergleichsweise sichere Geldanlage. Zinsen und Laufzeiten werden im Vorfeld fest vereinbart. Die Renditen liegen oft deutlich höher als beim Sparbuch. Staatsanleihen sind häufig auch Bestandteile von Investmentfonds. Einen guten Überblick über die Funktionsweise von Bundeswertpapieren gibt es auf der Internetseite der Bundesrepublik Deutschland Finanzagentur GmbH.

Unternehmensanleihen

Wenn Sie sich für den Kauf von Aktien oder einem Fonds mit Aktieninvestments entscheiden, erwerben Sie Anteile am jeweiligen Unternehmen. Profitieren können Sie, wenn der Wert dieser Anteile steigt. Und wenn das Unternehmen Sie mit einer sog. Dividende am Erfolg beteiligt. Beim Erwerb von Unternehmensanleihen verhält es sich so wie bei den gerade beschriebenen Staatsanleihen: Sie leihen dem Unternehmen Geld – zu einem festen Zinssatz und über eine fest vereinbarte Zeit. Und wenn sich das Unternehmen wie geplant entwickelt, erhalten Sie Ihr Geld samt Zinsen auch zurück. 

Tipp

Unternehmensanleihen sind eher etwas für Fortgeschrittene in Sachen Geldanlage. Die Risiken sind hoch, sogar Totalverluste sind möglich.

Bitte beachten Sie

Jede Geldanlage ist mit einem gewissen Risiko verbunden. In der Regel steigen mit den Renditechancen einer Anlage auch ihre Risiken. Je nach Wahl der Wertpapier-Anlageform ist insbesondere mit Kurs- bzw. Volatilitätsrisiken, Risiken der Bonität, der Liquidität, der Zinsänderung, der Währung und der Länder sowie steuerlichen Risiken zu rechnen. Sie erhalten Informationen über die speziellen Risiken der jeweiligen Anlageform in den gesetzlich vorgeschriebenen Verkaufsunterlagen oder bei Ihrem Berater.