Was bietet die Zahlungsrichtlinie PSD2?

Die Digitalisierung macht auch vor dem Finanzwesen nicht halt: Sogenannte Digital Natives, die mit dem Internet aufgewachsen sind, nutzen immer häufiger das Online-Banking. Schneller, günstiger, sicherer und insbesondere einfacher soll der Geldtransfer deswegen künftig vonstattengehen. Darüber hinaus wird Freiraum für finanztechnische Innovationen geschaffen. Die notwendigen Rahmenbedingungen definiert die Zahlungsrichtlinie der Europäischen Kommission Payment Service Directive 2 (PSD2). 

Was ist PSD2?

Die Richtlinie trat im Januar 2018 in Kraft, wurde aber bereits zwei Jahre zuvor beschlossen. Finanzielle Daten, die bis dato nur der Hausbank selbst zugänglich waren, stehen nun auch Dritten offen. Außerdem richten Banken Schnittstellen ein, die es Drittanbietern ermöglichen, selbstständig auf die Daten zuzugreifen. Vorausgesetzt natürlich, Sie als Kunde erteilen dem betreffenden Drittanbieter explizit Ihr Einverständnis. Auf diese Weise erhalten Sie zum Beispiel die Option, Überweisungen über andere finanzielle Dienstleister zu tätigen. Ihre PIN und Ihre TAN übermitteln Sie bei der Transaktion zwar nach wie vor, Ihre Hausbank klammern Sie auf diesem Wege jedoch komplett aus dem Prozess des Geldtransfers aus. Damit geht das deutsche Finanzsystem einen richtungsweisenden Schritt in die Zukunft, der nicht zuletzt für mehr Kundensicherheit sorgen wird. Darüber hinaus besagt die Richtlinie, dass Sie bei unautorisierten Kontoaktivitäten nur noch mit 50 Euro haften, sofern Sie nicht selbst fahrlässig gehandelt haben. Zuvor betrug die Haftungssumme 150 Euro. Weiterhin öffnet sich der Finanzmarkt einem gesunden Wettbewerb, der Ihnen eine Reihe von Optionen bezüglich Ihrer finanziellen Entscheidungen zur Verfügung stellt.

PSD2-Auswirkungen – Vorteile für Händler und Verbraucher

Bei Online-Einkäufen ergeben sich reizvolle Vorzüge – sowohl für Händler als auch für den Verbraucher. So haben Online-Shops die Möglichkeit, mehrere Zahlungsoptionen anzubieten. Ihre Kunden suchen sich wiederum den schnellsten und günstigsten Weg aus, um ihre Rechnung zu begleichen. Das hat zum einen den Vorteil, dass der Händler ohne zeitlichen Verzug sein Geld erhält, denn die Zahlung erfolgt in Echtzeit. Außerdem ist eine Zahlung garantiert, da das Konto zum Zeitpunkt der Transaktion gedeckt sein muss. Der Kunde nimmt hingegen dank der zügigen und unkomplizierten Transaktion bereits kurze Zeit später seine Bestellung in Empfang.

Die Tür steht offen für Wettbewerb und Innovationen auf dem Finanzmarkt

Diverse Finanzdienstleister wie auch die Hausbank können die PSD2-Richtlinien für neue Geschäftsmodelle nutzen. Da nun mehr Kundendaten zur Analyse zur Verfügung stehen, gestaltet sich das Online-Kundenerlebnis in Zukunft individueller und einfacher. Die daraus folgende digitale Beratung ist sowohl für den Finanzdienstleister als auch den Kunden effizienter. Einerseits werden Mitarbeiter so effektiver eingesetzt. Andererseits helfen die genaueren Daten der Hausbank und anderen Finanzdienstleistern, exakt auf den Kunden zugeschnittene Angebote zu erstellen. Hierzu gehören unter anderem:

  • Baufinanzierungen
  • Versicherungen
  • Kredite
  • Altersvorsorge
  • Wertpapiere, Fonds und weitere Geldanlagen

Ihnen als Verbraucher wird also eine individuelle Beratung geboten, die Sie selbst mit geringeren finanziellen Mitteln in Anspruch nehmen können. Außerdem stehen Ihnen unkompliziert zahlreiche Optionen zur Geldanlage offen, an die Sie zuvor vielleicht gar nicht gedacht haben. Banken und andere Finanzdienstleister stellen wiederum eine stärkere und vor allem individuelle Bindung zu ihren Kunden her.

Das ist allerdings längst noch nicht alles! Falls Sie mehrere Bankkonten bei unterschiedlichen Banken betreiben, finden Sie inzwischen praktische Applikationen bzw. Plattformen, dank derer Sie auf alle Ihre Konten gebündelt zugreifen. So können Sie mehrere Bankverbindungen gleichzeitig im Auge behalten. Außerdem lassen sich Transaktionen durchführen, ohne stets von einer Homebanking-Plattform zur nächsten wechseln zu müssen.

Auch Sparfüchse kommen dank PSD2 auf ihre Kosten: Entwickler und Programmierer arbeiten bereits jetzt an Applikationen, die Zahlungseingänge und -ausgänge ihrer Nutzer analysieren. Daraus lässt sich eine Art intelligenter Finanzplan erstellen, der Ihnen potenzielle Sparmöglichkeiten aufzeigt. Entsprechend eingestellt, legen die Programme sogar selbstständig Geldsummen zurück.

Dies sind nur einige von zahlreichen Innovationschancen, die die PSD2-Richtlinie und ihre Auswirkungen bieten. Letztendlich stehen dem Kunden mehr Daten zur Verfügung, um auf deren Grundlage ein effektiveres und lukrativeres Geldmanagement zu betreiben.

Stichwort Datenschutz – wieso PSD2 die Kundensicherheit fördert

Oberste Priorität bei der Öffnung der Bankdaten bleibt ohne Frage die Sicherheit des Kunden. Aus diesem Grunde kommen einige Änderungen auf Sie zu: Die althergebrachte TAN-Liste, die Ihnen von Ihrer Hausbank per Post zugeschickt wurde, gehört endgültig der Vergangenheit an. Stattdessen erfolgt eine vollständige Umstellung auf die 2- bis 3-Faktor-Authentifizierung. Hierzu gehört zunächst die übliche PIN. Die TAN-Nummer wird durch einen von der Hausbank zur Verfügung gestellten TAN-Generator oder durch eine spezielle App erstellt. Als dritter optionaler Authentifizierungsfaktor sind biometrische Daten vorstellbar. Hierbei handelt es sich beispielsweise um die Erkennung per Fingerabdruck, Gesicht oder Stimme. Lediglich elektronische Zahlungen unter 30 Euro sind ohne eine solche umfangreiche Authentifizierung möglich. Kommt es trotz dieser strengen Sicherheitsvorkehrungen zu einer nicht-autorisierten Transaktion, sind Banken dazu angehalten, bis spätestens einen Tag danach für den Schaden aufzukommen.

Dank PSD2 werden auch Drittanbieter strenger betrachtet. FinTech-Unternehmen und Finanzdienstleister müssen durch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) autorisiert werden. Erst dann besteht für sie die Option, auf Bankdaten zuzugreifen. Die BaFin sorgt wiederum dafür, dass entsprechende Unternehmen den gesetzlichen Anforderungen und Regulierungen entsprechen. So wird sichergestellt, dass die notwendigen Sicherheitsstandards erfüllt werden, wenn es um finanzielle Transaktionen und Datenaustausch geht. Im Gegenzug sind Drittanbieter motiviert, ihre eigenen Standards höher anzusetzen und sich das Vertrauen der Kunden durch qualitativ hochwertige Angebote zu erarbeiten.

Unsere Empfehlung

Der Postbank Finanzassistent

Mehr zum Thema

BestSign – sicheres Online- und Mobile-Banking per Fingerabdruck