Der Euro als schwache Währung – Börsenentwicklung

Musste man vor Beginn der Finanzkrise 2008 noch über 1,60 US-Dollar für einen Euro bezahlen, so dümpelt der Kurs schon seit Herbst 2014 unter der Marke von 1,20 US-Dollar. Viele Unternehmen freuen sich darüber, wenn der Euro schwächelt. Denn ein schwacher Euro stärkt den Export. Waren aus der Eurozone werden dadurch im Ausland günstiger. Und auch an den Börsen wird ein sinkender Euro eher bejubelt. Aber warum eigentlich? 

Schwache Währung – ein Segen für den Export!

Viele Anleger sehen in einer Phase der Euro-Schwäche ein Konjunkturprogramm für die Wirtschaft. Denn je weniger ein Euro in fremder Währung kostet, desto billiger können ausländische Kunden in der Eurozone einkaufen. Das kurbelt die Nachfrage nach europäischen Produkten an. Außerdem bleibt beim im Ausland erzielten Umsatz nach der Umrechnung in Euro mehr übrig, wenn die eigene Währung schwach ist. 

Wie beeinflusst der Euro die Börsenentwicklung?

Wie die Aktienkurse exportstarker Unternehmen vom Euro als schwacher Währung profitieren, zeigt ein Blick auf die Börsenentwicklung des DAXplus Export-Index. Darin sind die zehn exportstärksten deutschen Großunternehmen abgebildet. Dieser Index stieg in den vergangenen drei Jahren um rund 67 Prozent (Stand: Ende Juni 2016). Der Leitindex DAX stieg im selben Zeitraum nur um rund 26 Prozent. 

Wie Anleger vom schwachen Euro profitieren können

Anleger können sich bei der Auswahl ihrer Investments für Branchen entscheiden, die von der Euro-Schwäche profitieren. Das sind vor allem exportorientierte Branchen wie der deutsche Maschinen- und Fahrzeugbau oder die chemische und pharmazeutische Industrie. Auch die sehr stark exportorientierten Autobauer können vom schwächelnden Euro profitieren. Hier greift ein weiterer Effekt: Bei einem von Daimler in den USA produzierten Geländewagen fallen Lohn- und Materialkosten in US-Dollar an, auch der Verkauf wird in US-Dollar gebucht. Umsatz und Kosten entstehen also in der gleichen Währung; die Marge bleibt von Wechselkursschwankungen unberührt. Bei der Konzernbilanz tritt jedoch der sogenannte Transaktionseffekt ein: Durch die Umrechnung in Euro steigen Umsatz und Gewinn proportional zum günstigen Wechselkurs des Euro gegenüber dem US-Dollar. Hier wirkt sich die schwache Währung positiv auf die Börsenentwicklung des Unternehmens aus. 

Schwacher Euro, starker DAX? So einfach ist es nicht

Eine Anlageentscheidung allein von Wechselkursen abhängig zu machen, wäre dennoch grundlegend falsch. Die neuerliche Euro-Schwäche seit dem Brexit-Entscheid am 23. Juni etwa wird auf dem Börsenparkett eher skeptisch gesehen – nämlich als Abkehr ausländischen Kapitals von der Eurozone. Erste Experten fürchten bereits, künftig könne gelten: Fällt der Euro, fällt der DAX.