Steuererklärung – was gilt es zu beachten?

Belege sammeln, Formulare ausfüllen und das alles auch noch zu einem bestimmten Stichtag erledigen – eine Steuererklärung gehört zum Pflichtprogramm für alle, die ein Einkommen beziehen. Doch obwohl die Erklärung jedes Jahr fällig wird, stellt sie für viele immer wieder eine Herausforderung dar: Was muss ich beachten? Welche Formulare sind für mich relevant? Lesen Sie hier die Antworten auf die wichtigsten Fragen. 

Wer muss eine Steuererklärung ausfüllen und bis wann?

Wenn Ihr Einkommen den Grundfreibetrag von 8.820 Euro pro Jahr (für Ehepaare gilt der doppelte Wert) übersteigt, müssen Sie eine Steuererklärung machen. Auch wenn Sie selbstständig sind, eine Wohnung oder ein Haus vermieten, Arbeitslosengeld oder eine Rente beziehen, müssen Sie einmal im Jahr eine Einkommensteuererklärung abgeben. Dasselbe gilt für zahlreiche Angestellte. Arbeitnehmer sind dazu verpflichtet, wenn

  • sie die Steuerklasse III oder V haben.
  • sie mehrere Arbeitgeber haben und der Lohn nicht pauschal versteuert wurde.
  • sie geschieden wurden und im gleichen Jahr wieder geheiratet haben.
  • das Finanzamt ihnen oder dem Ehepartner Freibeträge eingetragen hat.
  • sie neben dem Gehalt auch Lohnersatzleistungen erhalten haben (Arbeitslosengeld, Elterngeld, Kurzarbeitergeld oder Krankengeld über 410 Euro pro Jahr).

Rentner müssen eine Steuererklärung nur dann abgeben, wenn der zu besteuernde Anteil ihrer Rente mehr als 730 Euro pro Monat beträgt.

Für die Abgabe der Einkommensteuererklärung haben Sie bis zum 31. Mai des Folgejahres Zeit – die Steuererklärung für das Jahr 2016 bekommt das Finanzamt also spätestens am 31. Mai 2017. Lassen Sie Ihre Steuererklärung vom Steuerberater oder von einem Lohnsteuerhilfeverein erstellen, endet die Abgabefrist am 31. Dezember des Folgejahres.

Wenn Sie diesen Termin verpasst haben, sollten Sie so schnell wie möglich eine Fristverlängerung beantragen, bevor es dem Finanzamt auffällt und die Behörde einen Verspätungszuschlag verlangt. Ein neuer Abgabetermin Ende September wird zumeist ohne großes Aufheben gewährt. Manchmal wartet das Finanzamt sogar bis zum Jahresende.

Sie können allerdings auch dazu aufgefordert werden, eine Steuererklärung abzugeben. Dies geschieht meist, indem Ihnen die relevanten Formulare unter Angabe einer Abgabefrist per Post zugesandt werden.

Darüber hinaus besteht die Möglichkeit, freiwillig eine Steuererklärung zu erstellen. Dies kann sich vor allem dann lohnen, wenn Sie zum Beispiel bei einer Einkunftsart Verluste verbucht oder gerade geheiratet haben. Übrigens: Freiwillige Steuererklärungen sind bis zum 31. Dezember des vierten Kalenderjahres, das auf das betreffende Jahr folgt, abzugeben. Für das Jahr 2016 haben Sie also bis zum 31. Dezember 2020 Zeit.

Tipp

Wenn Sie vom Finanzamt eine Steuererstattung erwarten, sollten Sie Ihre Steuererklärung so schnell wie möglich erledigen. So können Sie die zurückgezahlte Summe so bald wie möglich verplanen. 

Welche Formulare gibt es bei einer Steuererklärung?

Zu jeder Steuererklärung gehört der sogenannte Mantelbogen. In ihm müssen Sie Ihren Namen und andere persönliche Daten sowie Ihre Bankverbindung eintragen. Auf der letzten Seite müssen Sie außerdem unterschreiben.

Für jede Art von Einkommen gibt es zur Steuererklärung außerdem ein anderes Formular, das Sie ausfüllen. Zum Beispiel

  • die Anlage N für Einkünfte aus nichtselbstständiger Arbeit,
  • die Anlage KAP für Einkünfte aus Geldanlagen,
  • die Anlage R für Ruheständler,
  • die Anlage V für Einnahmen aus Vermietungen und Verpachtungen oder
  • die Anlage SO für sonstige Einkünfte etwa aus Unterhaltsleistungen.

Darüber hinaus existieren noch zahlreiche Sonderformulare, beispielsweise

  • die Anlage Kind für die Berücksichtigung von Aufwendungen und Freibeträgen für Kinder,
  • die Anlage U für Geschiedene oder dauerhaft getrennt Lebende,
  • die Anlage Vorsorgeaufwand, in der Sie unter anderem Ihre Beiträge zur gesetzlichen Renten-, Kranken- und Pflegeversicherung eintragen oder 
  • die Anlage AV für Zahlungen in Ihre Riester-Rente.

Die Steuererklärung – welche Belege müssen Sie sammeln?

In den meisten Fällen hat Ihr Arbeitgeber bereits alle relevanten Daten wie zum Beispiel die Höhe des Bruttoeinkommens, die Steuerklasse, die Zahl der eingetragenen Kinderfreibeträge usw. elektronisch an Ihr Finanzamt geschickt. Diese Informationen müssen Sie also nicht mehr belegen – es genügt, wenn Sie Ihre Steueridentifikationsnummer oder die sogenannte eTIN angeben. Diese finden Sie auf Ihrer monatlichen Lohnabrechnung.

Wenn Sie aber Ausgaben haben, die Ihre Steuerbelastung reduzieren, müssen Sie für diese unbedingt Belege vorlegen. Zum Beispiel in Form von Spenden- oder Tankquittungen, Verlustbescheinigungen, Rechnungen usw.

Wenn Sie einen Beleg gar nicht erhalten oder verloren haben, können Sie einen sogenannten Eigenbeleg schreiben. Darauf machen Sie folgende Angaben:

  • Name des Zahlungsempfängers,
  • Art der Aufwendung,
  • Zahlungsdatum,
  • Betrag und
  • Grund für die Ausstellung des Eigenbelegs.

Jetzt müssen Sie nur noch unterschreiben sowie Ort und Datum der Ausstellung hinzufügen.

Wie können Sie Steuern sparen?

Der Bund der Steuerzahler Deutschland e. V. nennt vor allem vier Bereiche, mit denen Sie Ihre Steuerbelastung senken können:

  1. Werbungskosten:

    Dazu können Sie alle Ausgaben zählen, die im Zusammenhang mit Ihrem Beruf entstehen, also beispielsweise für Bewerbungen, Fortbildungen, Fachbücher, typische Arbeitskleidung und ihre Reinigung oder auch für die Fahrtkosten zu und von der Arbeit. Ziehen Sie um, weil Sie einen neuen Job antreten, können Sie diese Kosten ebenfalls hinzuzählen. Die Summe tragen Sie in die Anlage N ein.

    Belege für diese Ausgaben zu sammeln, lohnt sich aber nur, wenn Sie am Jahresende mehr als 1.000 Euro zusammenbekommen. Bleiben Sie unter diesem Betrag, kommen Sie in den Genuss des Arbeitnehmer-Pauschbetrags in Höhe von 1.000 Euro, den das Finanzamt automatisch berücksichtigt.

  2. Sonderausgaben:

    Dazu zählen Ihre Ausgaben zur Altersvorsorge, also die Beiträge zur Kranken, Pflege- und Rentenversicherung. Absetzen können Sie auch Policen, die Sie im Fall von Arbeitslosigkeit, Berufsunfähigkeit, Unfall oder Haftpflichtschäden schützen. Außerdem erkennt das Finanzamt als sonstige Sonderausgaben unter anderem Kinderbetreuungskosten oder Unterhaltszahlungen an. Den Sonderausgabenpauschbetrag von 36 Euro (Singles) beziehungsweise 72 Euro (Ehepaare und Lebenspartner) berücksichtigt das Finanzamt automatisch, wenn Sie keine weiteren Angaben machen.

  3. Außergewöhnliche Belastungen:

    Sie werden meist im Mantelbogen eingetragen. Darunter fallen beispielsweise Krankheitskosten (Zuzahlungen für Medikamente, Zahnersatz, Brillen, Prothesen und Kuren), Unterhaltskosten oder Kosten infolge von Sturm-, Hochwasser- oder Unwetterkatastrophen. Das Finanzamt berücksichtigt die außergewöhnlichen Belastungen in der Steuererklärung jedoch nur, wenn sie einen bestimmten Betrag übersteigen: die sogenannte zumutbare Eigenbelastung. Deren Höhe hängt von Ihrem Einkommen, Ihrem Familienstand und der Anzahl Ihrer Kinder ab.

  4. Steuerermäßigungen:

    Wenn Sie ein Haus oder eine Wohnung mieten, lohnt sich ein Blick in die Nebenkostenabrechnung: Werden die Kosten für die Reinigung des Treppenhauses oder des Gartens auf alle Mieter der Immobilie umgelegt, können Sie von Ihrem Anteil 20 Prozent der Arbeitskosten als haushaltsnahe Dienstleistung steuermindernd ansetzen. Das Finanzamt beteiligt sich auch an Ihren privaten Umzugskosten: Bewahren Sie deshalb Belege, die bei der Renovierung der alten und der neuen Wohnung anfallen, sowie die Rechnung des Umzugsunternehmens auf. Allerdings können Sie nur die Arbeits- und nicht die Materialkosten von der Steuer absetzen.

    Wenn Sie eine Immobilie besitzen, können Sie Ihre Ausgaben für sogenannte haushaltsnahe Dienstleistungen (Putzen, Gartenpflege, etc.) absetzen: Das Finanzamt erkennt 20 Prozent der Ausgaben, maximal jedoch 4.000 Euro pro Jahr an. Handwerkerrechnungen sollten Sie ebenfalls aufbewahren: Für jede bezahlte Arbeitsstunde können Sie bei Ihrer Einkommensteuererklärung ebenfalls 20 Prozent, höchstens jedoch 1.200 Euro pro Jahr, ansetzen.

Wie funktioniert die elektronische Steuererklärung ELSTER?

Um die elektronische Steuererklärung nutzen zu können, müssen Sie sich einmalig bei den Finanzbehörden anmelden. Das kostenfreie Basispaket ist in der Regel für Arbeitnehmer und Kleinunternehmer vollkommen ausreichend. Nach dem Einloggen in das System können Sie die verschiedenen Formulare aufrufen und direkt am Computer ausfüllen. Es besteht auch die Möglichkeit, die sogenannte vorausgefüllte Steuererklärung zu nutzen. Hier sind bereits alle Daten wie die Steuernummer und die Angaben Ihres Arbeitgebers gespeichert. Sie müssen selbst lediglich weitere Einkünfte und die möglichen steuermindernden Ausgaben eintragen. Die vollständig ausgefüllte und mit Ihrer elektronischen Unterschrift versehene Erklärung schicken Sie direkt online an Ihr Finanzamt. Alle weiteren Belege sollten Sie gut aufbewahren, denn das Finanzamt könnte sie nachträglich anfordern. Ohne elektronische Unterschrift drucken Sie nach dem Absenden des Formulars eine Kompaktversion der Erklärung aus und schicken diese unterschrieben an das Finanzamt. Die elektronische Steuererklärung bietet Ihnen folgende Vorteile:

  • weniger Eingabefehler,
  • weniger Belege, da nur die gesetzlich vorgeschriebenen Belege eingereicht werden müssen,
  • bevorzugte Bearbeitung,
  • Plausibilitätsprüfung und Vorabberechnung der zu erwartenden Steuern/eventueller Erstattungen.
Tipp

Das Programm der Finanzverwaltung gibt keine Hinweise zum Steuersparen. Daher ist es sinnvoll, in eine gute Steuersoftware zu investieren. 

Was passiert, nachdem Sie Ihre Steuererklärung inklusive Belege an das Finanzamt geschickt haben?

Nach einigen Wochen erhalten Sie per Post Ihren Steuerbescheid. Dieser enthält sämtliche Angaben, die berücksichtigt wurden. Sie erfahren, ob Sie eine Steuererstattung erhalten oder Steuern nachzahlen müssen. In jedem Fall sollten Sie prüfen, ob das Finanzamt Ihre Informationen und Zahlen richtig übernommen hat. In der Rubrik „Erläuterungen“ können Sie nachlesen, welche Beträge die Behörde in Ihrem Fall berücksichtigt hat, um Ihre Steuerbelastung zu senken. Falls Sie die Erklärungen nicht nachvollziehen können, machen Sie am besten einen Termin beim Finanzamt, bei dem örtlichen Lohnsteuerhilfeverein oder bei einem Steuerberater aus. 

Tipp

Wenn Sie mit dem Steuerbescheid nicht einverstanden sind, können Sie schriftlich Einspruch einlegen. Dafür haben Sie vier Wochen nach Erhalt des Schreibens Zeit.