Das sollten Sie über die Rente im Ausland wissen

Viele Menschen träumen davon, nach dem Berufsleben auszuwandern – zum Beispiel in den sonnigen Süden oder in die Berge. Das belegen Zahlen der Deutschen Rentenversicherung: Rund 220.000 Rentner bezogen zuletzt die deutsche Rente im Ausland – Tendenz seit Jahren steigend. Zum Vergleich: 1992 wurde nur etwa die Hälfte – also rund 110.000 deutsche Renten – ins Ausland gezahlt. Der Bezug der Rente im Ausland hat jedoch rechtliche und finanzielle Folgen. Selbst im vereinten Europa sind diverse Amtsgänge nötig.

Auch wenn die „deutsche Rente“ im Ausland beliebt ist, sollten Auswanderer zunächst klären, ob sie dauerhaft oder nur vorübergehend im Ausland leben möchten. Wer beispielsweise seinen Wohnsitz in Deutschland behält und nur die Wintermonate über vor Kälte und Dunkelheit flüchtet, benötigt für den Auslandsaufenthalt eigentlich nur eine gute Auslandskrankenversicherung. 

Rente im Ausland – wann drohen Kürzungen?

Ein Aufenthalt ab sechs Monaten im Ausland gilt in der Rentenversicherung bereits als dauerhaft („gewöhnlicher Aufenthalt“) und kann zu einer Kürzung der Rente führen. Wer in einen Mitgliedsstaat der EU auswandert, erhält in der Regel jedoch den ungekürzten Betrag. Das gilt auch für die staatlich geförderte Riester-Rente. Der Europäische Gerichtshof hat in einem Urteil vom September 2009 festgelegt, dass Riester-Sparer ihre Zulagen behalten dürfen, auch wenn sie den Ruhestand in einem anderen EU-Staat verbringen. Für Pensionen gilt in der Regel das Gleiche wie für Renten im Ausland.

Steuerliche Auswirkungen auf die Rente im Ausland

Leistungen aus der deutschen Rentenkasse und Pensionszahlungen bleiben in Deutschland steuerpflichtig, auch wenn Sie dauerhaft im Ausland leben und dort weitere Einkünfte versteuern. Als Ruheständler müssen Sie auch in Deutschland eine Einkommensteuererklärung abgeben und die fälligen Steuern an den deutschen Fiskus zahlen. Um zu vermeiden, dass Sie doppelt – also im In- und Ausland – zur Kasse gebeten werden, hat Deutschland jedoch mit vielen Staaten sogenannte Doppelbesteuerungsabkommen abgeschlossen.

Tipp

Wer sich längere Zeit im Ausland aufhält, sollte in Deutschland eine Person seines Vertrauens per Vollmacht zur Vertretung in wichtigen Angelegenheiten ermächtigen.

Europäisches Erbrecht regelt den Nachlass

Wenn Sie im Ausland leben, sollten Sie sich unbedingt rechtzeitig um Ihren Nachlass kümmern. Denn hier hat sich am 17. August 2015 Grundlegendes geändert: Seitdem gilt das europäische Erbrecht. Im Todesfall eines im Ausland lebenden EU-Bürgers werden nunmehr automatisch die Erbschaftsregelungen des Staates angewendet, in dem der Verstorbene zuletzt seinen Lebensmittelpunkt hatte. Diese neue Erbrechtsverordnung gilt in allen EU-Ländern außer Großbritannien, Irland und Dänemark. Deutsche Staatsbürger haben allerdings die Möglichkeit, in ihrem Testament die Anwendung deutschen Erbrechts zu verfügen.

Diese Testamentsregeln gelten für den Ruhestand im Ausland

Bislang wurde beim Tod eines Deutschen grundsätzlich deutsches Erbrecht angewendet – unabhängig vom Ort des Versterbens. Nur in Ausnahmefällen, etwa wenn Immobilien im Ausland zum Nachlass gehörten, konnten weitere Rechtsordnungen ins Spiel kommen.

Auch bestehende Testamente sollten unbedingt im Licht der neuen europäischen Rechtsprechung überprüft werden. Als dauerhaft oder teilweise im Ausland lebender Deutscher können Sie im Testament vorab explizit festlegen, dass Ihr Erbe nach deutschem Recht verteilt werden soll – unabhängig vom Lebensmittelpunkt im Todesfall. Dafür reicht ein entsprechender Zusatz.

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