Wann lohnt sich die private Pflegeversicherung?

Abhängig vom Grad der Pflegebedürftigkeit und der Art der Pflege kommt die gesetzliche Pflegeversicherung für maximal 1.612 Euro pro Monat auf (Pflegestufe III). Dieser Betrag erscheint zwar auf den ersten Blick hoch, doch tatsächlich kostet ein Heimplatz für Schwerstpflegebedürftige oft mehr als das Doppelte. Wer als Pflegefall nicht sein komplettes Vermögen aufzehren möchte, sollte rechtzeitig eine private Pflegezusatzversicherung abschließen. Im Pflegefall zahlt diese dann entweder ein zusätzliches Pflegegeld oder einen prozentualen Zuschuss zu den von der gesetzlichen Versicherung nicht abgedeckten Pflegekosten. Die private Pflegeversicherung zahlt wie die gesetzliche allerdings erst dann, wenn der Pflegebedarf offiziell bestätigt wurde und die gesetzliche Pflegekasse leistet. Ähnlich wie bei privaten Krankenzusatzversicherungen gilt: Je jünger Sie abschließen, desto niedriger die Prämie. Wer bereits eine lange Krankengeschichte aufweist, hat es oft schwer, überhaupt eine bezahlbare Versicherung zu finden.

Ein sorgfältiger Vergleich von privaten Pflegeversicherungen lohnt sich

Eine Ausnahme gibt es jedoch: Seit Anfang 2013 sind staatlich geförderte Pflegetagegeld-Versicherungen auf dem Markt, nach dem ehemaligen Gesundheitsminister Daniel Bahr auch als „Pflege-Bahr“ bezeichnet. Hier dürfen die Gesellschaften unabhängig von der Krankenakte keinen Kunden ablehnen. Wer in so einen Vertrag mindestens 120 Euro jährlich einzahlt, erhält vom Staat zudem einen Zuschuss von 60 Euro. Mitte 2015 hatten bereits mehr als 550.000 Menschen einen geförderten Vertrag abgeschlossen. Verbraucherschützer kritisieren allerdings, dass die Förder-Policen oft ein ungünstiges Preis-Leistungs-Verhältnis bieten, und raten dringend dazu, auch nichtgeförderte Produkte in einen sorgfältigen Vergleich mit einzubeziehen.

Für die Ausgestaltung einer privaten Pflegeversicherung gibt es verschiedene Varianten.

Tipp

Wenn Sie voraussichtlich von Angehörigen oder Bekannten gepflegt werden, entscheiden Sie sich am besten für einen Pflegegeldtarif. 

Zusatzleistungen privater Pflegeversicherungen im Überblick

  • Pflegetagegeldversicherung:
    Bei diesen Policen erhalten Sie als Pflegebedürftiger pro Tag einen festgelegten Betrag, beispielsweise 60 Euro in Pflegestufe III. In Stufe I und II wird nur ein Anteil davon ausgezahlt. Sinnvoll ist ein Inflationsausgleich, das heißt, der Versicherer erhöht regelmäßig den vereinbarten Tagessatz. Damit steigt allerdings auch der Beitrag. Das Pflegetagegeld können Sie frei und ohne Kostennachweis verwenden. Wo und von wem Sie gepflegt werden, spielt keine Rolle. Die Police ist sinnvoll, wenn Sie über ein sicheres Einkommen verfügen und den Vertrag nicht aus Kostengründen vorzeitig aufgeben müssen.
  • Pflegekostenversicherung:
    Diese Zusatzversicherung beteiligt sich nur an den nachgewiesenen Pflegekosten und hier auch nur an den Leistungen aus dem Katalog der gesetzlichen Pflegeversicherung. Bleibt hier nach Leistung aus der gesetzlichen Kasse noch ein Betrag offen, schließt die private Pflegeversicherung die Lücke bis zum vereinbarten Prozentsatz (z. B. 80 Prozent der Restkosten). Die Kosten für Unterkunft und Verpflegung im Heim, für eine private Haushaltshilfe oder für private Gesellschaft (Vorlesen, Spielen, Spazierengehen) deckt die Police aber nicht ab. Wer zu Hause von Angehörigen gepflegt wird, erhält zudem deutlich weniger Geld als jemand, der einen Pflegedienst engagiert.
  • Pflegerentenversicherung:
    Diese Variante wird in der Regel ergänzend zur klassischen Lebens- oder Rentenversicherung angeboten und funktioniert ähnlich. Zunächst muss Kapital angespart werden. Tritt der Pflegefall ein, zahlt die Versicherung daraus dann eine monatliche Rente. Im Vergleich zur Tagegeldversicherung sind Pflegerentenversicherungen deutlich teurer. Allerdings bieten sie die Möglichkeit, mit dem Beitrag eine Zeit lang auszusetzen oder vorzeitig auszusteigen, ohne den kompletten Schutz zu verlieren. Verbraucherschützer beurteilen diese Produkte dennoch eher kritisch.