Geldanlage in Wertpapieren

Denken Sie beim Thema Sparen auch zuerst an Ihr Giro- oder Tagesgeldkonto oder das Sparbuch bzw. die SparCard? Damit sind Sie nicht allein. Für viele Deutsche sind dies immer noch die bevorzugten Geldanlagen. Lange Zeit lagen Sparer mit diesen Formen der Geldanlage auch für den langfristigen Vermögensaufbau grundsätzlich richtig: Im Jahr 2008 etwa betrug selbst der durchschnittliche Effektivzins für Spareinlagen mit einer Laufzeit von nur bis zu zwei Jahren noch mehr als 4 Prozent. Und das bei einer Inflationsrate von 2,6 Prozent. Doch diese Zeiten sind erst mal vorbei – zuletzt erreichten die Zinsen für klassische Sparprodukte im Schnitt nicht einmal mehr ein halbes Prozent (Quelle für alle Daten: Deutsche Bundesbank, Stand: Q2/2016). Nach einer Umfrage des Instituts TNS-Emnid im Auftrag der Postbank nutzen die Deutschen folgende Geldanlageformen:

  • 46 % belassen ihr Guthaben auf dem Girokonto.
  • 39,8 % nutzen Tagesgeldkonten.
  • 33,3 % bevorzugen klassische Sparkonten.
  • 17,8 % lagern ihre Ersparnisse in der Wohnung.
  • Tatsächlich nutzen nur 17,7 % Wertpapieranlagen wie Aktien zum Vermögensaufbau.

Wer sein Geld zu diesen Bedingungen anlegt, könnte es theoretisch auch einfach ins Sparschwein oder unter die Matratze stecken – für den langfristigen Vermögensaufbau aber reicht eine Rendite nahe null nicht aus. Mehr zum Thema Vermögensaufbau in Zeiten niedriger Zinsen lesen Sie hier

Wertpapiere – eine sinnvolle Ergänzung

Eine sinnvolle Ergänzung zu traditionellen Sparprodukten kann eine Wertpapieranlage sein. Vielleicht investieren Sie ja sogar bereits in Wertpapiere, ohne wirklich darüber nachzudenken: zum Beispiel indem Sie die vermögenswirksamen Leistungen (VL) und die Arbeitnehmersparzulage Ihres Arbeitgebers in einen VL-fähigen Fondssparplan fließen lassen.

Wesentlicher Unterschied zwischen klassischen Sparprodukten und einer Wertpapieranlage: Wertpapiere werden in der Regel an der Börse gehandelt. Ihre Renditechancen basieren nicht im Wesentlichen auf zentral festgelegten Werten, wie zum Beispiel dem Leitzins der Europäischen Zentralbank, sondern auf verschiedenen Faktoren. Dazu gehören beispielsweise konjunkturelle und politische Entwicklungen, die Gewinnaussichten von Unternehmen, die Inflationsrate oder Währungsschwankungen. Alle diese Faktoren beeinflussen die Nachfrage nach bestimmten Wertpapieren und damit deren Wertentwicklung.

Die Wertpapieranlage eröffnet eine mögliche Renditechance und kann daher langfristig betrachtet rentabler sein als eine Zinsanlage. Sie ist aber auch risikoreicher, deshalb ist die Risikomischung bei einer Wertpapieranlage besonders wichtig.

Diese Wertpapieranlagen stehen zur Wahl

  • Investmentfonds
  • Aktien
  • Anleihen
  • Zertifikate

Investmentfonds

Eine relativ einfache Form, in Wertpapiere zu investieren, sind Investmentfonds, sie streuen dabei das Anlagekapital entweder über mehrere Werte einer Anlageklasse, z. B. verschiedene Aktien, oder auch mehrere Anlageklassen, z. B. Aktien und Anleihen. Mit dem Erwerb von Investmentfondsanteilen werden Sie Miteigentümer am Fonds- bzw. Sondervermögen.

Aktien

Mit einer Aktie werden Sie quasi Mitinhaber des Unternehmens. Mögliche Renditechancen bieten sich Aktionären zum einen durch steigende Kurse, zum anderen durch die Dividende, die von den Unternehmen ausgegeben wird. Wie sich zum Beispiel eine reine Aktienanlage in Standardwerten des Deutschen Aktienindex DAX in der Vergangenheit je nach An- und Verkaufszeitraum entwickelte, zeigt das Renditedreieck des Deutschen Aktieninstituts. Der Kurs einer Aktie kann schwanken und die Dividende ist nicht garantiert. Teilweise kann diese sogar ganz ausgesetzt werden. Möglicherweise kann das eingesetzte Kapital ganz verloren gehen.

Anleihen

Anleihen, auch Rentenpapiere genannt, haben entgegen Aktien in der Regel eine feste oder variable Verzinsung (Kupon) sowie eine feste Laufzeit. Ausnahmen sind Nullkupon-Anleihen (sog. Zero Bonds) ohne laufende Verzinsung. Hier ergibt sich die erzielte Rendite einzig und allein aus der Differenz zwischen dem abgezinsten Ausgabepreis und dem festgeschriebenen Nennwert. Der Käufer einer Anleihe gewährt dem Emittenten, also deren „Herausgeber“ im Prinzip einen Kredit, wird damit also zum Gläubiger. Zum Ende der Laufzeit muss der Emittent dem Käufer den Nennwert der Anleihe zurückzahlen. Ausgegeben werden Anleihen von öffentlichen Emittenten (Staatsanleihen, z. B. Bundesanleihen) oder Unternehmen (Unternehmensanleihen). Ihre Rendite ergibt sich aus der Verzinsung, aber auch aus möglichen Kursgewinnen. Denn die meisten Anleihen werden wie Aktien an der Börse gehandelt. Risiken ergeben sich zum einen während der Laufzeit aus Kursschwankungen, zum anderen aus der möglichen Insolvenz des Emittenten.

Zertifikate

Zertifikate sind rechtlich gesehen Anleihen ähnlich. Ihre Wertentwicklung ist jeweils an die Entwicklung eines sogenannten Basiswerts geknüpft. Das kann zum Beispiel eine Aktie, ein Index, ein Rohstoff oder eine Währung sein. Zertifikate sind komplexe Produkte, die es in verschiedenen Ausgestaltungen mit unterschiedlichen Renditechancen und Risiken gibt. Der Bankenverband und die Verbraucherzentrale empfehlen sie deshalb vor allem für Anleger, die bereits Erfahrungen mit Wertpapieren gesammelt haben.

Um in eine Wertpapieranlage zu handeln, brauchen Sie kein Börsenprofi zu sein, aber Sie müssen sich der möglichen Risiken bewusst sein.

Bitte beachten Sie

Jede Geldanlage ist mit einem gewissen Risiko verbunden. In der Regel steigen mit den Renditechancen einer Anlage auch ihre Risiken. Je nach Wahl der Wertpapier-Anlageform ist insbesondere mit Kurs- bzw. Volatilitätsrisiken, Risiken der Bonität, der Liquidität, der Zinsänderung, der Währung und der Länder sowie steuerlichen Risiken zu rechnen. Über die speziellen Risiken der jeweiligen Anlageform informieren Sie die gesetzlich vorgeschriebenen Verkaufsunterlagen oder Ihr Berater.