Betrug am Automaten – Tipps gegen Skimming

Trickbetrüger entwickeln immer einfallsreichere Methoden, um an Geldautomaten Zahlungsdaten auszuspähen. Dadurch wird es schwieriger, Skimming-Versuche frühzeitig zu erkennen. Doch mit ein paar simplen Tipps sichern Sie Ihre EC-Karte vor Datendiebstahl. 

Skimming – wie schütze ich mich vor Datenraub am Geldautomaten?

Beim Skimming versuchen Gauner, illegal an Kontodaten oder PIN-Nummern von Bankkunden zu gelangen. Dafür werden Geldautomaten meistens mit raffinierten technischen Hilfsmitteln manipuliert. Entweder bringen Betrüger ein Lesegerät direkt am Kartenschacht an oder sie versuchen, die PIN-Eingabe mit einer Mikrokamera zu filmen. Äußerst schwer zu durchschauen ist das sogenannte Deep-Insert-Skimming, bei dem ein winzig kleines Lesegerät direkt in den Kartenschlitz eingeschoben wird. Wieder andere Methoden funktionieren mittels Beeinträchtigung des Tastenfeldes: Entweder werden Attrappen aufgesetzt, welche die PIN-Eingabe speichern, oder es werden Wärmebildkameras installiert, mit denen sich die Eingabe der Geheimnummer noch einige Zeit später nachvollziehen lässt. Selbst die Türöffner von Bankfilialen wurden bereits für Skimming-Attacken umgebaut.

Die Intention hinter diesem Geldautomatenbetrug ist klar: Mit Ihrer Kontonummer und PIN in der Tasche wollen Betrüger Ihr Konto plündern. Die Abbuchung führen sie dann oft mit einer kopierten EC- oder Kreditkarte durch. 

Skimming – im Ausland ist doppelte Vorsicht geboten

2016 wurden in Deutschland 159 Skimming-Fälle gemeldet. Mit Abstand die größte Zahl an Manipulationsversuchen gab es dabei in Berlin – 111 erfolgreiche Ausspähungen wurden allein in der Bundeshauptstadt registriert. Dabei entstand insgesamt ein Schaden von rund 1,8 Millionen Euro.

Die gute Nachricht für alle Verbraucher – in Deutschland haben es Skimming-Betrüger immer schwerer, PIN- und Kontodaten von Bankautomaten abzugreifen. Das liegt u. a. an der Einführung des EMV-Chips, der die auf Giro- und Kreditkarten gespeicherten Daten schützt. Mit dieser Technik wird Ihre Bankkarte bei jedem Einsatz auf Echtheit geprüft. Die Daten des Magnetstreifens reichen dazu nicht mehr aus. Zudem wird der Geldautomat mit mehr Sicherheit versehen: In der EU sind die meisten Geräte mittlerweile mit moderner Anti-Skimming-Technologie ausgestattet. Grüne Plastikaufsätze am Kartenschacht („Froschmäuler“) oder Digitaltechnik, die Datenübertragungen verhindert, schützen relativ zuverlässig vor Betrugsversuchen.

Bei einem Auslandsaufenthalt steigt die Skimming-Gefährdung allerdings rasant an. Viele nicht-europäische Länder haben die EMV-Technik noch nicht eingeführt, auch die Geldautomaten in diesen Regionen sind teilweise veraltet und deshalb besonders einladend für Trickbetrüger. Im Jahr 2016 gab es 232 Fälle, bei denen deutsche Bankkarten im Ausland ausgespäht wurden. Italienreisende waren besonders betroffen, auch in Großbritannien und der Türkei gab es zahlreiche Fälle. 

Augen auf und Hände drauf – so schützen Sie sich vor Skimming-Attacken

Um Ihr Erspartes generell vor Kriminellen zu schützen, gibt es einige einfache Tipps, die Sie in jedem Fall beherzigen sollten. Zunächst gilt es, äußerst sorgsam mit Ihren Zahlungsdaten umzugehen. Deshalb gehören EC-Karte und PIN-Nummer niemals zusammen ins Portemonnaie. Optimalerweise ist Ihre Banking-PIN im Gehirn gespeichert – und nirgendwo sonst (PC, Handy, Tablet etc.).

Elektronische Zahlungsmittel gehören außerdem in eine sichere Innentasche und sollten niemals unbeaufsichtigt offen herumliegen oder Dritten überlassen werden. Wer zudem regelmäßig seinen Kontostand und den Besitz seiner Girokarte überprüft, kann im Betrugsfall deutlich schneller reagieren. Wenn Ihnen die Karte einmal abhandenkommen sollte, lässt sich diese unter der kostenlosen Rufnummer 116 116 schnell und unkompliziert sperren. Gegen Skimming helfen folgende zusätzliche Maßnahmen und Tipps, die Sie am Geldautomaten beachten sollten:

  • Seien Sie schon beim Betreten Ihrer Bankfiliale wachsam. Kein Geldinstitut verlangt für den Zugang zum Geldautomaten die Eingabe der PIN.
  • Nutzen Sie – falls verfügbar – für den Türöffner und für den Automaten zwei unterschiedliche Karten.
  • Schauen Sie sich den Geldautomaten genau an, bevor Sie Ihre Bankkarte hineinstecken. Melden Sie Auffälligkeiten am Kartenschlitz, an der Tastatur oder in der direkten Umgebung umgehend bei Ihrem Bankberater, bei der kostenlosen Telefon-Hotline der Postbank (Tel. 0800-0332565) oder bei der Polizei
  • Brechen Sie den Abbuchungsvorgang sofort ab, wenn sich eine verdächtige Person nähert. Geben Sie Ihre PIN-Nummer niemals im direkten Beisein von fremden Menschen ein.
  • In einer Warteschlange achten Sie auf gebührenden Abstand zum nachfolgenden Kunden. Bitten Sie andere Besucher im Zweifelsfall darum, Diskretion und Sicherheitsabstand zu wahren.
  • WICHTIG: Verdecken Sie bei der PIN-Eingabe die Tastatur mit der anderen Hand oder einem geeigneten Gegenstand. So wird es für Kameras oder andere Personen fast unmöglich, Ihre PIN auszuspähen.
  • Heben Sie – soweit möglich – immer am gleichen Geldautomaten Bargeld ab. Eventuelle Manipulationen an dem Gerät werden Ihnen so leichter auffallen

Skimming 2.0 – Wachsamkeit auch beim Online-Shopping geboten

Da Geldautomaten in der EU zunehmend betrugssicherer werden, gehen Gauner immer öfter andere Wege, um Verbraucher zu prellen. So sind mittlerweile viele Fälle bekannt, in denen Skimming auch im Einzelhandel praktiziert wird. Aus diesem Grund gelten für die bargeldlose Bezahlung im Supermarkt, im Modegeschäft oder am Fahrkarten- und Tankautomaten selbstverständlich die gleichen Sicherheitstipps wie am EC-Automaten.

Noch dramatischer sind die Betrugsfälle im Onlinehandel. Laut Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) sind derzeit über tausend deutsche Internetshops manipuliert. Bei einer brandaktuellen Skimming-Variante nutzen Hacker Sicherheitslücken in veralteter Bezahlsoftware vom Typ Magento, um Bankdaten von Kunden abzugreifen. Ob ein Shop akut betroffen ist, können Kunden und Betreiber über den kostenlosen Security-Scan MageReport.com herausfinden. So wappnen Sie sich im Zweifelsfall davor, dass Betrüger mit Ihren Bankdaten im Internet auf Shoppingtour gehen.

Die Frage der Haftung – wer kommt für den Schaden auf?

Beim Skimming am Geldautomaten haftet in vielen Fällen nicht der Kunde, sondern die Bank für den entstandenen Schaden. Mit einem Grundsatzurteil stärkte der BGH im November 2011 die Rechte des Verbrauchers nach Skimming-Angriffen. Da die Abbuchung mit gefälschten EC-Karten häufig im Ausland passiert, können Kunden schließlich relativ einfach nachweisen, dass sie nicht vor Ort waren. Erst wenn Banken beweisen können, dass bei beanstandeten Abbuchungen PIN und Originalkarte im Spiel waren, ist der Kunde in der Pflicht. Gerade deshalb ist es sehr wichtig, dass Verbraucher äußerst sorgfältig mit Bankkarte und PIN umgehen. So sind Sie mit einer guten Portion gesundem Menschenverstand und Wachsamkeit vor Skimming weitestgehend abgesichert.