Patchworkfamilie – Ratgeber zu Geld und Recht

Viele Geschiedene oder Alleinerziehende gehen nach einer Trennung wieder Partnerschaften ein - eine neue Familie entsteht! Gesellschaftlich ist diese sogenannte Patchworkfamilie längst zum Alltag geworden. Doch rechtlich und finanziell steht die neue Lebensgemeinschaft vor vielen Herausforderungen. Wie steht es etwa um den Unterhalt? Welche Rechte und Pflichten haben die Stiefeltern? Und wie sieht es mit Kindergeld und Co. aus? Erfahren Sie hier, wie eine Patchworkfamilie die Finanzen sicher in den Griff bekommt.

Patchworkfamilie – Die Sache mit dem Unterhalt

Im Alltag einer Patchworkfamilie spielt die Blutsverwandtschaft in der Regel keine Rolle. Die Erwachsenen machen keinen Unterschied zwischen ihren leiblichen Kindern und denen ihres neuen Partners. Finanziell hat die Verwandtschaft allerdings großes Gewicht. Die rechtliche Situation sieht nämlich folgendermaßen aus:

  • Für die Kinder einer Patchworkfamilie sind weiterhin die leiblichen Eltern zuständig (Erziehung, Ernährung, Hygiene etc.)
  • Auch jegliche finanzielle Unterhaltsverpflichtung für Kinder ist Sache der leiblichen Eltern
  • Stiefvater oder Stiefmutter müssen also laut Gesetz weder finanziell noch pädagogisch für nicht-blutsverwandte Kinder aufkommen.
  • Stiefeltern haben gegenüber den nicht leiblichen Kindern nur wenige Rechte und Pflichten. Dabei ist es unerheblich, ob Sie den neuen Partner heiraten oder ohne Trauschein zusammenleben.

Ausnahme: „Bedarfsgemeinschaft“

Zwar müssen neue Partner finanziell prinzipiell nicht für ihre Stiefkinder aufkommen – auch dann nicht, wenn sie in einem gemeinsamen Haushalt leben. Das ändert sich jedoch, wenn der leibliche Elternteil arbeitslos wird. In diesem Fall wird die Patchworkfamilie zu einer sogenannten „Bedarfsgemeinschaft“. Zumindest teilweise muss der Geld verdienende Partner dann für seinen Lebensgefährten und dessen Kinder aufkommen.

Patchworkfamilie – Ratgeber Erziehung

Auch wenn Sie im Alltag als Familie zusammenwachsen – als Stiefvater oder Stiefmutter sind Ihre Rechte und Pflichten klar definiert. Teilen sich die leiblichen Eltern das Sorgerecht, entscheidet allein der Elternteil über Alltagsfragen, bei dem sich das Kind aufhält. Ausgehzeiten, Schlafenszeiten oder Kontrollbesuche beim Kinderarzt sind ebenfalls ausschließlich Sache der leiblichen Eltern.
Nur wenn beide Eltern eine Vollmacht erteilen, die Mitsprache- oder Entscheidungsrechte gewährt, dürfen sich Stiefvater oder Stiefmutter an der Erziehung beteiligen. Hat ein Elternteil das alleinige Sorgerecht für ein Kind, dürfen Stiefeltern in seinem Sinne mit entscheiden, wenn er damit einverstanden ist.
Das gilt selbstverständlich nicht nur für die Stiefmutter sondern auch für den Stiefvater. Rechte und Pflichten sind bei Stiefeltern einheitlich geregelt. Das kann im Alltag der Patchworkfamilie für Reibungen sorgen. Schließlich betreut auch der neue Partner die Kinder und muss regulierend eingreifen.

Tipp

Als Stiefelternteil sollten Sie das Thema Erziehung früh thematisieren und mit den leiblichen Eltern klare Vereinbarungen treffen. 

Das Sorgerecht im Todesfall

Stirbt der leibliche Elternteil, haben Stiefmutter oder Stiefvater keine Rechte und Pflichten. Stiefeltern sind keine Verwandten des Kindes. Das Jugendamt wird stattdessen Blutsverwandte des Nachwuchses wie den Ex-Partner oder die Großeltern mit der Betreuung beauftragen. Nur in seltenen Fällen entscheidet das Familiengericht zugunsten der Stiefeltern. Um als Patchworkfamilie Probleme zu vermeiden, ist es deshalb empfehlenswert, eine Sorgerechtsverfügung aufzusetzen.

Patchworkfamilie – Die Krankenversicherung

In der Familienversicherung der gesetzlichen Krankenversicherung sind nur leibliche Kinder mitversichert. Der neue Lebenspartner kann nach einer Eheschließung mitversichert werden. Die Stiefkinder verbleiben weiterhin in der Krankenversicherung von Mutter oder Vater.

Kindergeld, Steuern und sonstige Leistungen

Eine neue Familie, in die bereits vorhandene Kinder aufgenommen werden, beeinflusst Steuern und andere Leistungen deutlich. Die folgende Übersicht schafft Klarheit:

  • Kindergeld: Diese staatliche Leistung erhält nur ein Elternteil – meist der, in dessen Haushalt das Kind lebt. Stiefeltern können in bestimmten Fällen Kindergeld für nicht leiblichen Nachwuchs, der im Patchwork-Haushalt lebt, erhalten. Voraussetzung dafür ist, dass sie mit dem leiblichen Elternteil verheiratet sind oder in einer eingetragenen Lebenspartnerschaft leben.
  • Steuerfreibeträge: Freibeträge bei der Steuer können leibliche Eltern unter bestimmten Voraussetzungen auf Stiefeltern übertragen. Stiefväter oder Stiefmütter müssen dazu mit dem leiblichen Elternteil verheiratet sein oder in eingetragener Lebenspartnerschaft leben.
  • Arbeitslosengeld II, Sozialhilfe: Unabhängig davon, ob der leibliche Elternteil mit Stiefvater oder Stiefmutter verheiratet ist, gelten die Patchwork-Partner im Sozialrecht gemeinsam mit den Stiefkindern als Bedarfsgemeinschaft. Sollen Leistungen für das nicht leibliche Kind beantragt werden, fließt das Einkommen des Stiefelternteils mit in die Berechnung des Anspruchs ein.

Indirekt sind Sie bei Erhalt von Sozialleistungen also tatsächlich für den Unterhalt eines Stiefkindes verantwortlich, obwohl Stiefvater oder Stiefmutter diese Rechte und Pflichten eigentlich nicht haben.

Patchworkfamilie: Erben – aber richtig

Das Ende des Lebens ist in vielen Familien ein Tabuthema, das oft verdrängt wird. In Patchworkfamilien sollten Sie sich aber unbedingt frühzeitig mit dem Erbrecht befassen, denn der Gesetzgeber billigt Stiefkindern zwar die gleichen Freibeträge und Erbschaftssteuersätze zu wie leiblichen Kindern. Automatisch erbberechtigt ist nicht blutsverwandter Nachwuchs aber nicht. Haben Sie bereits Nachwuchs und heiraten einen Partner, der ebenfalls Kinder hat, tritt ohne Testament die gesetzliche Erbfolge ein. Im Todesfall erben der Ehepartner und Ihr leibliches Kind. Stirbt später der neue Partner, geht sein Erbe zusammen mit Ihrem Erbteil an seine leiblichen Kinder. Ihr Kind geht leer aus. Um als Patchworkfamilie Probleme zu vermeiden, sollten Sie gemeinsam mit dem neuen Partner den Nachlass frühzeitig regeln.
Grundsätzlich bieten sich folgende Varianten an:

  • Der neue Ehegatte wird Vorerbe, die leiblichen Kinder werden zu Nacherben bestimmt.
  • Die leiblichen Kinder erben, der neue Ehepartner erhält ein Vermächtnis.
  • Die leiblichen Kinder erben, der Partner und die Stiefkinder erhalten Vermächtnisse.
  • Ehepartner und leibliche Kinder verzichten auf ihren Pflichtteil und das Vermögen wird per Erbvertrag verteilt.

Für Patchworkfamilien ein Muster für ein vorgefertigtes Testament zu finden, ist aufgrund der großen Vielfalt an Familienzusammensetzungen nicht möglich. Es würde nie der individuellen Situation der Familie und dem Willen des Erblassers gerecht. Eine Vermögensaufstellung ist immer eine gute Idee und schafft Klarheit über den zu verteilenden Nachlass.

Tipp

Lassen Sie sich zum Thema Erben in Patchworkfamilien von einem Anwalt beraten. Dessen Rat ist schlussendlich günstiger als ein nicht wirksames oder nicht dem eigentlichen Willen des Erblassers entsprechendes Testament.

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