Erwerbsunfähigkeitsversicherung – finanzielle Hilfe beim Verlust der Arbeitskraft

Auch Menschen, die sich vorbildlich ernähren, nicht rauchen, regelmäßig Sport treiben und motiviert ihrer Arbeit nachgehen, sind vor Schicksalsschlägen nicht gefeit. Heutzutage wird nach Angaben des Bundesverbandes der Versicherungsberater jeder Vierte im Laufe seines Berufslebens erwerbsunfähig. Das entspricht 25 Prozent aller Arbeitnehmer und ist im Vergleich zu vielen anderen Risiken, die von Versicherungen abgedeckt werden, ein sehr hoher Wahrscheinlichkeitswert.

Wogegen schützt diese Sonderform der Risikoversicherung?

Eine Erwerbsunfähigkeitsversicherung schützt Sie vor dem Fall ins finanziell Bodenlose, wenn Sie eines Tages aus eigener Arbeitskraft heraus nicht mehr zu Ihrem Lebensunterhalt bzw. dem Ihrer Familie beitragen können, weil Sie erwerbsunfähig geworden sind. Selbst, wenn Sie wollten: Ihre Gesundheit erlaubt es Ihnen nicht mehr oder nur in einem ganz geringen Umfang, am Erwerbsleben teilzunehmen. Selbst wenn Ihre Belastbarkeit so stark eingeschränkt ist, dass Sie eine volle gesetzliche Erwerbsunfähigkeitsrente erhalten, sind Sie nicht ausreichend abgesichert. Denn die gesetzliche Rente betrug nach Angaben der Deutschen Rentenversicherung im Jahr 2014 durchschnittlich lediglich 627 Euro pro Monat. Das reicht bei den meisten Menschen kaum für die Deckung der laufenden Kosten.

Viel Schutz zu günstigen Konditionen

Eine Erwerbsunfähigkeitsversicherung ist vergleichsweise günstig, also auch günstiger als die Berufsunfähigkeitsversicherung – mit der sie allerdings auch nicht verwechselt werden sollte. Denn die Erwerbsunfähigkeit bezieht sich auf den grundsätzlichen Verlust der Arbeitskraft durch gesundheitliche oder körperliche Versehrtheit. Erwerbsunfähigkeit heißt: Betroffene sind nicht mehr in der Lage, aus eigener Kraft einer regelmäßigen Arbeit nachzugehen, ganz gleich, welcher Art von beruflicher Tätigkeit. Dieser Umstand kommt deutlich seltener vor als der, dass man in dem aktuell ausgeübten Beruf nicht mehr arbeiten kann. Deshalb ist die Erwerbsunfähigkeitsversicherung auch günstiger als die Berufsunfähigkeitsversicherung.

Besteht die Möglichkeit auf den Abschluss einer Berufsunfähigkeitsversicherung, so sollte diese immer die erste Wahl sein. Sie bietet umfassenden Schutz. Eine Erwerbsunfähigkeitsversicherung versteht sich dagegen als Basisschutz und ist eine vernünftige Alternative für Kunden, die sich eine Berufsunfähigkeitsversicherung nicht leisten können.

Welche Bedingungen müssen im Leistungsfall vorliegen?

Sie sollten wissen, dass eine Erwerbsunfähigkeit vorliegt, wenn Sie keiner Beschäftigung mehr nachgehen können, die zu Ihrem Lebensunterhalt beitragen könnte. Sie sichern sich also nicht gegen die verminderte oder gar nicht mehr vorhandene Leistungsfähigkeit in einem bestimmten Beruf ab, sondern gegen den fast vollständigen Verlust Ihrer Arbeitskraft. Sie könnten also im Zweifelsfall nicht einmal mehr einen ähnlichen, anderen und auch weniger anspruchsvollen Job als den bisher gewohnten annehmen. Selbst wenn Sie wollten: Sie stehen aus gesundheitlichen Gründen dem Arbeitsmarkt nicht mehr zur Verfügung.

Wer aus gesundheitlichen Gründen auf absehbare Zeit nicht dazu in der Lage ist, mindestens drei Stunden täglich einer Arbeit nachzugehen kann, gilt als voll erwerbsgemindert. Besonders gute Anbieter definieren die „absehbare Zeit“ dabei als einen Zeitraum von länger als sechs Monaten. Anspruch auf die gesetzliche Erwerbsunfähigkeitsrente haben Sie zudem nur, wenn Sie in den letzten fünf Jahren vor Eintritt der Erwerbsminderung drei Jahre Pflichtbeiträge für eine versicherte Beschäftigung oder Tätigkeit geleistet haben und vor Eintritt der Erwerbsminderung die allgemeine Wartezeit von fünf Jahren erfüllt haben.

Was sind die häufigsten Ursachen für eine Erwerbsunfähigkeit?

Die Rangliste der häufigsten Ursachen für den Verlust der Arbeitskraft laut dem Analysehaus Morgen & Morgen (M&M):

  1. Psychische Erkrankungen
  2. Orthopädische Beschwerden
  3. Allgemeine organische, chronische und sonstige Erkrankungen
  4. (bösartige) Tumorerkrankungen
  5. Unfälle
  6. Herz-, Kreislauf- und Gefäßerkrankungen

An dieser Rangliste ist der Anteil von etwa 30 Prozent psychischer Erkrankungen als mit Abstand größter Ursache für Erwerbsunfähigkeit auffällig. An fünfter Stelle rangieren mit „nur“ rund zehn Prozent die Unfälle als Auslöser. Aber diese ereignen sich zu einem weitaus höheren Anteil im privaten Bereich als häufig angenommen. Nur rund ein Drittel aller Unfälle mit schwerwiegenden Folgen ist im näheren oder erweiterten Arbeitsumfeld angesiedelt. Lediglich in solchen Fällen treten bekanntlich auch die Berufsgenossenschaften für einen finanziellen Versorgungsausgleich ein.

Wie wirkt sich der persönliche Lebensstil auf den Tarif aus?

Versicherungen müssen sich ein genaues Bild über die Risiken machen, die sie versichern. Neben allgemeinen Gesundheitsfragen gehören auch Fragen nach gefährlichen Hobbys, sportlichen Aktivitäten und anderen Besonderheiten zu den üblichen Standards, um einen monatlichen Beitrag festzulegen. Wenn die versicherte Person besonders risikofreudigen Freizeitaktivitäten nachgeht oder sorglos mit ihrer Gesundheit umgeht, wirkt sich dieses Risiko auch auf die Beiträge aus. Für Ihre eigenen Berechnungen sind vor allem drei Kriterien von Bedeutung, aus denen sich in erster Linie die Höhe des monatlichen Beitrags ergibt:

  • Wie hoch ist das ideale Eintrittsalter?
    Unterschreiben Sie nur einen Vertrag, der Ihnen auch bei steigendem Einkommen eine regelmäßige Anpassung der Versicherungssumme ermöglicht.
  • Bis zu welchem Alter soll der Versicherungsschutz bestehen?
    Zum Beispiel bis zum gesetzlichen Rentenalter von 65 bzw. 67.
  • Wie hoch soll die Erwerbsunfähigkeitsrente ausfallen?
    Je höher die vereinbarte Rentenleistung, desto höher natürlich auch der Beitrag. Empfohlen ist grundsätzlich, die Höhe der privaten Erwerbsunfähigkeitsrente mit ca. 60 bis 70 Prozent des Bruttolohns zu beziffern.

4 Tipps für Ihre Erwerbsunfähigkeitsversicherung

  • Empfehlenswert ist ein Vertrag, der Ihnen bei steigendem Einkommen eine regelmäßige Anpassung auch der Versicherungssumme ermöglicht.
  • Berücksichtigen Sie bei der Höhe der Erwerbsunfähigkeitsrente alle laufenden Kosten, die auch im Falle des Arbeitskraftverlustes bestehen bleiben.
  • Wählen Sie eine Versicherung, die ohne Verzögerung sofort bei Eintritt der bedingungsgemäßen Erwerbsunfähigkeit die Zahlung der Rente gewährleistet.
  • Beachten Sie, dass eventuelle Extra-Bausteine wie eine Beitragsbefreiung bei Eintritt einer Berufsunfähigkeit, Rehabilitationshilfen oder eine Nachversicherungsgarantie in der Regel auch extra kosten.